Über Geld spricht man nicht. Aber es ist ja Annafest. Da ist (fast) alles erlaubt. Ein bisschen nachdenken wird man also wohl dürfen, wie der aktuelle Festbier-Preis von sieben Euro und vierzig Cent zustande kommt.

Einfach ist die Bierpreis-Rechnung freilich nicht aufzustellen. Viele Unbekannte tummeln sich in der Gleichung. Jeder will schließlich auch etwas verdienen. Faktor Nummer 1: die Brauereien. Das Getränk braut sich schließlich nicht von alleine. Braumeister, Hopfen und Malz müssen angemessen entlohnt werden, damit der Geschmack stimmt. Sind wir also großzügig und nehmen an, dass der Festbier-Liter mit 1,50 Euro zu Buche schlägt. Faktor Nummer 2: die Schankgebühren. Hier hält die Stadt Forchheim die Hand auf. "Bei der Gestaltung der Schankgebühren steht noch eine Entscheidung des Stadtrates am 1. August aus. Bis zu diesem Entschluss werden noch keine Bescheide erlassen und Rechnungen gestellt", sagt Franka Struve, die Sprecherin der Stadt.

Faktor Nummer 3: die Musik. Eine gute Annafest-Band, die guten Sound und (ganz wichtig) guten Bierumsatz generiert "Ein Prosit der Gemütlichkeit" ist jedes Jahr der meistgespielte Schlager." Der Faktor Nummer 4: die Bedienungen. Die Annafest-Kellner haben während der tollen Tage im Kellerwald wohl den härtesten Job. "Die Bedienungen bekommen keinen Stundenlohn, sondern eine Provision", sagt eine erfahrene Annafest-Kellnerin, die lieber anonym bleiben möchte. Wie gesagt: Über Geld spricht man nicht (so gerne). Halten wir also fest. Marktwirtschaft, nicht Sozialismus ist auf dem Festgelände angesagt. Je mehr Bier verkauft wird, desto mehr verdienen die Kellner. "Unsere Kellner haben nach dem zehntägigen Knochenjob im Schnitt 1000 Euro mehr auf dem Konto", sagt eine bekannte Wirtin, die - genau: lieber nicht ihren Namen in der Zeitung lesen will.

Ein Spiel mit verdeckten Karten

Keiner wolle sich schließlich in die Karten schauen lassen. Wie hoch die Beteiligung der Kellner beim Bierumsatz ist - darüber spricht nun wirklich niemand; auch nicht hinter vorgehaltener Hand. Das ist wie beim Schafkopf. Begnügen wir uns also mit dem was wir wissen und rechnen also mit 1000 Euro pro Annafest und Kellner. Das macht pro Tag 100 Euro. Wenn die Kellner acht Stunden pro Festtag die schweren Krüge zu den Bierbänken schleppen, Bestecke wickeln und Tische und Bänke abwischen, kommt am Ende nach Adam Riese ein Stundenlohn von 12,50 Euro heraus. "Dazu kommt freilich noch das Trinkgeld", sagt eine Kellnerin, die morgens "normal" arbeiten geht und am Nachmittag ins Dirndl schlüpft, um die durstigen Kehlen mit Löschwaser zu versorgen. "Ich bin nicht jeden Tag da. Aber am Ende hab' ich ein bisschen Geld, um mit der Familie in den Urlaub zu fahren." Die Erholung nach dem Fest sei auch dringend nötig. Freilich mache die Arbeit zwischen den feiernden Menschen auch Spaß. Manchmal müsse man sich freilich allzu aufdringlichen Verehrern zu Wehr setzen.

Manchmal seien die Burschen freilich auch witzig und nett. Die Geschlechter halten sich unter den Annafest-Kellnern wohl in etwa die Waage. Gefühlt sind aber mehr Männer im beschwerlichen Bier-Lieferservice im Kellerwald beschäftigt. Die Männer-Domäne schlechthin sind übrigens die Schenker, die das Bier möglichst schnell in die Krüge zapfen müssen. "Ein schlechter Schenker kann das ganze Geschäft kaputtmachen", lautet die Faustregel bei den Wirten, heißt es immer wieder aus informierten Kreisen.

Halten wir uns aber nicht länger bei ökonomischen Binsenwahrheiten auf - ohne Angebot, keine Nachfrage -, sondern kommen zurück aufs Trinkgeld.

Allein das Wort wäre schon ein paar Gedanken wert. Geld zum Trinken. Schön wär's. In Amerika, genauer den Vereinigten Staaten, gilt das schöne deutsche Wort bei vielen Berufsgruppen im Service-Sektor beinahe schon als Euphemismus für Arbeitslohn. Lassen wir die angelsächsischen Raubtier-Kapitalisten aber beiseite und konzentrieren uns auf das schöne Zubrot, das man vertrinken soll.

Wenn der Beutel klingelt

"Die Leute sind schon großzügig", sagt ein Kellner. "Viele geben zehn Cent, die meisten runden sogar auf acht Euro auf." Wenn es feuchtfröhlich zugeht, verwechseln viele Gäste ihre Leder- häufig auch mit einer Spendierhose. Besonders beliebt bei Kellnern ist der Firmen-Mittwoch. Da klingelt der Trinkgeld-Beutel offenbar besonders gut. Nach zehn Festtagen läppert sich schon was zusammen. Aber wenn jemandem Trinkgeld gebührt, dann den Kellnern, die das Trinken bringen (Aufzählung der vielen anderen Berufsgruppen einfügen, die auch Trinkgeld verdienen, gerade im Sommer, und zwar reichlich). Seien wir also nicht kleinkariert. Trinkgeld und Kellner ist wie Schaumkrone und Bier: Beides gehört unbedingt zusammen. Kommen wir zu dem unheimlichsten Bereich der Rechnung: dem Annafest-X-Faktor. Hier wimmelt es nur so von Unbekannten. Kostendruck und Gewinnstreben in allen Variationen.

(Kosten + Gewinn ) x 19% = 7,40

Das Fazit der Bierpreis-Rechnung: der bekannteste Bierpreis-Faktor ist die Mehrwehrtsteuer. Die 19 Prozent garnieren die Maß garantiert. Ein Wunder, dass die Annafest-Maß "nur" 7,40 Euro kostet.