Bouldern, das Klettern in Hallen auf Absprunghöhe ohne Sicherung, findet mehr und mehr Anhänger. Auch Jan Kretschmar von der Firma "Philipp und Mümmler" hantiert in großer Höhe in der Halle. Aber er klettere und bouldere nicht, erklärt er lachend, während er eine weitere Schraube mit dem Akkuschrauber in die Wand dreht. Er bringt die Fassadenverkleidung an für die neue Kletterhalle in Neunkirchen am Brand.

Die leerstehende alte Filiale des Netto-Supermarktes in der Gräfenberger Straße wird derzeit zu einer Boulderhalle umgebaut. Ein anderer Mitarbeiter der Firma Dorsch klettert mit einem Schaumstoffrohr die Leiter nach oben, isoliert damit die Rohre. Noch vor zwei Tagen war auch die Firma Holz-Meixner in der Halle. Von den drei Firmen wird der Umbau im wesentlichen durchgeführt.

Der Boden der großen Halle ist mit alten, heruntergerissenen Baumaterialien und mit neuem Material bedeckt. Dort, wo früher Wurst, Käse, Nudelwaren oder Süßigkeiten als Angebote des Supermarktes Netto in Regalen gestapelt waren, werden bald Knaufe und andere Vorrichtungen an den Kletterwänden befestigt sein, um dort Kraft, Fitness, Ausdauer und Konzentration zu fördern.


1300 Quadratmeter Grundfläche

1300 Meter Grundfläche misst die Halle. "Wir planen auf 500 Quadratmetern Kletterflächen zu haben. Die Kletterwände sind vier Meter hoch mit Aufstiegsmöglichkeiten und einer Leiter herunter, wer nicht abspringt", sagt Mariusz Hoffmann, einer der drei Geschäftsführer.

Angesprochen werden sollen mit der Halle nicht nur die eingefleischten Kletterer und Boulderer, sondern auch Anfänger oder Radfahrer, die bei schlechtem Wetter statt in die Pedale zu treten einfach mal vorbeischauen.
Die Routen sind in Farben unterteilt. Gelb ist die einfachste Route, doch jeder Schwierigkeitsgrad wird berücksichtigt werden, um diese sehr soziale Sportart ausüben zu können, erklärt Hoffmann. Denn beim Bouldern entstehen schnell Gespräche und Freundschaften, man hilft sich und gibt Tipps, weiß der Neunkirchner, der mit der Halle wieder ein Hobby zum Beruf macht, wie bereits mit seinem Computergeschäft.

Seit 30 Jahren klettert Hoffmann, machte auch Expeditionen mit Kletterberühmtheiten wie Stefan Kowatsch, Kurt Albert oder Holger Heuber. Dass er nun vor der Haustüre klettern kann, hat sich mit dem leerstehenden Markt einfach angeboten.

Selbst ein Trainingsbereich mit Campusboard und Stecklochbrett werden in der "Boulderia", wie die Halle heißen soll, sein - ein besonderes Schmankerl für Boulderer.

"Die Boulderhalle ist in jeder Hinsicht gut für Neunkirchen", sagt Bürgermeister Heinz Richter (FW). Aus sportlicher Sicht, denn die Sportart Bouldern erfreue sich immer größerer Beliebtheit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. "Sie müssen sich konzentrieren und toben sich aus", findet der Marktgemeindechef. Zudem stelle es mit den Weichböden eine sichere Sportart dar.

Auch für den Markt ist das Vorhaben, die Umnutzung der leerstehenden Netto-Halle gut. "Es sind ausreichend Parkplätze vorhanden und es geht nicht die ganze Nacht durch", informiert Richter, der nach dem einstimmigen Beschluss des Bauausschusses zum Landratsamt Forchheim gefahren war, um die Umnutzung schnell durchbringen zu können. Schließlich wollte man bauen.


Geöffnet bis 22 Uhr

Geklettert wird bis 22 Uhr. Im Außenbereich soll nichts verändert werden, lediglich in der Halle werden Umbauarbeiten stattfinden. Im Dachbereich beispielsweise, um die Höhe zu erhalten. "Der Dachstuhl wurde verändert. Die Balken wurden zu Bündeln verschoben, um das Balkenkonstrukt zu erhalten", sagt der Mitarbeiter Jan Kretschmar. Das sei wichtig, damit die Statik erhalten bleibe. Dort wurden zusätzliche Hölzer eingeschraubt.

An diesen Balkenkonstruktionen werden in nicht ferner Zeit die Kletterwände befestigt werden. Außerdem wurden bereits neue Fenster eingebaut sowie Duschen und Umkleidekabinen. Ein Kraftraum soll in einem der Nebenräume entstehen.


Auch Computerladen zieht ein

Und auch der Computerladen, den Mariusz Hoffmann in der Forchheimer Straße in Neunkirchen betreibt, soll mit umziehen. Die Idee damals zum Indoor-Klettern hatten Hoffmann und sein Freund Bernhard Kugler schon 2006, was an einem geeigneten Objekt scheiterte. Nach und nach eröffneten dann die ersten kommerziellen Boulderhallen. Als dann der Netto-Markt seine Türen schloss, brauchten Kugler und Hoffmann schnell ein anderes Konzept für das 4000 Quadratmeter große Anwesen mit Außengelände: ein Konzept für eine Boulderhalle mit einer Cafeteria, wo früher im Netto-Markt die Backstube war.

Rat wollten sich die beiden dann bei Walter Mümmler in Erlangen holen. Er ist Hoffmanns Wegbegleiter, seit Mariusz 1989 aus Polen nach Deutschland kam. Die beiden Neunkirchner bekamen nicht nur Ratschläge, sondern mit Mümmler einen Geschäftspartner. Kurz vor Weihnachten, am 23. Dezember, gründeten Hoffmann, Kugler und Mümmler die Boulderia GmbH, deren Boulderhalle am 30. April eröffnen soll. Dass diese im richtigen Ort entsteht, zeigen wohl die mehr als 500 Freunde, die bereits auf Facebook jeden Schritt in Richtung Fertigstellung unterstützen.