Hier ein neuer Kreisverkehr, dort ein neuer Supermarkt: Vor unseren Augen verändert sich die Landschaft rasant. Wie schnell die Wiesen rund um Ebermannstadt, Forchheim & Co. tatsächlich verschwinden, hat der bekannte Agrarökonom Otmar Seibert den wohl nicht schlecht staunenden Bürgermeistern bei einem als Arbeitstreffen titulierten Termin im Forchheimer Landratsamt auf Einladung von Landrat Hermann Ulm (CSU) erklärt.

"Schon ziemlich heftig" nennt Otmar Seibert die Veränderungen im Landkreis Forchheim. Über 2500 Hektar seien zwischen den Jahren 2008 und 2018 für die Landwirtschaft verloren gegangen. Der ehemalige Professor für Agrarökonomie an der Universität Triesdorf hat herausgefunden, dass jedem Bürger im Landkreis Forchheim dadurch genau 225 Quadratmeter für den Anbau von Nahrungsmitteln rein rechnerisch abhanden gekommen seien.

Unsichtbarer Wandel

"Dieses Ausmaß ist den Bürgermeistern sicherlich nicht so richtig bewusst gewesen", hat Seibert nach dem "Geheimtreffen" mit den versammelten Rathauschefs im Landratsamt erklärt. Der Professor hat auch eine Erklärung dafür, warum viele Gemeindeoberhäupter die Größenordnung des Flächenverbrauchs wohl unterschätzen.

"Die meisten Flächenveränderungen verlaufen wirklich subkutan unter der Oberfläche", ist der Experte sicher und verweist darauf, dass die meisten Bürgermeister in ihren Amtsperioden nur hier eine Straße und dort ein Baugebiet genehmigen ließen: "In der Summe sind die Veränderungen aber gewaltig."

Kampfbegriffe wie der berühmte "Flächenfraß" würden allerdings in die Irre führen, findet der Professor. Seibert spricht lieber vom Verschwinden der landwirtschaftlichen Flächen. "Im Landkreis Forchheim ist nur etwa ein Viertel tatsächlich bebaut worden."

Von den 2500 Hektar seien lediglich rund 700 Hektar für Siedlungs- und Verkehrsflächen verwendet worden. Der Rest sei in ökologische Ausgleichsflächen umgewandelt worden, verwaldet allmählich oder wird von Spekulanten als Bauerwartungsland gehandelt. Daher sei es so schwierig für die Bürgermeister, das ganze Ausmaß zu erkennen. "In Wirklichkeit ist der Flächenverlust drei mal so groß wie die verbaute Fläche."

Knapp zehn Prozent der Ackerflächen seien in den letzten zehn Jahren im Landkreis Forchheim verschwunden. "Das ist viel Holz", findet der Wissenschaftler und benennt mit den Landwirten auch die Leidtragenden dieses Teufelskreises.

Um den Prozess bremsen zu können, müssten die Bauern besser entlohnt werden und Geld für die erbrachten Leistungen für das Allgemeinwohl erhalten. Derzeit bekämen die Landwirte weder Geld für den Erhalt der schönen Landschaft noch für den Schutz des sauberen Trinkwassers.

Stattdessen müssten sich die regionalen Bauern mit dem großen Weltmarkt einen ruinösen Preiskampf liefern. Über die bessere Vermarktung der Regionalprodukte will Seibert die Bauern vor dem globalen Wettbewerb schützen. Mit Hilfe der Regionalprodukte könnte die einheimische Landwirtschaft dem Preisdumping auf dem Weltmarkt entgehen.

"Wir dürfen Entscheidungen über Nutzungsänderungen von landwirtschaftlichen Flächen nicht allein dem freien Markt überlassen", erklärt Seibert. Die Leistungen für das Gemeinwohl müssten bei der Preisbildung für die regionale Landwirtschaft mehr berücksichtigt werden, sagt der Experte und fordert daher mehr politische Unterstützung für die Herstellung der regionalen Spezialitäten. Die Zeit für Sonntagsreden sei endgültig vorbei.

Mehr Unterstützung nötig

Wenn die lokalen Bauern und das fränkische Lebensmittelhandwerk nicht untergehen sollen, müssten die Hersteller regionaler Produkte beispielsweise über zentrale Abholstellen besser unterstützt werden. Damit die Erzeuger vor der Haustür höhere Preise erzielen und besser von ihrer Arbeit leben können, die für den Erhalt der Kultur, Natur und Tradition überlebenswichtig seien. Noch bleibt Zeit zum Handeln.

Denn noch bestehe der Landkreis Forchheim fast zur Hälfte aus landwirtschaftlichen Flächen wie Äcker und Wiesen. "Ich hänge nicht an jedem Krümel des Bodens. Aber wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir allmählich das Potenzial, unsere regionalen Lebensmittel und Produkte vor Ort zu produzieren", warnt Seibert.

Der Experte fordert mehr Einsatz für den Erhalt der "Regionalsouveränität", damit die kulinarischen Leckerbissen und Identitätsstifter vom Kellerbier bis zum Meerrettich weiterhin vor der Haustür gedeihen und hergestellt werden können.

Informationen zum Flächenverbrauch

Flächen

Der Landkreis Forchheim hat laut Professor Otmar Seibert rund 2500 Hektar landwirtschaftliche Flächen verloren. Der Rückgang der Anbauflächen betrage damit etwas mehr als acht Prozent. Das Minus entspricht einem Verlust von 225 Quadratmeter pro Landkreis-Bewohner.

Politik

Die Metropolregion will ein großräumiges Leitbild zur Flächenentwicklung mit einem System zum Flächenmonitoring entwickeln. Landrat Ulm stellte den Landkreis-Bürgermeistern die wichtigsten Ziele des neuen Landmanagements vor: Flächen sparen, Regionalprodukte stärken und Bio-Bauern fördern.

"So wollen wir den Bestand an landwirtschaftlichen Flächen für die Herstellung von Regionalprodukten dauerhaft sichern", erklärte Hermann Ulm, Landrat des Landkreises Forchheim und Sprecher des Projektes "ReProLa". Mehr Infos gibt es unter www.reprola.de im Internet.