Das Leitbild vom ehrbaren Kaufmanns hat sich im Mittelalter entwickelt. Anstand und Aufrichtigkeit gehören seitdem zu den unternehmerischen Grundgedanken. Durch Negativbeispiele einzelner Unternehmen und Manager ist das Bild in den vergangenen Jahren jedoch immer wieder in Schieflage geraten.

Die Mitglieder der Wirtschaftsjunioren Forchheim (WJ Forchheim), die in diesem Jahr ihr 40. Jubiläum feiern, wollen die unternehmerischen Tugenden hochhalten. "Wir haben einen Ruf in der Region zu verlieren. Keiner der Mitglieder würde sich so verhalten. Als Wirtschaftsjunioren haben wir eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft", erklärt Nina Knöß, die stellvertretende Kreissprecherin.

Weltweites Netzwerk

Den Forchheimer Wirtschaftsjunioren gehören vor allem Mittelständler und Kleinunternehmer an, die das Wohl der Gemeinschaft als ein Ziel ihrer Arbeit erkoren haben.


Die Wirtschaftsjunioren, die Teil des weltweiten Netzwerks von "Junior Chamber International" sind, bilden den größten Verband junger Unternehmer, Selbstständiger und Führungskräfte in Deutschland. Bayern ist der größte Landesverband. "Alle Branchen sind vertreten", erklärt Verena Stegmeyer, die Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren Forchheim.

Von Finanzbranche, Versicherungen, Produktion über Dienstleistungen sind in Forchheim sämtliche Bereiche der Wirtschaft abgedeckt. Dieter Reck leitet ein Ingenieurbüro in Forchheim und ist seit vielen Jahren dabei. "Als Wirtschaftsjunioren stehen wir für ehrbares Unternehmertum, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Investition in Bildung, nationale und internationale Netzwerke und Ressourcenbewusstsein", sagt er.

Wer Mitglied bei den WJ Forchheim werden will, muss zunächst verschiedene Anforderungen erfüllen. Bedingung zum Beispiel ist, dass der Anwärter unternehmerisch tätig oder leitender Angestellter ist. Der Vorstand der Wirtschaftsjunioren beschließt nach einem halben Jahr Gastmitgliedschaft über die Aufnahme eines neuen Mitglieds.

"Die Chemie muss einfach stimmen. Man muss zu unserem Haufen passen", sagt Reck. Auch der regelmäßige Besuch von Veranstaltungen gehört dazu, denn die Wirtschaftsjunioren sind aktive Mitglieder. "Wir sind ein Mitmach-Verein und legen darauf viel Wert", betont Kreisvorsitzende Verema Stegmeyer, deren Familie ein bekanntes Schmuckgeschäft in Forchheim betreibt.

Tolerant bei Altersfragen

Darüber hinaus dürfen aktive Mitglieder nicht älter als 45 Jahre alt sein. "Eigentlich beträgt das Höchstalter der WJ Deutschland 40 Jahre, aber wir in Forchheim sind da toleranter", erklärt Reck. Wer älter ist, kann zudem als passives Mitglied dabeibleiben: "Es fliegt keiner raus."

Das Durchschnittsalter in Forchheim liegt bei 30 Jahren. Das Prinzip des "One year to lead" zieht sich durch die Kreis-, Landes- und Bundesebene. Es bedeutet, dass leitende Ämter innerhalb der WJ nach einem Jahr wieder abgegeben werden.

Das Forchheimer Mitglied Ingo Keller wird beispielsweise im nächsten Jahr den Landesvorsitz übernehmen. Die WJ verstehen sich als ein lebendiges Netzwerk, das die Forchheime einstimmig digitalen Plattformen wie Facebook oder Xing grundsätzlich vorziehen. Die Wirtschaftsjunioren beschränken sich dabei nicht auf eine Region, sondern agieren in ganz Deutschland und der Welt.

Neue Ideen und Impulse

Durch ein weltweites Netzwerk tauschen sich Führungskräfte aus verschiedenen Nationen aus. Das hilft den jungen Unternehmern, neue Ideen zu entwickeln.
Die Wirtschaftsjunioren nehmen auch gegenüber der Politik Stellung und legen auf Konferenzen ihre politische Ausrichtung fest. Auch in Bayern gibt es Lobbyarbeit und einen engen Kontakt zur Politik. In Forchheim achten die Mitglieder besonders darauf, regen Kontakt untereinander zu pflegen.
Die Regel ist ist zudem auch, dass sämtliche Mitglieder per Du sind. Gemeinsam werden Veranstaltungen organisiert und besucht, in andere Unternehmen hineingeschnuppert oder Familien- und Aktionstage abgehalten.