Wenn Roland Betz vor die Tür seines Hauses in der Klosterstraße tritt, blickt er auf die ehemalige Anna-Apotheke. "Wir haben in unserer Ecke einen Leerstand von Geschäften wie sonst kaum in Forchheim", bedauert Betz. Beruflich arbeitet der 68-Jährige als Coach. Er stammt aus Willersdorf, lebte lange in Italien und ließ sich vor drei Jahren mit seiner Frau in Forchheim nieder. Seitdem entwickelt er eine "Vision" für die Stadt: "Lebens- und liebenswerte Altstadt Forchheim" - so hat Roland Betz sein Projekt überschrieben. Er versucht, die Stärken und Schwächen der Stadtentwicklung zu analysieren und verbreitet seine Erkenntnisse in einem Netzwerk mit 140 Adressen.

Als er vor drei Jahren in die Klosterstraße zog, war das gelbe Haus an der Ecke zum Paradeplatz "noch belebt", erinnert sich Betz. Mittlerweile sind der Schmuckladen und der Ticket-Service weggezogen. Die Apotheke, ein Haus weiter, ist geschlossen. Auch der Nähladen auf der Brücke neben dem Café Schmidt ist abgewandert. "Das Eckhaus soll saniert werden, aber es passiert nichts", ärgert sich Roland Betz. "Dort ist ein richtiges Dreckloch entstanden, seit die Geschäfte draußen sind - ein Schandfleck."

Der Forchheimer Wirtschaftsförderer Viktor Naumann warnt davor, leichtfertig den Begriff "Leerstand" in den Mund zu nehmen. Das Wort sei nur berechtigt, wenn die leeren Häuser oder Läden auf dem Markt auch angeboten würden. "Manchmal hat ein Eigentümer mit einem Gebäude etwas anderes im Sinn, niemand kann ihm da reinreden."


Nachfrage für Ex-Apotheke

Was das gelbe Haus an der Ecke Klosterstraße/Paradeplatz und auch die ehemalige Anna-Apotheke betrifft, ist Viktor Naumann zuversichtlich. Diese Räume seien als Läden gefragt. Für die Apotheke habe es bereits zahlreiche Nachfragen gegeben. Nach einer Sanierung würden besagte Gebäude auf jeden Fall Interessenten finden, ist Viktor Naumann überzeugt: "Manchmal genügt schon ein Anstrich."

Offiziell gilt die Klosterstraße als C-Lage. Als A-Lage wird die Hauptstraße bezeichnet, die Hornschuchallee ist B-Lage. Und als C-Lage werden im Stadtmarketing etwa die Bamberger Straße oder die Gegend südöstlich des Paradeplatzes eingestuft. Doch der städtische Wirtschaftsförderer weist auf das Potenzial der Klosterstraße hin. Hier liege das "Eingangstor zur Stadt" - und dieses Tor werde zunehmend attraktiver. Gegenüber der Sparkasse stehe nun "Natural Chaos", das Aufsehen erregende Kunstwerk von Arne Quinze. Und ab 2018 werden die Forchheimer einen neuen Bahnhof haben. In Kombination mit einem sanierten Paradeplatz sei die Achse zwischen Paradeplatz und Bahnhof "hochattraktiv", betont Viktor Naumann.

Einen "Lichtblick" hat auch Roland Betz schon registriert. Im Neubau Klosterstraße 7 standen zwei Jahre lang 160 Quadratmeter Ladenfläche leer. Jetzt ist dort die Firma "Body Care" eingezogen. Chefin Petra Scholz (gebürtige Staffelsteinerin) betrieb ihren Kosmetikladen zehn Jahre in der Wallstraße. "Auf 60 Quadratmetern konnten wir nicht mehr arbeiten, zumal meine Tochter mit ins Geschäft eingestiegen ist", sagt Petra Scholz, "wir wollten was Größeres in guter Lage." Sie wirbt als "Kosmetikinstitut" mit besonderen Themen wie "Vampir-Lifting" und "dauerhafte Haarentfernung".


Karree zum Wohlfühlen

Als "gut" charakterisiert Petra Scholz die Lage in der Klosterstraße, weil Parkplätze vor dem Haus sind. "Und weil die Räume schön und neu sind, die hab ich gleich ins Herz geschlossen."

Das Beispiel der Firma "Body Care" ist für Roland Betz ein Hinweis, dass ein Laden nicht in der zentralen Innenstadt liegen muss, um zu prosperieren. Allerdings sagt Petra Scholz auch, dass sie sich nicht in einem Industriegebiet ansiedeln würde. "In der Klosterstraße werden auch Fußgänger auf uns aufmerksam." Gut wäre es, "wenn sich in der Gegend noch mehr Geschäfte ansiedeln", hofft die Unternehmerin, die in Bamberg und Coburg zwei weitere Läden betreibt.

Roland Betz sieht im Karree Klosterstraße/Vogelstraße eine eigene geschäftliche Prägung entstehen. "Es ist ein regelrechter Geschäftsbereich fürs Wohlbefinden." Neben der Kosmetikerin gebe es Angebote rund um die Themen gesunder Schlaf und gesunder Rücken, besonderes Schuhwerk, Thai-Massage oder Naturkosmetik; zudem fänden sich hier zwei Friseure und viele Ärzte.