Fünf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz standen in der Anklage, doch verurteilt wurde ein 55-jähriger Angeklagter nur für den geringfügigsten Punkt. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 90 Tagessätzen à 15 Euro. Damit kam er relativ glimpflich davon.

In der Anklage von Staatsanwältin Isabel Brzezicha wurde dem 55-jährigen Mann zur Last gelegt, dass er 2015 in wenigstens drei Fällen jeweils mindestens 30 Gramm Metaamphetamin gekauft habe. Außerdem soll er Anfang 2016 fast 100 Gramm Haschisch erworben haben. Alle vier Taten hatte er laut Anklage begangen, teilweise, um die Drogen zu verkaufen, teilweise, um sie selbst zu konsumieren.

Punkt 5 bezog sich auf einen Fund im August 2016 in der Wohnung des Angeklagten in Forchheim. Dort fand die Polizei 0,12 Gramm Tabak-Marihuana-Gemisch und 0,2 Gramm Metaamphetamin. Diesen Besitz räumte der Angeklagte auch ein. Sein Verteidiger Thomas Drehsen sprach für ihn und erklärte, dass zu den anderen Punkten keine Aussage gemacht werde.

Da sich die Anklage auf die Aussage eines 31-Jährigen stützte, war dieser auch zur Verhandlung geladen. Aktuell sitzt dieser in der Justizvollzugsanstalt in Amberg. Er wurde in einem anderen Verfahren zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er hat Revision eingelegt und wartet nun auf eine erneute Aufnahme des Falles.


Hauptzeuge sagt nicht aus

"Ich will meine Aussage von damals zurücknehmen", sagte er deshalb vor Gericht. Eine Aussage könne aber nicht zurückgenommen werden, erklärte ihm Richterin Silke Schneider daraufhin. Entweder er könne sagen, dass die Aussage damals gelogen war, oder er könne die Aussage verweigern. "Nein, ich will sie zurücknehmen", entgegnete er erneut. Er habe unter Druck der Polizei ausgesagt und festgestellt, dass auch Beweismittel zurückgehalten worden waren. Schließlich stand er sogar auf und wollte den Saal verlassen."Sie sind fertig, wenn ich das sage", klärte Schneider ihn auf, "also, wollen Sie jetzt etwas sagen oder nicht?" "Ich möchte mich nicht äußern", erklärte der 31-Jährige schließlich. Damit waren die Punkte 1 bis 4 der Anlage nicht mehr zu halten.

Dass die beiden geringen Mengen Marihuana und Crystal in seiner Wohnung gefunden wurden, konnte der Angeklagte nicht abstreiten, so dass er dafür eine Verurteilung erwarten musste. Sein Verteidiger Drehsen betonte in seinem Plädoyer, dass vor allem die geringe Menge an Tabak-Marihuana-Gemisch bei Angeklagten ohne Vorstrafe sicher eingestellt werden würde. Da sein Mandant aber gleich zwölf Einträge vorzuweisen hatte, sehe auch er, dass eine Einstellung nicht möglich sei. Unter den Vorstrafen waren auch vier Drogendelikte. Diese lagen allerdings weit zurück; Das letzte Mal wurde der Mann 2005 wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes verurteilt.


Kein Nachweis möglich


Staatsanwältin Brzezicha sagte in ihrem Plädoyer, dass die Punkte 1 bis 4 nicht nachgewiesen werden können. "Ich kann daher den Vorwurf nicht mehr aufrecht erhalten", sagte sie und forderte für diese vier Punkte Freispruch. Eine Verurteilung für den Besitz von Drogen sah sie aber durchaus als notwendig an und forderte drei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Dazu sollte er 100 Arbeitsstunden ableisten. Drehsen stimmte ihr bezüglich der Schuld zu, forderte aber eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Amtsrichterin Schneider kam mit ihren Schöffen schließlich zu einem Urteil von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro: "Bei den anderen Punkten kann ich weder sagen, ob Sie es gemacht haben oder nicht. Deshalb muss ich Sie da freisprechen."