Martin Gillert hat zwei Kinder, sieben und elf Jahre alt, die in manchen Nächten "schweißgebadet im Bett liegen". Immer dann, wenn die Sirene aufheult. Die Familie Gillert wohnt im Unteren Schulweg 17, in unmittelbarer Nähe zu dem etwa zehn Meter hohen "Mast mit den Hochtönern" (Gillert).
Vor dem Schulneubau stand eine pilzförmige Sirene auf dem Schuldach. Mit dem Neubau wurde der "Pilz" durch einen Mast ersetzt, der nun oberhalb der Schule steht.
Der aufschwellende, drei Mal unterbrochene Ton der Sirene dient der Alarmierung der Reuther Wehrleute. "Zivilschutz-Sirenen wurden schon in den 90er Jahren abgebaut", erläutert der im Ordnungsamt zuständige Roland Brütting.
"Aber in der Alarmplanung sind die die Sirenen immer noch flächendeckend ein entscheidendes Mittel."

Warum keine stille Alarmierung?

Lediglich neun Forchheimer Aktive können per Funkmeldeempfänger erreicht werden. Die anderen (rund 150 Wehrleute im Stadtgebiet) sind auf die akustische Alarmierung angewiesen.

Martin Gillert ärgert sich, dass die Stadt nicht auf digitale Technik umstellt. Er habe sich wiederholt bei Verwaltung beschwert. Im Juli 2010 hatte sich Gillert auch an Oberbürgermeister Franz Stumpf gewandt. Dessen Antwort: Die Umstellung auf eine stille Alarmierung sei möglich, aber "aus Kosten und Konsequenz-Gründen" müsse das der Stadtrat entscheiden. Geschehen sei seitdem nichts, kritisiert Gillert. Er fühlt sich von der Politik "nicht ernst genommen" und erinnert daran, dass "die gesamte Nachbarschaft unter der Lärmbelästigung durch die Sirene leidet".

Zumindest die Anwohner im Unteren Schulweg können die nervenden Töne kaum ertragen: Albert Dutka spricht vom "markdurchdringenden, unertäglichen Ton" der Sirene. "Die Leute springen aus dem Bett, wenn sie das hören." Eine andere Anwohnerin des Schulweges sagt, die Sirene löse bei ihr "Schwindelgefühle" aus: "Wenn ich beim Probealarm am Samstag den Ton höre, muss ich mich hinsetzen."

Weniger schrill scheint der Ton unterhalb der Schule, bei den Bewohnern der Weinbergstraße anzukommen. "Der Ton ist laut und durchdringend, aber man muss Verständnis dafür haben", sagt eine Anwohnerin. Ihr zweijähriger Enkel wohne bei ihr - "und der wacht nachts nicht auf, wenn Alarm ist".

Roland Brütting räumt ein, dass der Alarm "laut und unangenehm" ist. Die neuen Sirenen seien aber notwendig, weil die einst "grauen Hauben" über Lichtstrom betrieben wurden und bei Unwetter oft nicht funktioniert hätten. Es sei bedauerlich, wenn Anwohner geweckt würden, sagt Brütting; gibt aber zu bedenken: "Die Alarmierung dient auch der Sicherheit jener Bürger, die sich beschweren."

Albert Dutka hat Verständnis für das Alarmierungssystem. Aber er fragt, warum nicht der frühere, verträglichere Sirenenton wieder installiert werden könne.