Johannes Heiner hat sieben wetterfeste Gedichte verfasst. Sie stehen in keinem Buch, sondern sind per Sandstrahl-Verfahren auf Glastafeln geschrieben. In Metall gefasst, werden die Tafeln in den Boden eingelassen. "Die Texte sind dann auf Augenhöhe", sagt der Autor, dem ein Ruf als Literaturlehrer und Gründer des Poxdorfer Lesehauses vorauseilt.
Sieben Gedicht-Tafeln werden es sein, die entlang eines etwa 800 Meter langen Lyrik-Weges rund um das Regenrückhaltebecken installiert werden. "Enthüllen" will der Autor seine Lyrik im September zur 700-Jahr-Feier der Gemeinde.
Johannes Heiner, der schon an der Jubiläumsfestschrift mitgewirkt hat, wirbt gerne für die "Zukunftsfähigkeit der Gemeinde". Zu den Pfunden, mit denen Poxdorf wuchern könne, zähle die Schönheit der Natur. Der Lyrik-Weg sei ein Beitrag, "das Natur-Empfinden zu steigern", sagt der 74-Jährige: "Damit die Menschen mehr zu schätzen wissen, was sie da sehen".
Das erste Gedicht wird am Froschteich aufgestellt. "hörst sie plötzlich / plop / erst einen / dann viele / plop plop plop / springen in bögen / stille / froschaugen schauen dich an": Während der Spaziergänger das liest, kann er durch das Glas hindurch den Teich und vielleicht auch die Froschaugen sehen.
Johannes Heiner liebt den Haiku-Stil eines Basho über alles. Entsprechend hat er seine transparente Naturlyrik gestaltet. "Die Gedichte sind möglichst kurz, jedes Wort ist ein Konzentrat und vielfach überlegt". Zudem sei jeder Text "der Versuch, die Natur-Perspektive in eine Menschen-Perspektive umzuwandeln". So heißt es etwa in dem Gedicht, das ab September vor der großen Eiche stehen wird: "bist wie dieser baum / das leben braucht dich / kommt zu dir und will / dass du baum für andere seist".
Er fühle sich geehrt, sagt Johannes Heiner, dass der Gemeinderat seiner Idee vom Lyrik-Weg zustimmte und ihm dafür ein Budget von 1800 Euro bewilligte.
"Sehr herausfordernd" seien manche Tafeln, meint der Poxdorfer Lyriker. An der Hütte werde ein Heimatgedicht stehen, das mit der üblichen Vorstellung von Heimat als Geburtsort nichts zu tun habe: "heimat / der ort / überall / wo du / vertrauensvoll / anwesend sein darfst".
Die Tafeln, mit denen sich der 74-Jährige in den öffentlichen Raum seiner Wahlheimat Poxdorf eingeschrieben hat, werden auch nach dem Jubiläum stehen bleiben. Künftige Spaziergänger auf dem Lyrik-Weg könnten die Texte nicht nur als Gedichte verstehen - sondern auch als Aufforderung: "Sei achtsam, nimm das doch mal genau wahr." Er sei "ein überzeugter Lehrer", betont Johannes Heiner: "Mein Anliegen ist nach wie vor: Komm zu dir."