Am Samstag eröffnet das Mutmacher-Haus. Und es gibt eine Gruppe von Bürgern in Ebermannstadt, die diesem Ereignis grollend entgegensehen; manche Stimmen klingen sogar zornig, wenn sie über Birgit Mally-Blank, über ihren Mann Herbert Mally und deren "Gesundheitsnetzwerk für Menschen mit Krebs" sprechen.

Begonnen hat die Geschichte vor zwei Jahren. Birgit Mally gründete eine Selbsthilfegruppe, die bis heute von der Bayerischen Krebsgesellschaft unterstützt wird. Die 43-Jähriger bezeichnet sich selbst als "bunt, für manche vielleicht zu bunt". Ihr Credo: "Ich stehe für das Leben."

Einigen Menschen in der Nachbarschaft und Besuchern der Gruppe gingen Mallys unbeirrbare Heiterkeit und ihre extrovertierte Gestik wohl schnell auf den Nerv. Mit einer Frau, die ihren Krebs auf der Straße "tanzt", konnten viele nichts anfangen.
Doch zum wirklichen Ärgernis wurde die Leiterin der Selbsthilfegruppe erst, als sie sich zur Präventologin ausbilden ließ. Vorwürfe wurden laut: Sie nutze die Selbsthilfegruppe zu kommerziellen Zwecken, etwa zum Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln; sie gebe kranken Menschen in Einzelgesprächen medizinische Ratschläge; sie empfehle Menschen mit Krebs Mistel-Kuren bei einem befreundeten Heilpraktiker.
Elke Haupt, die schärfste Kritikerin - und die einzige, die sich namentlich zitieren lässt - ist überzeugt, dass Birgit Mally "das Thema Krebs als Geschäftsidee benutzt". In einem Brief an die Bayerische Krebsgesellschaft stellt Elke Haupt eine Reihe kritischer Fragen. Etwa: Wofür werden die Spenden an die "Mutmacher" verwendet? Wie kritisch sieht die Krebsgesellschaft die kostenpflichtigen präventologischen Tätigkeiten einer Selbsthilfe-Gruppenleiterin im Rahmen der Gruppenarbeit? Wie sieht die Krebsgesellschaft die Qualität dieser Selbsthilfegruppe in Ebermannstadt?

Solche Fragen hat Markus Besseler, Psychologe und Geschäftsführer der Bayerischen Krebsgesellschaft, sowohl Elke Haupt als auch unserer Zeitung beantwortet. Das Fazit lässt sich in vier Aussagen zusammenfassen. Erstens: Die Gemeinnützigkeit einer Selbsthilfegruppe ist nicht mit gewerblichen Aktivitäten vereinbar. Zwar erwecke Mally-Blank den Eindruck, dass es bei ihren Aktivitäten zu "geschäftstätigen Überschneidungen kommt", doch letztlich gebe es keine begründeten Hinweise dafür. Zweitens: Kostenpflichtige Angebote im Rahmen der Selbsthilfe sind legitim, solang sie von der Mehrheit der Gruppe gewollt sind. Drittens: Die Krebsgesellschaft sieht sich in der Pflicht, Menschen mit Krebs vor Scharlatanerie und Abzocke zu schützen. Präventologie sei "kein unseriöses Angebot". Viertens: Spendengelder wurden nach dem "bisherigen Kenntnisstand" nicht zweckentfremdet; die Gesellschaft betrachte die Gruppe in Ebermannstadt nach wie vor als unterstützenswert.
Die Krankenkasse gibt ebenfalls einen Obolus. Und auch der in Erlangen tagende Runde Tisch der Krankenkassen hat sich mit dem Fall Mally beschäftigt. Ein Sprecher bestätigt: Die Gruppe in Ebermannstadt werde mit einem niedrigen dreistelligen Betrag unterstützt - weniger als 500 Euro pro Jahr. Die Abrechnung sei geprüft und sei in Ordnung.

Darüber wundert sich die ehemalige Stellvertreterin der Selbsthilfegruppe, die namentlich nicht genannt werden will. Sie habe ihr Amt abgegeben, nachdem Mally-Blank ihr die Einsicht in die Abrechnungen verweigert habe. Offenbar habe Mally-Blank etwas verbergen und sich nicht in die Karten schauen lassen wollen.

Birgit Mally-Blank weist die Vorwürfe von sich. Es sei schade, dass sich "klagende Menschen anonym hinter der Zeitung verstecken, um ihr Missfallen gegenüber den Mutmachern auszudrücken". Sie betont, dass in der Selbsthilfe-Gruppe ausschließlich "Erfahrungen und Fachwissen" ausgetauscht würde. Als Präventologin handele sie auch mit Nahrungsergänzungsmitteln, aber nicht in der Gruppe. Sie lebe von der Gesundheitsbranche: "Ich helfe anderen, Netzwerke zu gründen, ich entwickle Konzepte, damit verdiene ich mein Geld."

Von außen betrachtet, scheint diese Netzwerkarbeit von der Arbeit der Selbsthilfegruppe nicht unterscheidbar. "Es wirkt undifferenziert", sagt auch Markus Besseler von der Krebsgesellschaft: "Daher hat die Gesellschaft Birgit Mally empfohlen, einen Verein zu gründen, damit sie selbstverantwortlich ist".

Der Verein wurde vor wenigen Tagen gegründet, 13 Mitglieder hat er laut Vorsitzender Birgit Mally. Ihr Mann ist in dem Verein für Marketing und Merchandising verantwortlich. Das Mutmacher Haus soll ab morgen als "Club-Haus" dienen, sagt Birgit Mally Blank. Als Beispiele für Angebote nennt sie: "Yoga für Krebskranke" oder eine "Trampolin-Gruppe".

28 Kompetenzen?

Währenddessen werden die Stimmen der Kritiker immer lauter: Der Besucher einer Selbsthilfe-Tagung in Bayreuth berichtet, dass mehrere Leiterinnen von Brust-Selbsthilfegruppen den Internet-Auftritt von Mally-Blank als "dubios" beschrieben hätten. Und dass sie bei der Krebshilfe-Gesellschaft intervenieren wollten.

Ein verärgerter Beobachter aus Ebermannstadt sagt, ein Blick auf den Internet-Auftritt von Birgit Mally genüge, um zu verstehen, dass es hier nicht seriös zugehe. Nicht weniger als 28 "Kompetenzen" biete Birgit Mally-Blank an; unter anderem werbe sie mit ihren "professionellen Fähigkeiten" als Trainerin für Lebenskompetenz, als Empowerment-Trainerin, als Denkberaterin, als Inhaberin einer Consulting-Agentur oder als betriebliche Eingliederungs-Managerin.