Heroldsbach Die Besucher des Erlebnisparks strömen heimwärts. In die Gegenrichtung läuft Johannes Mohr, Teleskopstangen und zusammengerollte dünne schwarze Teile unter dem Arm. Sein Ziel ist die Brücke am großen Schlossteich. Dort wollen er und seine Helfer für die beginnende Bat-Night die haarfeinen Netze ausspannen, um Fledermäuse live zu zeigen. Mit ihnen ist die Einflugschneise aus Gebüsch und Wald zum Weiher abgesperrt.


Bat-Night lockt 100 Besucher

Die Besucher der Bat-Night wissen von diesen Vorbereitungen noch nichts. Sie sind derweilen an der Rückseite des Bayerischen Fledermauszentrums. Helfer aus dem Arbeitskreis Fledermäuse des Bunds Naturschutz spielen und basteln mit den Kindern - natürlich Fledermäuse, als Ohrringe oder Haarspangen. Edi Zöbelein zeigt Fledermauskästen, die man beispielsweise im eigenen Garten aufhängen kann.

Jürgen Klüger aus Hemhofen ist Funkamateur und hat Fledermäuse in seinem Garten. "Sie haben mein Interesse geweckt. Deshalb nehme ich auch an einem Fledermausprojekt teil, bei dem die Tiere durch Funkamateure geortet werden", berichtet er. Am 30. August, wenn die großen Herbstzüge mancher Fledermausarten voll im Gang sind, werden in Schwedt an der Oder Fledermäuse, die mit Sendern versehen sind, losgelassen. Ihre Signale wollen dann die Funker auffangen. Daraus soll eine Art Karte der Bewegungsräume werden. Die hiesigen Funker werden besonders die Regnitzachse beobachten, die vermutlich eine Nord-Süd-Zugbahn ist.

Frieder Oehme, der Koordinator des Fledermausmonitoring im Landkreis, klärt über seine Arbeit und die Lebensweise der Tiere auf. Plötzlich kommen aus dem Gerät in seiner Hand Töne. "Die ersten Fledermäuse sind unterwegs. Mein Bat-Detektor hat ihre Stimmen aufgenommen. Jetzt geht's los", kündigt er an und bittet die mehr als 100 Besucher sich in Gruppen mit den Geräteträgern eine Runde entlang der Schlossteiche zu drehen.
Immer wieder ertönt ein Klang, als würde ein Gegenstand auf Wasser aufklatschen. "So hören sich die Wasserfledermäuse an", erklärt der Fachmann. Nur mehr über dem Wasser ist es hell genug, um deutlich zu sehen. Mohr kontrolliert nochmals die Netzkonstruktion. Und plötzlich schwirrt eine Vielzahl von Fledermäusen drum herum und - hinein.

Sie haben hungrig auf einen bestimmten Dunkelheitsgrad gewartet, um auf Insektenjagd zu gehen. Eine Fledermaus verheddert sich im Netz. Doch sie wendet elegant und flattert weiter. Drei Tiere waren nicht so geschickt und bleiben hängen. Mohr eilt sofort hin, um sie zu befreien. Das ist keine leichte Sache, wenn man dabei auf einem auf und ab sinkenden Pfosten der "Zauberbrücke" stehen muss.


Tiere werden geschickt befreit

Mohr bittet die Zuschauer Edi Zöbelein zu rufen. Der ehrenamtliche Fledermaushelfer Zöbelein hat viel Erfahrung und ganz besonderes Geschick, die Tierchen aus dem feinen Gespinst zu befreien. Mohr packt das erste in ein Stoffsäckchen und wendet sich den Besuchern zu.

Sie drängen sich mit Handys und Kameras in der Hand auf dem kleinen Podest der Zauberbrücke. Mohr holt die gefangene Wasserfledermaus vorsichtig heraus. Sie passt lässig in seine Hand; nur das Köpfchen lässt Mohr herausspitzen. "So klein ist eine Fledermaus", ruft eine erstaunte Kinderstimme.

Ganz dicht drängen sich die Kinder um Mohr. Er zeigt ihnen interessante Details der Gefangenen: Es ist ein erwachsenes Weibchen, das aber in diesem Sommer keinen Nachwuchs hatte. Mit einer Taschenlampe beleuchtet, schimmern alle die Adern und Knöchelchen im Flügel. Ein Mädchen namens Jule darf mal hinfühlen. "Sind die dünn", sagt sie erstaunt.

Ihre Freundin schlägt vor, die Fledermaus soll Anna heißen. Mohr legt sie Jule in die Hand. Und ehe alle reagieren können, hat die Fledermaus sich orientiert und startet durch eine Lücke zwischen den Köpfen. Weg ist sie.
"Das schönste waren die Augen der Kinder", sagt Mohr bei der Schlussbesprechung der Helfer. Dabei war das Fangergebnis auch erstaunlich: Acht Wasserfledermäuse, eine Zwergfledermaus und eine Mückenfledermaus sind in einer guten Stunde ins Netz.