Die Erwartungen waren groß. Ein Jahr lang hatte Jens Birnbach, der experimentierfreudige Leiter des Forchheimer Liedervereins, mit seinem Chor das Werk eines zeitgenössischen Komponisten einstudiert. "Mass" nennt der im Raum Stuttgart lebende Musikpädagoge Harry W. Schroeder seine Popmesse in lateinischer Sprache.

Der Komponist war selbst in die Kirche "Verklärung Christi" gekommen. Er wusste selbst am besten, welche Anforderungen seine Messe an die Sänger und Musiker stellt. Sinfonische Klangbilder wechseln mit an Bach erinnernde Fugen und moderne Rhythmik, die sich schwungvoller Rock- und Pop-elemente bedient.

Schwebende Stimmen

Er sollte ebenso wenig enttäuscht werden wie die vielen Besucher, die den Kirchenraum gefüllt hatten. Die Kirche liegt im Dunkeln. Nur im Altarraum dämmerte nachtblaues Licht. Leise und geheimnisvoll beginnen die Männerstimmen das Kyrie, der Gesang schwillt an und wird dann von den Frauenstimmen überschwebt. Das Blau wird heller und beim freudig gesungenen "Gloria" lässt die Lichtregie leuchtendes Rot über den mehr als 60 Sängern erstrahlen. Zu den Stimmen des Liedervereins sind 20 Projektsänger aus der Umgebung gekommen.

So ist es Jens Birnbach gelungen, die für diese Aufführung notwendige Fülle der Stimmen aufzubringen. Vom ersten Ton an ist die Begeisterung des Chors und aller Musiker zu spüren. Diese Spannung zieht sich durch das ganze Werk. Im "Quoniam tu solus" meistert der Chor die an Bach erinnernde fugenhafte Führung der Stimmen und die ständigen Tempowechsel auf souveräne Weise. Vorzüglich spielen die sechs jungen Musiker des Sinfonischen Blasorchesters Buckenhofen. Ihre klangliche Brillanz und Präzision besticht. "Das war heute eine echte Herausforderung", sagte die Trompeterin Nina Michalok.

Im Credo wetteifern Bläser und Sänger im jazzigen Wechsel, unterstützt vom sicheren E-Bass von Susi Lotter und dem dynamischen Schlagzeuger Jan Schwarzmann. Beide sind Schüler des Herder-Gymnasiums. Die Freude am modernen Drive zeigen die Sänger und Musiker auch im rockig schwungvollen "et resurexit" (deutsch: er ist auferstanden). Hier zeigen klassische Instrumente, wie Geige und Cello mit fetzigen Spiel überzeugen können. Einen wertvollen Beitrag lieferten die beiden Solistinnen. Die Altistin Adelheid Lang aus Gößweinstein sang mit warmem Timbre und großer Gefühlstiefe, Andrea Wurzers Sopran klingt klar und einfühlsam.

Innig gesungen

Mit den innig gesungenen Solis von Benedictus und Sanktus führen sie zum gewaltigen Schlussgesang des "Dona nobis pacem". In tief bewegendem Zusammenklang vereinigen sich alle Sänger und Musiker und flehen nach Frieden. Ergriffene Stille, dann stehender Beifall.

Der Komponist hat mit seiner "Mass" den Nerv der Menschen getroffen, auch er ist vom Geist der Forchheimer Aufführung gerührt. Jens Birnbach hat es verstanden, mit seinem Liederverein einen Anlaufpunkt für Sänger, Musiker und für junge Talente zu schaffen.