Der Ehrenbürger, Altbürgermeister, ehemaliger Kreisrat, Marktgemeinderat und Träger vieler Auszeichnungen, Johann Daum, wird am Montag 94 Jahre alt. Seinen Geburtstag wird Daum aber nicht in Heiligenstadt feiern, sondern in Bamberg mit seinen dortigen Freunden und seinem Stammtisch.
Der Daums Schorsch, wie ihm viele nennen, schrieb 52 Jahre lang Gemeindepolitik, von 1950 bis 2002. Er war 30 Jahre Erster Bürgermeister (1960 bis 1990) und vorher von 1956 bis 1960 Vizebürgermeister. Gemeinderat war Daum von 1950 bis 1956 und von 1990 bis 2002. Johann Daum hatte immer für seine Bürger ein offenes Ohr.
Zum Bürgermeister wurde Daum damals über Nacht gewählt. Nach Aussage des damaligen Gemeinderates Hans Schmidt, wollte sein Vorgänger Gottlieb Hösch für die Katholiken in Heiligenstadt keine katholische Kirche bauen.
Daum wurde am Vorabend des Wahltages gefragt, ob er eine Kirche bauen würde, wenn er zum Bürgermeister gewählt würde - und Daum sagte: "Natürlich, selbstverständlich".
Johann Daum (SPD) ist ein fränkisches Original - und gilt als ein großer Menschenfreund. Und er galt als geschickter Politiker: Nicht nur im Landkreis Bamberg, auch bei der Regierung von Oberfranken, in München und in Bonn hat er es verstanden, Forderungen seiner Gemeinde durchzusetzen. Unter seiner Leitung vergab die Gemeinde Millionenprojekte. Er setzte sich für die Vereine ein, und machte sich für die Verschönerung des Marktplatzes stark. Die Bürger dankten es ihm mit Stimmen: Bei seiner letzten Wahl erhielt er über 90 Prozent.
Johann Daum wurde am 28. April 1920 als Sohn von Adam Daum in Heiligenstadt geboren. Nach der Volks- und Fortbildungsschule erlernte er den Beruf des Bankkaufmanns. Nach dem Krieg fand er bei der Marktgemeinde Heiligenstadt Anstellung. Zudem war Daum von 1955 bis 1978 Geschäftsführer der Raiffeisenbank Heiligenstadt.
Bereits 1950 wurde er unter Bürgermeister Gottlieb Hösch in den Gemeinderat gewählt, ab dieser Zeit trug Heiligenstadt´s Kommunalpolitik seine Handschrift. Am 1. Mai 1960 trat er dann das Amt des ehrenamtlichen Ersten Bürgermeisters an und war es bis 1990.

Kleinzentrum als großer Erfolg
Als großen Erfolg bezeichnet Johann Daum die Flurbereinigung und die freiwillige Zusammenlegung von acht Gemeinden in den 70er Jahren: "Damals fing ein roter acht schwarze Bürgermeister." Weitere sechs Gemeinden folgten 1978 bei der Gebietsreform mit Ernennung Heiligenstadt als Kleinzentrum.
Nach der freiwilligen Zusammenlegung mit acht Gemeinden wurde Daum als Erster Bürgermeister bestätigt.
Durch die Sanierungen im Ortskern setzte der damalige Bürgermeister Daum einen weiteren Höhepunkt seiner politischen Laufbahn. So wurde Daum von 1972 bis 1990 stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetages für den Kreis Bamberg und stellvertretender Vorsitzender des Gebietsausschusses. Johann Daum war auch von 1972 bis 1990 Mitglied im Planungsausschuss Oberfranken-West und ab 1956 Ortsweisenrat. Zudem leitete der den Schulverband, zuerst für neun, später dann für drei Gemeinden aus drei Landkreisen. Die Freiwilligen Feuerwehr Heiligenstadt führte er als Vorsitzender von 1960 bis 1994.
Bei all diesen Leistungen gilt jedoch die Städtebausanierung als sein Lebenswerk. Alleine für den Marktplatz und die Umgebung sicherte er fünf Millionen Mark Fördergelder. Auch dem Rathaus und der Oertelsscheune verhalf er zu einer Förderung. Mit dem Ausbau der Mühlengasse, des Mühlenstegs und der Turmgasse wurde der Marktplatz dann abgeschlossen.
Ein bisschen Stolz ist Daum heute noch, dass er die pro Kopf Verschuldung nur mit 624 DM an seinen Nachfolger Helmut Krämer übergeben hat. Noch wohler als im Bürgermeistersessel oder mit der Amtskette an der Spitze eines Festzuges, fühlte sich der Daums Schorsch bei seinen Heiligenstädter Bürgern: Ob beim Plausch auf der Straße oder am Biertisch.
Er wusste und weiß über jeden Bescheid, kannte die Probleme und Lösungen. In seiner aktiven Zeit als Bürgermeister war Daum sogar am Wochenende im Rathaus anzutreffen, weil er die Arbeit, die durch seine Dienstreisen liegen geblieben waren, aufarbeiten wollte. Und am Sonntag Nachmittag feuerte Daum seinen Sportverein, den SC Heiligenstadt.