"Friedrich von Müller, geboren 1779 im ehemaligen Kanzleigebäude" steht auf der Bronzetafel neben dem Konterfei des Genannten. Dass er ein verdienter, hochrangiger Bürger war, zeigt schon sein Erscheinungsbild, auch auf der Bronzegedenktafel, die in Kunreuth angebracht wurde. Die Enthüllung dieser Tafel war zugleich der Start einer ganzen Reihe. Die Idee, an wichtige Menschen zu erinnern, die in der Region geboren wurden und weithin wirkten, entstand aus Gesprächen zwischen dem Forchheimer Landrat Hermann Ulm (CSU) und seinem Kulturreferenten Anton Eckert. "Einer der Menschen war Friedrich von Müller, der in diesem Haus geboren wurde, und das Jubiläum 900 Jahre Kunreuth ist der Anlass, die Reihe hier zu starten", sagte Landrat Ulm, der Schirmherr des Ortsjubiläums. Das Geburtshaus des berühmten Kunreuthers Friedrich von Müller, Staatskanzler des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach und engster Freund Johann Wolfgang von Goethes, ist das heutige Rathaus. An der Hauswand hängt nun die Bronzetafel, die vom Künstler Wolfram von Bieren angefertigt wurde. Ihn konnte Bürgermeister Ernst Strian (Dem.) ebenso begrüßen wie Altbürgermeister Konrad Ochs, Pfarrer Müller, die Gemeinderäte, Vereinsvertreter und Kulturreferent Anton Eckert, der noch vor der Enthüllung des prominenten adeligen Kunreuther Bürgers einen spannenden Einblick in dessen Werdegang gab.

Damaliges Kastenamt

Dieser begann mit der Geburt in dem Haus, dem damaligen Kastenamt. Denn Friedrich Müllers Eltern waren die Kastner der Freiherren von Egloffstein. Durch seine Taufpaten, hohe Beamte im markgräflichen Dienst, war Friedrich Müllers Lebenslauf vorbestimmt. Denn dass er die Uni in Erlangen besuchen sollte, stand fest. Auch Henriette von Egloffstein, eine Dame aus dem Hof von Weimar, die großen Einfluss auf den Herzog hatte, förderte Friedrichs Karriere. Die Eltern schickten ihren Sohn für die höhere Schulbildung nach Bayreuth. "Friedrich Müller wurde zehn Jahre vor der Revolution geboren. Er war das geistige Kind der Aufklärung", erklärte Anton Eckert. Als Student war Müller Mitglied des Harmonistenordens "Schwarze Brüder", die den Freimaurern sehr nahe stand.

Zum Logenmeister gewählt

Der berühmte Kunreuther Bürger wurde sogar zu deren Logenmeister gewählt, jedoch von der Uni verwiesen, weshalb er in Göttingen sein Jurastudium glänzend beendete. Gerade einmal 23 Jahre jung war Müller, als er als Assessor in der Regierung in Sachsen eingestellt wurde. Immer weiter nach oben stieg er auf der Karriereleiter und lernte auch Goethe, Herder, Wieland und Knebel kennen.

Verhandlungen mit Napoleon

Vom Herzog hatte Friedrich Müller die Vollmacht, Verhandlungen mit Napoleon zu führen. Er wurde später in den Adelsstand gehoben, das mit dem Von im Namen sichtbar wurde. "Der Adelsstand war für die politische Laufbahn wichtig, um auf Augenhöhe verhandeln zu können", erläuterte Anton Eckert.

Beförderung zum Geheimrat

Schließlich wechselte Müller in die Innenpolitik und galt hier als Reformator für die Städte- und Verwaltungsordnung. Die Endstufe seiner Karriere erreichte er mit der Beförderung zum Geheimrat. Mit 70 Jahren starb er 1849. "Man kann Friedrich von Müllers Biografie nicht auf die Politik begrenzen", meinte Eckert. Er zeigte die enge Freundschaft zu Johann Wolfgang von Goethe auf. Überhaupt fand sich von Müller gut in der Gesellschaft zurecht. In der gehobenen. Die Gespräche mit dem Dichterfürsten hat Friedrich von Müller schriftlich festgehalten. Nach Müllers Tod wurden diese veröffentlicht. "Es bestand ein außergewöhnliches Vertrauensverhältnis", erzählte der Kulturreferent. Und es zeigte sich, dass sich Müller für die Gemeinschaft, für die anderen aufopferte. Gemalt wurde der berühmte Kunreuther auch: von Goethes Hausmaler Johann Joseph Schmeller. Nach dessen Zeichnung fertigte der Künstler Wolfram von Bieren das Bild von Müller, das nun auf der Gedenktafel zu bestaunen ist und an den berühmten Kunreuther Bürger erinnert. "Ich danke für diese Gelegenheit", sagte von Bieren bescheiden.