"Die Wiesent bei Muggendorf wurde uns am Montag früh gemeldet", sagt Karola Klimko vom Landratsamt Forchheim, die vom Wasserwirtschaftsamt in Kronach ständig über die Pegelstände auf dem Laufenden gehalten wird.

Dort sitzt Matthias Schrepfermann und hat immer ein Auge auf alle aktuellen Messwerte in Oberfranken. Als in der Nacht zum Montag die Wiesent am automatischen Messpunkt in Muggendorf einen Wasserstand von 207 Zentimetern erreichte, stufte Schrepfermann die Wiesent auf die Meldestufe 1. Ab diesem Pegelstand müssen in Ebermannstadt die Schützentafeln und Schöpfwerke geprüft werden. Bei der Hochwassermarke 2,15 Meter werden in Muggendorf die Fußwege am Fluss gesperrt.
Die Meldekette funktioniert nach dem Domino-Stein-Prinzip.

"In den letzten 24 Stunden hat es im Einzugsbereich der Wiesent zwölf Millimeter pro Quadratmeter geregnet", sagt Schrepfermann und gibt trotzdem Entwarnung für die nächsten Tage. "Der Pegel in Muggendorf nimmt schneller ab, als die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale das berechnen kann", weiß der promovierte Chemiker aus Erfahrung. "Die Wiesent steigt relativ schnell an, fließt aber auch sehr schnell wieder ab." Etwas schlimmer hat das Hochwasser den Unteren Aischgrund erwischt. Dort wurde gestern Nachmittag um vier Uhr noch ein Pegel von 4,32 Meter gemessen. Schrepfermann erklärt sich den höheren Pegel an der Laufer Mühle bei Hallern dorf so: "Das aktuelle Niederschlagsgebiet kam aus dem Westen. Es regnete zuerst an der Aisch und dann an der Wiesent." Noch ein weiterer Faktor sei wichtig: "Die Hochflächen der Fränkischen Alb liegen einfach höher. Die Schneeschmelze setzt hier später ein."

"Wetterochs" sagt Hoch voraus

Wenn der Regen jetzt ausbleibe und auch die Schneeschmelze abnehme, könne sich das Hochwasser wieder schnell zurückziehen, sagt Schrepfermann. Wie das Wetter in Franken wird, weiß Stefan Ochs vom Wetterdienst wetterochs.de. In seiner aktuellen Wettermail rechnet er am Dienstag noch mit weiteren Regenfällen. Das Tauwetter in den Höhenlagen der Fränkischen Schweiz werde ebenso anhalten. Gleichzeitig prognostiziert er für Mittwoch aber ein "schwaches Zwischenhoch" mit nur noch wenig "Schneeregen".

Ab einem Aisch-Pegel von 4,80 Meter an der Laufer Mühle wird es bei Meldestufe 3 schon kritischer. Aber auch dann würde der stellvertretende Leiter des Hochwasser-Nachrichtendienstes wieder zum Laptop greifen und die Pegelstände auf der Homepage des Hochwasserdienstes Bayern www.hnd.bayern.de eingeben. Per Telefon würde er auch wieder Landratsämter und Straßenmeistereien über die aktuellen Messstände informieren.
Mit Höchstständen sei in den nächsten Tagen aber an beiden Flüssen nicht zu rechnen. Eine komplette Entwarnung ist allerdings heikel. "Die Hochwasser-Saison läuft den ganzen Winter." Und auch im Sommer habe es zuletzt Hochwasser-Katastrophen gegeben. In Hallerndorf stieg die Aisch 1998 übrigens auf den Rekordwert von 5,48 Meter. Bis dahin ist noch Luft.