Eine Bürgerin aus Effeltrich entdeckt ein Sperber-Weibchen in einer Feldscheune. Der Raubvogel hängt tot in einer Schlagfalle. Die Frau alarmiert den Bund Naturschutz in Forchheim. Die Naturschützer erstatten keine Anzeige, weil sie sich nicht sicher sind, welcher Art von Vogel in der Falle zu sehen ist; sie schalten Gunter Brokt ein. Der Naturschutzwächter und Vogelexperte beim Landesbund für Vogelschutz geht der Sache nach und erstattet Anzeige.

"Ich bin seit 26 Jahren Naturschutzwächter und es ist jetzt der fünfte Fall dieser Art." Aus Sicht von Gunter Brokt scheint die Angelegenheit eindeutig: "Alle Greifvögel stehen ganzjährig unter Schutz." Der Fallensteller habe eindeutig gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen - dafür werde er sich vor Gericht verantworten müssen.

Doch die Anzeige von Anfang März verläuft im Sand: Das Ermittlungsverfahren wird eingestellt. Gunter Brokt ist ungehalten. "Die Beamte hätten die Fallen und den Vogel beschlagnahmen müssen", sagt der Naturschutzwächter. Er wirft den Ermittlern vor, "schlampig recherchiert" zu haben. Zudem beklagt er, dass die Polizei nicht das ausreichende Fachwissen habe, um solche Fälle präzise aufzuklären.

Aus den Unterlagen der Ermittler geht hervor: Der Beschuldigte hat bei der Befragung bestätigt, die Fallen aufgestellt zu haben. Er spricht sogar ausdrücklich von einem "unbeabsichtigten Beifang".

Dass das Verfahren gegen ihn dann eingestellt wird, lässt viele Fragen offen: Warum wurde seine Äußerung nicht verwertet? Sind angesichts des Geständnisses mit dem Hinweis auf den "Beifang" die später gemachten, anders lautenden Aussagen nicht eindeutig als Schutzbehauptungen zu werten? Warum hat der Beschuldigte überhaupt mit Fallen jagen können, wo doch laut Landratsamt Forchheim im Landkreis niemandem die Jagd mit Fallen genehmigt worden ist? Warum wurden die Fallen von der Polizei nicht beschlagnahmt?

Diese Fragen hat der FT der Staatsanwaltschaft in Bamberg gestellt. Dass das Verfahren gegen den Beschuldigten aus Effeltrich eingestellt wurde, begründet Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch zu allererst mit dem Strafprozessrecht. Dort gelte das Prinzip, "dass sich niemand selbst belasten" müsse: "Jeder Beschuldigte ist vor einer Vernehmung deshalb über sein Recht, keine Aussage machen zu müssen, zu belehren. Aussagen ohne vorhergehende Belehrung sind in der Regel nicht verwertbar."

Und warum blieb die Belehrung aus? Die Antwort von Christopher Rosenbusch: "Kommen Polizeibeamte an einen Tatort, müssen sie sich meistens zunächst einen Überblick über die Sachlage und über mögliche beteiligte Personen verschaffen, indem sie Anwesende ,informatorisch' befragen. Dabei wissen die Beamten oft noch gar nicht, wer als Beschuldigter in Betracht kommt und möglicherweise zu belehren ist."

Aus diesem Grund seien Erkenntnisse von Beschuldigten, die durch "informatorische" Befragungen gewonnen wurden, "regelmäßig nicht verwertbar", erklärt der Oberstaatsanwalt. "Äußert sich der Beschuldigte später anders und liegen keine anderen ihn belastenden Beweismittel vor, kann seine spätere Einlassung nicht durch seine frühere informatorische Aussage widerlegt und allein auf dieser Grundlage keine Verurteilung erfolgen."
Im Fall des Effeltrichers hätten aber "selbst die Angaben des Beschuldigten bei seiner informatorischen Befragung nicht ausgereicht, um ein strafbares Verhalten nachzuweisen", betont Rosenbusch.

Wird Fall wieder aufgerollt?

Gunter Brokt geht davon aus, dass die Beweislage ausreicht, um den Fall des illegal getöteten Sperber-Weibchens wieder aufzunehmen. Doch die Aussagen des Bamberger Oberstaatsanwaltes deuten darauf hin, dass auch die fünfte Tötung eines Greifvogels in Brokts Amtszeit ungeahndet bleiben dürfte. "Weitere Ermittlungsansätze sind derzeit nicht erkennbar", sagt Christopher Rosenbusch. "Insbesondere hätte eine Beschlagnahme möglicher Tatmittel keine Änderung der Beweislage herbeigeführt. Eine Wiederaufnahme eines Ermittlungsverfahrens kommt nur in Betracht, wenn neue Erkenntnisse über die tatsächliche Begehung einer Straftat vorliegen."