Im Sommer 2013 hat der Wiesenthauer Dario Giuliano am Herder Gymnasium in Forchheim sein Abitur gemacht. Danach wollte er sich eine Auszeit gönnen und ein soziales Jahr im Ausland einlegen. Am 21. März 2014 stieg Dario Giuliano in Frankfurt in ein Flugzeug und startete in ein Abenteuer.

Sein Ziel hieß Südafrika. In den folgenden Monaten machte sich Dario dort im Entwicklungsdienst nützlich machen. Wegen seiner Englischkenntnisse, die er selbst als verbesserungsfähig beurteilte, wollte er in ein englischsprachiges Land, aber möglichst weit weg.

Aus der eigenen Tasche

Ein Vortrag des ehemaligen Herder-Schülers Peter Meister über dessen freiwilliges Jahr in Tansania hatte Dario beeindruckt.
Darios Entscheidung stand schnell fest: Er wollte den afrikanischen Kontinent entdecken.
Dario bewarb sich bei American Field Service (AFS): eine vor allem durch Schüleraustausch bekannte humanitäre Organisation mit Sitz in Hamburg. Durch Bekannte hatte er erfahren, dass AFS das spezielle Stipendienprogramm "Weltwärts" anbietet. Dieses steht für einen elfmonatigen Aufenthalt im Ausland, den das Bundesentwicklungsministerium unterstützt.

Beim Jobben verdiente sich Dario vor seiner Reise noch jene 1600 Euro, die er aus der eigenen Tasche für die Reise bezahlen musste. Im Gegenzug bekam Dario die Flugtickets und ein monatliches Taschengeld von 100 Euro. Am 21. März vergangenen Jahres kam Dario mit einer kleinen Gruppe in Johannesburg an. Dario arbeitete in einem Kinderdorf, das etwa eine halbe Stunde von Durban entfernt lag. Durban ist die drittgrößte Stadt Südafrikas.

In dem Heim finden rund 50 Kinder ein neues Zuhause. Ihr eigentliches Zuhause haben sie aufgrund von HIV, sexueller Gewalt, Alkohol oder Drogen innerhalb ihrer Familien verloren.

Spielen und lehren

Darios Aufgabengebiet war breit gefächert. Es galt, eine Spendenorganisation im Kinderdorf und den umliegenden Townships aufzubauen. Möbel und Kleidung waren zu verteilen und auch in den Townships in weniger unterstützten Projekten zu organisieren. Privatpersonen und Firmen im Land waren die Geber.

"Du bringst dich in vielen Dingen ein, machst Hausaufgabenbetreuung, Spendenarbeit, fährst Kinder zur Schule oder spielst einfach Fußball mit den Kindern", berichtet Dario. Soziale Aufgaben, Freizeit und Bildung boten ein weites Feld. Zuletzt baute er eine Grundschule mit auf und lehrte dort auch. Dario kam zugute, dass er im Kinderdorf lebte und so alle Facetten des täglichen Umgangs durchlebte. "Ein paar Tage ohne fließend Wasser und Strom geht schon mal", meint er.

"Ich wollte allen Kindern nur ein guter Freund sein, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Schicksal", unterstreicht Dario. Freilich, eine bleibende Freundschaft sei hier kaum möglich. Zu unterschiedlich seien da die Kulturen und Wertevorstellungen.

Die Welt der Zulus

Ein wenig Urlaub gab es auch. AFS steht für interkulturelle Begegnungen. "Deshalb empfand ich es schon als wichtig, nicht nur das Jahr über im Projekt zu sein, sondern auch andere Ecken Südafrikas zu entdecken. Dabei erlebte ich ein sehr spannendes Land mit unterschiedlichsten Gesichtern durch mein Reisen, aber auch durch das Leben in dem Kulturkreis der Zulu", erzählt der Wiesenthauer. Die Kritik, das Stipendienprogramm sei nicht effektiv und diene nur dem Tourismus, teilt Dario nur bedingt.

Natürlich sei er als Abiturient kein gelernter Entwicklungshelfer. Diese Kritik verstehe er. Aber den Unterricht unterstützen in einer Klasse mit 60 Kindern, wo Lesen, Rechnen und Schreiben gelernt wird. Im sozialen Bereich arbeiten, das könne er auch.

Das Wichtigste im Leben

Vor einigen Tagen ist Dario Giuliano wieder in Wiesenthau angekommen. Er ist überzeugt davon, einen Schritt nach vorn gemacht zu haben: "Ich habe gelernt, dass ein Jahr in einem anderen Land zur Reife und Selbstständigkeit beiträgt."

Das Kostbarste jedoch sei der Wert der Familie, der ihm in diesem Jahr bewusst geworden sei: "Ich habe gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen und dankbar für jeden Augenblick zu sein. Ich würde es immer wieder tun", sagt er.