Als vor 15 Jahren Ernst Jürgen Dahlmann als Vorsitzender des Tourismusvereins "Rund ums Walberla" die geniale Idee hatte, einen "Tag der offenen Brennereien" zu etablieren, ahnte er vermutlich selbst noch nicht, welche Dimensionen daraus erwachsen.

Der Tag fand jetzt zum 16. Mal statt. 13 Brennereien und drei Brauereien machten dem Genießerland zwischen Gosberg, Thuisbrunn und Pretzfeld alle Ehre. Längst haben die Veranstalter gelernt, die ganze Vielfalt der lokalen Produkte zu präsentieren, den Tag zu einem Event ganz besonderer Art werden zu lassen, wie ein kleiner, beispielhafter Rundgang zeigt.

So wie im sonst ruhigen Bergdorf Ortspitz, wo sich schon am frühen Tag die Wanderer auf dem Peterhof einfinden. Aus der Nachbarschaft wird am Eingang frisches, herzhaftes Bauernbrot angeboten. Daneben wird frischer Apfelsaft gepresst. Ein Feriengast aus Bielefeld, Freund des Hauses, legt mit Hand an. "Weil es einfach Spaßmacht", wie er sagt. Hofbesitzer Gerhard Reichold erklärt im Innenbereich die Funktion und Feinheiten der Brennerei. Im Hof lassen sich die Besucher nieder, die mit Auto, welche vor dem Ort bleiben müssen, und Fahrrad anreisen.

Andere nutzen den herrlichen Herbsttag, um von Mittelehrenbach aus den Berg zu Fuß zu erklimmen und dabei die malerische Landschaft zu genießen. Mittelehrenbach selbst hat sich mit drei Brennerein zu einem Zentrum dieses Brennereitages entwickelt. Dort drängen sich in Anwesen wie der Brennerei Reinhard Singer die Gäste, lassen sich nieder zur Verpflegung. Ein Highlight ist der Whisky. Er ist hier noch nicht so alt wie im Mutterland Schottland, wie Manfred Singer erklärt, aber nach drei Jahren Lagerung schon ein interessantes Produkt.

Brände aus alten Obstsorten

Neues Probieren bis hin zum Gin - der Besucher findet hier eine breite Palette heimischer Geister und Liköre. Letztlich, so Manfred Singer hinter dem Tresen, ist alles eine lange, interessante Philosophie. Breit ist die Palette auf dem benachbarten Bioland-Hof Willibald Schmidt. Sortenreine Brände aus alten Apfel- und Birnensorten, Biosekt und fruchtige Liköre warten auf das Verkosten und Liebhaber. Daneben finden sich Nüsse, Kartoffel und Äpfel. Eine Frau aus Burgthann testet die Äpfel. Sie ist zum dritten Mal hier mit ihrer Freundin aus Düsseldorf. Von hier wollen sie weiterwandern nach Dietzhof und Leutenbach.

Der Apfelsekt ist ein Klassiker

Zahlreiche Wanderer finden sich auf dem Weg über den Hoch nach Weingarts, wo die Fränkische Brennerei Geistreich und die Obst- und Edelbrennerei Feesenhof ihre Pforten geöffnet haben. Im Feesenhof drängen sich die Menschen, belagern den Hof. Neben dem Apfelsekt Charlemagner, ein klassisches Produkt der Region, dominieren zahlreiche Brände.

Georg Beutner wird nicht müde, die Herausforderung beim Brennen zu erklären, das gilt für Qualität und Bürokratie gleichermaßen. An der Probiertheke herrscht reger Betrieb. Ein Besucher aus Erlangen in Begleitung fällt auf. Vor 22 Jahren kam er aus dem Senegal, ist längst integriert und schätzt die lokalen Spezialitäten. Die Apfeltheke ist unübersehbar und lädt zum Probieren ein.

Kürbisse und Schäuferla

Viele Gäste starteten ihre Tour in Gosberg bei der Edelbrennerei Hans Heilmann. Die Umgebung ist hier geprägt vom Gemüseanbau. Bunte Kürbisse am Hofeingang und Gemüse im hinteren Bereich des Hofes zeugen davon. Neben den üblichen verführerischen Geistern ist hier ganz offensichtlich die Verpflegung eine Attraktion. Ein Blick auf die Teller macht sofort Appetit auf das Schäuferle.

Bauernhof verbunden mit einer Edelbrennerei, das demonstriert in besonderer Form die Edelbrennerei Bernhard Kern in Schlaifhausen. Mancher Besucher streicht liebevoll den Kühen über den Kopf. Sie schauen im offenen Stall interessiert dem Treiben an der üppigen Theke zu und lassen sich nicht stören.

Neuer Radweg

Zum ersten Mal darf sich der neue Fahrrad- und Wanderweg von Schlaifhausen nach Dietzhof bewähren. Dort bietet die gut organisierte Brennerei Siebenhaar wieder ein gemütliches Stelldichein. Wo die Sitzflächen und der Hofraum nicht mehr ausreichen, legt man sich eben oberhalb gemütlich zum Plausch auf die Wiese. Der Ausflug ließe sich beliebig verlängern nach Leutenbach, Kirchehrenbach, Pretzfeld oder Thuisbrunn. Die Bilder gleichen sich. Ein Handicap war, dass die lokale Bahn nicht in Betrieb war und ein Busverkehr aus Igensdorf und Forchheim ersatzweise einspringen musste.

Wieder hatten Gäste schwerpunktmäßig aus der Metropolregion Nürnberg, aber auch aus ganz Deutschland den Weg in das fränkische Genießerland gefunden. Der jetzige Vorsitzende des Tourismusvereins, Helmut Pfefferle, zog eine positive Bilanz. " Es war wieder schöner Tag für die Feriengäste und Besucher, ohne Alkoholausfälle, ohne Unfälle und die Stimmung war super", meint er. Das gilt auch für die Veranstalter.