"Im März letztes Jahr haben wir überlegt, was wir für die Leute machen können, wenn sie während des Lockdowns nicht die Kirche besuchen können", erzählt Markus Kraft, Mitglied des Kirchenvorstands der evangelischen Kirchengemeinde Wannbach. Ergebnis war die Idee, dass Gottesdienste live gesendet werden könnten. "Allerdings gab es das Problem, dass es keinen Internetanschluss oder Mobilfunk in der Kirche gab", berichtet Kraft weiter.

Deshalb wurde ein entsprechender Vertrag abgeschlossen und es konnte übertragen werden. "Dann dachten wir, wenn wir eh einen Internetvertrag haben, warum nicht auch für das Gemeindehaus. Das ist gut bei den Kirchenvorstandssitzungen und macht das Gemeindehaus attraktiver für Vermietungen", erläutert Kraft.

Außerdem konnten sich die Mitglieder der Kirchengemeinde auch vorstellen, dass man einen freien WLAN-Hotspot rings um die Kirche und das Feuerwehrhaus und sogar bis zum Wanderparkplatz Festplatz und dem Platz, an dem Wohnwagen parken, anbieten könnte. Das könne von Vorteil für den Tourismus oder die Feuerwehr sein. Markus Kraft berichtet: "Wir dachten, das ist eine Win-Win-Situation für die kirchliche, aber auch die politische Gemeinde."

Die Kosten

Man könne sich auch neue Gottesdienstformen oder ein zukunftsorientiertes Gebäudemanagement vorstellen. Markus Kraft stellte die Kosten zusammen, die zwischen der kirchlichen und der politischen Gemeinde aufgeteilt werden sollen. Dem gemeinschaftlichen Anschluss stimmten nun in der Sitzung des Marktgemeinderats Pretzfeld die Räte einstimmig zu. Für die Marktgemeinde und die Kirchengemeinde fallen jeweils einmalige Kosten in Höhe von 1000 Euro und laufende Kosten im Monat in Höhe von 17,45 Euro an.

"Die Kirchengemeinde realisiert das ehrenamtlich. Erst wird ein Internetvertrag abgeschlossen, dann stellen wir die WLAN-Hotspots auf. Dann wird das in zwei bis drei Monaten laufen", schätzt Markus Kraft.

Live aus dem Gottesdienst

Die Live-Übertragungen der Gottesdienste laufen aber nach wie vor. Dass er bei solchen mitwirken würde, damit hat Pfarrer Matthias Haag nicht gerechnet: "Vor Jahren war ich noch skeptisch, ob man WLAN in der Kirche braucht." Er war der Meinung, dass sich die Menschen hier analog und in Echtzeit treffen sollten. Doch mittlerweile hat sich seine Meinung geändert und er ist dankbar, dass der Kirchenvorstand solch gute Vorarbeit geleistet hat.

Den Vorteil für die kirchliche und die politische Gemeinde sieht auch Bürgermeister Steffen Lipfert (FW): "Ich sehe es positiv, dass ehrenamtlich so eine wichtige Sache hier im ländlichen Raum angegangen wird." Er sieht den freien WLAN-Hotspot als Pilotprojekt an und hat bereits Kontakt zur katholischen Kirchengemeinde aufgenommen; und auch in Hetzelsdorf könnte ein solcher eingerichtet werden. "Es ist schön, dass jetzt auch gleich etwas passiert, denn gerade in der aktuellen Zeit besteht Bedarf an solchen Projekten", meint Lipfert.

Mitglied des Kirchenvorstands und des Marktgemeinderats ist Diana Könitzer (CSU/BB): "Ich finde diese Idee klasse, denn gerade im Zeitalter der Digitalisierung ist so ein WLAN-Hotspot im ländlichen Raum ein Gewinn." Er habe Vorteile für den örtlichen Tourismus, aber aktuell besonders für die Seele. "Denn die Menschen haben viel davon, wenn sie die Gottesdienste verfolgen", meint Könitzer. Sie selbst nutze diese Möglichkeit gemeinsam mit ihrem Sohn: "Das bringt wenigstens ein bisschen Normalität und den Zugang zur Religion, wo doch gerade viel Struktur und Miteinander wegfallen."