Für Harmonie haben die Signalanlagen in den letzten Jahren nicht gerade gesorgt. Vor allem der Forchheimer Bürgerblock (FBF) hat hartnäckig die fehlende Grüne Welle in der Stadt kritisiert. Jetzt arbeitet das Verkehrsamt an der "Harmonisierung der Betriebszeiten", sagt Roland Brütting, der Chef im Verkehrsamt. Dabei geht es aber noch nicht um die Grüne Welle, sondern darum, die vielen unterschiedlichen Schaltungen zu harmonisieren. Der Trend gehe dahin, sagt Brütting, die Ampeln nachts durchlaufen zu lassen.

Im kommenden Jahr soll dann die Grüne Welle kommen. Die Verkehrsexperten setzen auf einen Zentralrechner. Die 30 Forchheimer Ampelanlagen sollen mit UMTS-Technik ausgestattet werden, kündigt Roland Brütting an. Die Abkürzung steht für Universal Mobile Telecommunications System.
Mobilfunktechnik also, die eine besonders hohe Datenübertragung ermöglicht.


30 Ampeln in der Stadt


Der Vorteil der UMTS-gesteuerten Ampeln: Der Forchheimer Verkehrsamt hätte künftig einen Lesezugriff auf den Zentralrechner; könnte auf aktuelle Verkehrsströme reagieren, Ampelausfälle schneller erkennen. Etwa ein Drittel der 30 Forchheimer Ampeln wird von der Stadt gewartet. Um den größeren Teil kümmert sich das Staatliche Bauamt Bamberg. Jens Laußmann ist dort für die Verkehrstechnik zuständig. Der aktuelle Forchheimer Verkehrsrechner, sagt Laußmann, erfülle zwar seinen Zweck, aber er sei auch "betagt".


Wenn das Notprogramm anspringt


Diese Betagtheit äußert sich in einem schwer kontrollierbaren Eigenleben. Zum Beispiel, wenn die Ampeln nach dem Fränkische-Schweiz-Marathon wieder eingeschaltet werden. Da passiert es schon mal, erzählt Roland Brütting, dass der Rechner beim Hochfahren "auf das Notprogramm umschaltet - und wir kriegen es nicht mit".
Klaus Mühleck, Ampel-Experte der Firma Siemens, hat der Stadt vorgeschlagen, sämtliche Ampeln über einen zentralen Server zu steuern. Der Zentralrechner würde extern gewartet und "immer überwacht", erläutert Brütting. Das Verkehrsamt Forchheim hätte jederzeit Einblick in das Geschehen.

Was investiert werden muss, darüber spricht noch niemand. Aber der Freie Bürgerblock Forchheim hat einen Antrag für die Etatberatung 2015 gestellt: "Wir haben noch keine feste Summe benannt, aber es muss Geld bereitgestellt werden, um den überalterten Rechner zu ersetzen", fordert Heinz Endres. Der FBF-Rat hatte wiederholt eine Grüne Welle nach Bamberger Vorbild gefordert.

Doch Jens Laußmann warnt vor Vergleichen: "Die Grüne Welle ist sehr komplex. Einmündende Straßen und Verkehrsbelastungen spielen eine große Rolle, die Randbedingungen sind in jeder Stadt anders." Die Zahl der "Störgrößen" sei so hoch, dass "irgendeiner immer unzufrieden ist", sagt Laußmann. Schließlich müssten ja nicht nur die Autofahrer auf der Hauptstrecke berücksichtigt werden, sondern auch die Nebenrichtungen, die Radfahrer und die Fußgänger.

Der Vergleich mit Bamberg hinkt auch deshalb, weil man sich dort seit 1990 einen Verkehrsingenieur leistet: Alfred Friedrich macht seit 24 Jahren die Ampelplanung. Gewartet werden die 109 Ampeln (davon 30 Fußgängerampeln), allerdings von einer Firma. Durch den direkten Zugriff auf den Verkehrsrechner sei er "dran" an den Problemen der Autofahrer, sagt Alfred Friedrich. "Aber man kann es nie allen Recht machen", weiß der Verkehrsingenieur, "die Grüne Welle ist nicht alles. Man muss auch die Randbedingungen sehen. Die Ampelplanung muss ganzheitlich angeschaut werden."