Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit finden zurzeit im Haus Monika in Leutenbach 30 junge Leute aus Rumänien, Ungarn und Deutschland ihre Unterkunft. Sie halten sich im Rahmen der Aktion "Friends & Peace", die vom 7. bis 20. August in Deutschland stattfindet, hier auf.

Das evangelisch-lutherische Dekanat Forchheim mit Sitz in Muggendorf hat die Trägerschaft für dieses Projekt übernommen. Es ist insofern einmalig, als zum ersten Mal gleichzeitig aus drei verschiedenen EU-Ländern Jugendliche aus evangelischen Partnergemeinden daran teilnehmen.

Die Jugendlichen aus drei Nationen tragen einheitliche blaue T-Shirts. Das soll mehr als nur ein sichtbares Symbol für die Zusammengehörigkeit in Europa sein. Eine nationale Zuordnung ist auf den ersten Blick kaum möglich.
Deutsch, ungarisch, rumänisch und englisch machen eine Unterhaltung relativ unkompliziert möglich.

Pfarrer Johannes Waedt, der die evangelischen Gemeinden von Wüstenstein und Unterleinleiter betreut, kümmert sich um das Tagesprogramm. Als langjähriger Jugendpfarrer des Dekanats Forchheim macht ihm das offensichtlich Freude. Aus Siebenbürgen stammend, parliert er auch mal auf rumänisch. Sein ungarischer Kollege Bela Jakab beherrscht ebenfalls alle Sprachen, sie ergänzen sich prächtig. Dazu kommt noch eine rumänische Pfarrerin.

EU fördert und fordert

Das Treffen war nur durch eine EU-Förderung von 16 000 Euro möglich. Dafür muss ein umfangreiches Programm absoliviert werden. Eine Bibellesung gehört ebenso dazu wie gemeinsame, anspruchsvolle Freizeit-Beschäftigungen. "Es galt, unseren kleinen Jugendtreff in europäische Zusammenhänge zu stellen, mit den eigenen interethnischen, interkulturellen und interreligiösen Erfahrungen Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen zu geben", erklärt Waedt den Anspruch.

Partner und Jugendliche sollten von Anfang von an der Programmgestaltung mitwirken. Dazu fand auch ein Vorbereitungstreffen in der Partnerpfarrei Mediasch in Rumänien statt. "Die Detailtiefe hat uns erstaunt, wir haben an ihr gelitten, aber sie hat gut getan", meinte Waedt zu den EU-Vorgaben. Das Programm ist unendlich bunt. Viel Sport gehört dazu ebenso wie Kennenlern-Ausflüge in der Fränkischen Schweiz.

"Gestern Abend übten wir hier deutsche Volkstänze", erzählt Pfarrer Jakab, "heute Abend sind es ungarische und morgen rumänische." Es gebe Mahlzeiten aller drei Länder zum Kennenlernen. Auch diese Fragen würden besprochen: Was beinhaltet die Europaflagge? Und was bedeute sie dem Einzelnen? Den anderen zu verstehen bei den großen Unterschieden, sei eine Herausforderung, ebenso der Umgang mit Minderheiten. In der Diskussion gibt es keine Tabus.

Wichtige Begegnungen

Die Jugendlichen gehen offen an das Treffen heran. "Ich möchte die Menschen kennenlernen, ich mag sie, außerdem ist mir die Begegnung wichtig", meint Johanna aus Ungarn. Enneke war schon als Praktikantin vor sechs Jahren in Berlin, findet das Land einfach schön. Jonela aus Rumänien findet Deutschland anders, aber schön. Ihre Schwester Andrea sitzt neben ihr, leidet seit eineinhalb Jahren an Leukämie. Die Art der Erkrankung lässt sich mit Medikamenten einigermaßen ertragen. Die sozialen Unterschiede innerhalb der Gruppe treten bei den Erzählung unverblümt zu Tage.

Doch trotz aller Unterschiede, wenn alle so am Tisch sitzen, sind die Jugendlichen doch zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, leistet die oft geschmähte EU zusammen mit der Kirche unschätzbar wichtige Arbeit.
Am Samstag präsentieren die Jugendlichen die Ergebnisse ihrer interkulturellen und interreligiösen Erfahrungen in einem Thesenpapier, das sie MdEP Martin Kastler überreichen. Am Montag, 19. August, fahren die Jugendlichen dann mit vielen neuen Erinnerungen in ihre Heimatpfarreien in Europa zurück