David wagt den Kampf gegen Goliath. Ab Ende des Jahres wollen die Stadtwerke Forchheim unter dem Namen "Fo One" der Deutschen Telekom, Vodafone oder 1&1 die Stirn bieten und Telefon, schnelles Internet und digitales Fernsehen aus einer Hand anbieten. Dabei setzen die Stadtwerke auf Glasfaserkabel bis ins Haus der Kunden.
"Ein leistungsfähiges Telekommunikationsnetz gehört zu den elementaren Lebensbedürfnissen. Als regionaler Partner übernehmen wir die Verantwortung für die digitale Grundversorgung unserer Stadt", verspricht Geschäftsführer Reinhold Müller. Er weiß: Eine zukunftsfähige Breitbandversorgung ist für die Stadt Forchheim ein maßgeblicher Standortfaktor.


Zu viel Kapazität ungenutzt

"Ehe wir diesen Schritt gewagt haben, haben wir uns rückversichert, dass uns nicht eine andere Technik wie die drahtlose Übermittlung von Daten überholt. "Aber wir sind sicher, dass dem Glasfaserkabel die Zukunft gehört", zeigt sich Projektmanager Christian Palla überzeugt. Derzeit würden nur fünf Prozent der Kapazitäten eines Glasfaserkabels genutzt. Das werde sich sehr schnell mit dem steigenden Bedarf an Bandbreiten ändern.
Der Unterschied zu den Mitbewerbern: "Die pimpen eine veraltete Technik auf und verdienen damit Geld", urteilt Palla. Geschäftsführer Reinhold Müller vergleicht das mit einem alten Auto, das mit Spoiler und Breitreifen aufgemotzt und als Flitzer verkauft werden soll.


Masterplan verabschiedet

Stattdessen haben die Stadtwerke einen Masterplan verabschiedet, wie Zug um Zug die ganze Stadt mit Glasfaser versorgt werden kann. Müller ist sicher, dass die Mitbewerber den exponentiell steigenden Bedarf an höheren Bandbreiten über die herkömmlichen Kupferleitungen und Koaxialkabel nicht mehr bedienen können. "Da gibt es physikalische Grenzen", weiß der gelernte Elektroingenieur. "Alle zwei Jahre verdoppelt sich der Datenverkehr", sagt Uwe Dennerlein, der ebenfalls für das Unternehmen Zukunft zuständig ist.

Mit herkömmlicher Technik seien maximale Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreichbar. "Wenn wir aber medizinische Daten des Forchheimer Klinikums zu den Kollegen der Uniklinik Erlangen schicken wollen, reicht das nicht aus, zumal wenn sich viele Nutzer das Netz teilen", argumentiert Müller . Beim "Highspeed" Datenverkehr, den die Stadtwerke anbieten wollen, seien tausend Megabits pro Sekunde und mehr möglich. "Auch dann, wenn mehrere die Leitung gleichzeitig nutzen." Bisher gab es dieses Angebot nur für ausgewählte Kunden, darunter die Stadt Forchheim. Und Geschäftsleute, die darauf angewiesen waren und dafür bezahlt haben. So hätten die Stadtwerke von den Endpunkten der Glasfasernetze in Richtung Erlangen, Bamberg und Ebermannstadt einen Ring in der Stadt gelegt. Von dort aus gebe es Glasfaser-Abzweigungen zu den jeweiligen Kunden.


Los geht's am alten Hallenbad

"Was wir nun vorhaben, ist etwas ganz Neues. Wir haben Abschnitte gebildet, die Zug um Zug mit Glasfaser-Kabel bis zum Haus versorgt werden. Aber der Weg dahin ist lang", weiß Müller. Am schnellsten funktioniert die Digitalisierung auf dem Areal des ehemaligen Hallenbad-Geländes. Dort wurden bereits während der Bauphase Leerrohre für ein späteres Glasfaserkabel verlegt. Deshalb sollen bereits bis zum Jahresende alle 451 Wohneinheiten Hochgeschwindigkeits-Internet nutzen können.

Als weitere Areale folgen der Bereich westlich der Bügstraße, der Bereich zwischen Hornschuchallee und Paradeplatz, die Altstadt zwischen Rathaus, Hauptstraße und Wallstraße sowie das Krottental bis zur Kaiserpfalz.
Parallel dazu werden kontinuierlich weitere Gewerbe- und Neubaugebiete mit Glasfaserleitungen erschlossen. Aber auch in den nicht erschlossenen Gebieten und in weiten Teilen des Landkreises können die Bürger vom Service und der Kundennähe von Fo One profitieren, denn überall dort, wo kein Glasfaser verlegt ist, nutzen die Stadtwerke das vorhandene Kupfernetz, um ihre neuen Produkte anzubieten.


Vorsorglich Leerrohre verlegt

Die ersten Leerrohre haben wir bereits 1997 verlegt, erinnert sich der Leiter der Stadtwerke. Selbstkritisch gibt er zu: " Wir haben uns den Schritt, den wir heute wagen, damals noch nicht zugetraut." Deshalb gab es Hochgeschwindigkeits-Internet nur in Zusammenarbeit mit dem Partner "Stadtnetz Bamberg GmbH". In Zukunft beliefern die Bamberger Kollegen die Stadtwerke Forchheim, die nun selbstbewusst als eigenständiger Anbieter auftreten.

Jetzt ist "Fo One" marktreif. "In der Innenstadt ist ein Shop geplant, in dem wir unsere Produkte vermarkten", erklärt Müller. Er ist auch ein wenig stolz auf seine Mitarbeiter, die das Vorhaben schließlich stemmen müssen. Es gebe nur wenige Stadtwerke, die sich diese Aufgabe zutrauten. Deshalb findet er seine Truppe "unendlich dynamisch". Und für die Kunden, so verspricht der Werbeslogan, werde alles "unendlich einfach". Dank der Forchheimer Stadtwerke.