Unheimliche Gefühle beschlichen die Besucher des Liedervereinsballs in der Forchheimer Jahnhalle. Eben war man noch im lockeren Gespräch mit den Tischnachbarn, plötzlich versinkt der Saal im Dunkel. Nebel quillt auf.
Mit unsicherem Gang tastet sich eine Gestalt, vom wallenden Gewand umhüllt, durch die Finsternis. Das Phantom zögert, es steht vor einem Piano, dann klimpert es traumverlorene Melodien, ganz leise. Ein Kind erscheint, wie eine Elfe ganz in Weiß gekleidet, es winkt die Sänger herbei, die sich aus der nachtblauen Tiefe des Saales zur Bühne bewegen.

In Blau und Rot

Das Klavierspiel des Phantoms schwillt an und geht nahtlos in die rauschenden Klangfluten der Musik von Andrew Lloyd Webber über.


Etwas 60 Sänger intonieren in strahlend blau-rostes Licht getaucht ein Medley des Welterfolges "Phantom der Oper", geleitet von Jens Birnbach der sich vom Phantom zum Dirigenten des Liedervereins gewandelt hatte. Womit kann ein Chor einen runden Geburtstag angemessener feiern als mit einer musikalischen Darbietung? Der Liederverein ist mit nun 170 Jahren einer der ältesten Chöre in ganz Franken. Mit den letzten Auftritten wurden Erwartungen geweckt und schließlich erfreut der Ball des Liedervereins seit Jahrzehnten großer Beliebtheit.

Jetzt hatte man den seit ewig feststehendem Termin vom Februar auf den Sommer verlegt, doch der Saal war wiederum gut gefüllt.

Brücke zur Gegenwart

Die Vorsitzende Gisela Steinlein konnte im Kreis erwartungsvoller Besucher eine Reihe von Stadt- und Kreisräten begrüßen, an der Spitze Landrat Hermann Ulm (CSU).

Die Vorsitzende wies auf die "eindrucksvollen Konzerte" hin, die der Liederverein im Lauf seiner Geschichte in Forchheim geboten hat und schlug die Brücke zur Gegenwart.
Sie freute sich, dass in Forchheim ein Zusammenwachsen der in Kunst und Kultur engagierten Bürger sichtbar wird. Das zeige sich auch am heutigen Abend, zu dem viele Sänger und Musiker aus anderen Vereinen gekommen seien. Die Anziehungskraft des Liedervereins-Programms auf Forchheimer Musikliebhaber wurde deutlich durch die große Zahl der Sänger, darunter auch eine Reihe von Projektsängern.

Der aktive Opernsäger Jens Birnbach hat den Liederverein auf ein erfreuliches sängerisches Niveau geführt. Als "Theatermensch" bindet er gern die musikalischen Darbietungen in kleine Szenen ein. Auch seine neunjährige Tochter Luise wandelt bereits auf den Spuren des Vaters.

Sie war die Elfe in der Eingangs- Szene und sang tapfer im Chor mit. Für professionelle Beleuchtung und eine höchst anspruchsvolle Tontechnik sorgte das Junge Theater, für musikalisches Gänsehaut-Gefühl der Chor. Vom zart schwebenden Piano bis zur überwältigenden Wucht eines Fortissimos kostete der Chor alle Nuancen der Musik Webbers aus. Anschließend wurden die Paare zu den klassisch exakten Tanzrhythmen des Noris Swingtetts auf das Parkett geladen.
Ein gut angenommenes Tanzspiel der Tanzschule Tanz-Eleganz und die Sektbar unter dem sommerlichen Nachthimmel lockerten den gelungenen Gala Ball zum 170. Geburtstag des Liedervereins auf.