Es ist ein kleiner Aufkleber an der Ladentür, der eine einfache, aber starke Botschaft transportiert: "Refugees are welcome." Ein kleines Boot aus Papier dient Symbol.

Auf die Idee einer ästhetisch anspruchsvollen Willkommensgeste für Flüchtlinge ist Daniel von Stephani erst vor drei Tagen gekommen. "Ich wollte einfach ein Zeichen setzen, dass wir die Flüchtlinge menschlich behandeln sollten."

Deshalb hat sich der 26-jährige Fotograf aus Erlangen an den Schreibtisch gesetzt und einen Aufkleber sowie ein T-Shirt entworfen. Zu seinem Markenzeichen ist das Boot geworden, das man mit ein paar wenigen Handgriffen wie einen Papierflieger falten kann. Von seinen Entwürfen hat er anschließend Fotos gemacht und diese ins Internet gestellt. Lange hat Stephani auf Reaktionen der Internet-Gemeinde nicht warten müssen.


Bis nach Koblenz und Bielefeld

"Mittlerweile haben schon Geschäfte vom Frankfurter Flughafen die Aufkleber bei mir bestellt", erzählt der Erlanger und packt neue Aufkleber in ein paar Briefumschläge. "Die hier gehen an Läden nach Koblenz. Und die hier schicke ich nach Bielefeld", sagt Stephani.

Er habe in den vergangenen Wochen mit Freunden abends immer häufiger über die Flüchtlingsdebatte gesprochen. "Ich wollte einfach etwas dazu beitragen, dass sich die Asylbewerber hier bei uns stärker willkommen fühlen", sagt Stephani. Zwar sei ihm klar, dass Deutschland nicht allen Menschen auf der Welt eine neue Heimat bieten könne. "Trotzdem halte ich es für selbstverständlich, diesen Menschen mit Würde und Respekt gegenüberzutreten und meine Hilfe anzubieten." Den Nachrichten von brennenden Flüchtlingsunterkünften will er mit seinen Aufklebern und T-Shirts ein positives Zeichen entgegensetzen. "Es ist furchtbar, sich nicht willkommen zu fühlen", findet Stephani und überreicht André Joffroy vom Erlanger Fahrradladen "Velocita" einen frischgedruckten Aufkleber.

"Es reicht heute nicht mehr, den Flüchtlingen nett zu begegnen, es ist notwendig dies auch offensiv zu zeigen", sagt Joffroy und klebt den Button an die Schaufensterscheibe. Über die zahlreichen positiven Reaktionen freut sich Stephani. "Ich habe jetzt auch ein paar Sponsoren wie die Erlanger Stadtwerke. Mit dem Geld kann ich noch mehr Aufkleber drucken und das Porto bezahlen." Jetzt hofft er, dass viele Ladenbesitzer seine Aufkleber bei ihm kostenlos bestellen, um ein Zeichen des menschlichen Mitgefühls mit Flüchtlingen zu setzen.


Wachsende Menschlichkeit

In drei Wochen sollen auch seine T-Shirts mit dem Slogan "FremdeFreunde" fertig sein. Alle, die an seiner Aktion teilnehmen, werden übrigens auf einer interaktiven Karte markiert. Die Landkarte wird fortlaufend aktualisiert. So können alle sehen, wie die Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen täglich wächst. "Damit will ich den Hasskarten der Rechtsradikalen ein starkes Zeichen entgegensetzen, die alle Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland markiert haben", sagt Stephani und macht sich auf den Weg zu dem nächsten Geschäft, das seine Aufkleber an die Ladentür kleben will.

"Mittlerweile haben in Erlangen schon über 15 Geschäfte einen ,Refugees are welcome´-Aufkleber an ihrer Ladentür", freut sich Daniel von Stephani.