Ist das Amt als neuer Bürgermeister eine echte Herausforderung? Diese Frage beantwortet Bernd Drummer, seit 100 Tagen neuer Gemeindechef (BG Wi), ganz entspannt, während er in seinem gepflegten Haus sitzt, in unmittelbarer Nachbarschaft zum romantischen Schloss und der Kirche, dem historischen Wahrzeichen des Ortes.
Ganz neu ist dem 44-jährigen Diplomkaufmann die Gemeindearbeit nicht. Eine Periode diente er bereits unter seinem Vorgänger Hans Weisel als Gemeinderat und sammelte Erfahrung. Gleich nach der Wahl zum Bürgermeister im März 2014 gab ihm Weisel bei gemeinsamen Dienstgängen zum Landratsamt oder in der Verwaltungsgemeinde in Gosberg die Chance, Ansprechpartner intensiver kennen zu lernen. Ein besonderes Thema bildet das Thema Hochzeiten, die in Wiesenthau einen breiten Raum der Arbeitszeit einnehmen.
Geräuschlos vollzog sich auch der Übergang im Gemeinderat selbst. Mit Christian Weisel (CSU) und Theobald Messingschlager (FW) saßen fortan zwei neue Gesichter unter den zwölf Räten. Zehn Gemeindevertreter haben ihr Amt behalten, was eine hohe Kontinuität in der Arbeit erwarten lässt. "Die Beziehung zu meinen Kollegen ist unverändert angenehm. Es gibt keinen, der versuchen würde, mich in der neuen Situation zu provozieren oder herauszufordern", sagt Drummer nach den ersten vier Gemeinderatssitzungen.
Dabei kommt Drummer seine ruhige, vermittelnde und sachliche Gesprächsführung zugute. Sie erscheint transparent und zielführend. Positiv äußert sich Karl Krolopper (Neue Liste), seit 2002 im Gemeindegremium. "Bernd Drummer versucht sehr vorsichtig das neue Terrain zu erkunden. Kleine Probleme kosten offensichtlich viel Zeit und Kraft. Der Bürgermeister macht es sehr souverän".
Im 13. Jahr ist auch Josef Messingschlager (DG Sn) dabei. "Er Ist ein guter junger Mann, der sich sicher noch einarbeiten muss. Man kann nicht alles wissen. Schön ist es, dass er auch Informationen an die Gemeinderäte weitergibt, wie es früher nicht so der Fall war. Schwierige Themen kommen voraussichtlich erst", meint Messingschlager.
Fakt ist, dass Parteidenken in Wiesenthau absolut fremd ist. Grundsätzlich steht, wie alle bisherigen Erfahrungen zeigen, die Sache im Vordergrund.
Seinen Arbeitsrhythmus will Drummer nach den praktischen Erfahrungen anpassen. "Solange ich noch nicht genau weiß, was alles auf mich zukommt, warte ich noch ab, versuche alles unter einen Hut zu bekommen", sagt er. Noch arbeitet er in seinem Beruf Vollzeit. Generell sieht Drummer den ehrenamtlichen Bürgermeister für Beschäftigte in der Privatwirtschaft als besondere Herausforderung. Donnerstag hält er sich von 17 bisd 19 Uhr im VG-Gebäude für Bürger und Verwaltung zur Verfügung. Weitere Termine mache er in gemeinsamer Absprache. "Ich habe in der Privatwirtschaft eine Vertrauensarbeitszeit. Nicht die Arbeitsstunde zählt, das Ergebnis muss stimmen", betont Drummer.
Moderne Technik und Home Office erlauben ihm eine höhere Flexibilität. Er hält viel davon, Aufgaben im normalen Verwaltungsablauf, der Gemeinde auch mit seinen Gemeinderäten, möglichst prompt per Email zu kommunizieren. So sind die Themen auch dokumentiert auf dem Tisch. Jeder weiß, was zu tun ist. Als Gemeinderat habe er gewisse Vorstellungen gesammelt. "Jetzt gehen viele Infos viel tiefer. Man muss viel nachfragen, nachforschen, korrigieren. Ich dachte, man kann mehr strategisch machen", lässt der Bürgermeister den Anflug von Ungeduld erkennen.
Plötzlich sieht er sich mit zahlreichen Aufgaben wie Parkplatz am Friedhof, Dachsanierung Rathaus oder Sanierung altes Rathaus Schlaifhausen konfrontiert. Überrascht ist er auch von den zahlreichen zeitaufwendigen Personal-Themen, vom Kindergarten bis zu Schule und Bauhof. Drummer möchte langfristig planen und alle Verantwortlichen ins Boot nehmen. Er will es dabei mit ehrenamtlichen Arbeitsgruppen für diverse Themen versuchen.

Sonderthema: Hochzeit

Ein besonderes Thema bleibt auch Bürgermeister Drummer mit den Trauungen in Wiesenthau erhalten bleiben. Das Standesamt ist in Wiesenthau auch Samstag geöffnet. Dazu kommt eine attraktive Lokalität mit Kirche und Schloss, ein beliebter Ort für die anschließende weltliche Feier. Drummer weiß: Das Pensum seines Vorgängers wird er aus Zeitgründen nicht ganz erfüllen können. Aber an die 40 bis 50 Trauungen werden dennoch zusammen kommen.
"Ich muss mich erst daran gewöhnen, wenn jemand zu mir Herr Bürgermeister sagt. Das mag für manchen Statuswert haben. Ich fühle mich eher als Dorfmanager", umschreibt Drummer seine Gefühlslage. In der Familie merke man, dass die Zeit knapper geworden ist. "Ich werde schon oft als Frau Bürgermeister betitelt" sagt Susanne, seine Gattin: "Dann stelle ich klar, dass ich nur die Frau des Bürgermeisters bin".
Man werde auf Themen der Gemeinde angesprochen. Plötzlich spüre man, dass die ganze Familie im Fokus der Öffentlichkeit steht. Das geht hin bis zu der "spannenden" Fragen in der Gesellschaft: Geht nun die Frau mit auf das Fest oder nicht.
Große private Planungen gebe es zurzeit nicht. "Wir treten kürzer und müssen erst in die neue Situation hineinwachsen", sagt Susanne Drummer über sich und die 13-jährige Tochter Katharina. Einen Jahresurlaub mit Tapetenwechsel müsse es allerdings schon noch geben, da ist sich die Familie einig.