Forchheim Umgeben vom Regnitzarm und dem Rhein-Main-Donau-Kanal, direkt auf der idyllischen Schleuseninsel liegt das Einsatzzentrum der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Ortsverband Forchheim. Vor einem unscheinbaren Schuppen präsentiert der technische Leiter Mario Großkopf mit zwei Kollegen, den Fuhrpark des Rettungsdienstes. Schlauchboot, Rettungsboot und mehrere Einsatzfahrzeuge stehen frisch geputzt auf dem kleinen Hof. Doch seit Anfang März wurde keines der Boote mehr zu Wasser gelassen.

Der Grund, einerseits war es in den vergangenen Monaten sehr ruhig auf den Gewässern rund um Forchheim, andererseits kam es beim DLRG zu Trainingsausfälle aufgrund des neuartigen Coronavirus.

Training muss entfallen

"Im Schwimmausbildungsbereich mussten alle Kurse ausfallen," so der 29-jährige Ehrenamtliche, der in seiner Freizeit Mensch und Tier aus Gewässern rettet. Die Schwimmkurse für alle Altersklassen finden normalerweise im Forchheimer Königsbad statt. Durch die coronabedingte Schließung des Bades, mussten die Kurse seit März gestrichen werden. "Das bedeutet große finanzielle Einbußen für uns. Unsere Einnahmen bekommen wir durch die Schwimm- und Erste-Hilfe-Kurse, sowie über die Rettungsschwimmerausbildung," erklärt Matthias Kestler, Schatzmeister und Einsatztaucher des DLRG Forchheim.

"Das Einzige, was jetzt erst langsam wieder hochgefahren wird, ist die Ausbildung und das Training der Schnellen-Einsatz-Gruppe SEG. Denn für den Rettungseinsatzbereich wird in Realgewässern geübt, also im Kanal oder Baggersee. Mit dem gebührenden Abstand natürlich," so Großkopf. Das SEG ist eben jene Gruppe von Einsatzkräften, die bei einem Notfall alarmiert wird. Ihr Einsatzgebiet sind die Gewässer im Landkreis Forchheim. "Aber wir werden im Bedarfsfall auch überregional angefordert," erzählt Großkopf weiter. Auch bei der südbayerischen Schneekatastrophe 2019 oder der Schiffshavarie in Erlangen im September 2016 waren die ehrenamtlichen Helfer des DLRG Forchheim Vorort.

Mehr Badetote befürchtet

Nun bereiten sich Großkopf und seine Kollegen auf die kommenden Wochen vor. Denn die Pfingstferien stehen vor der Tür und das Wetter verspricht den Beginn der Badesaison. Erst am 8. Juni, in der zweiten Ferienwoche, dürfen die bayerischen Freibäder öffnen. Allerdings nur unter strengeren Sicherheitsbestimmungen. Da scheint es für Badebegeisterte einfacher zu sein, Abkühlung in der Wiesent oder in einem der vielen Baggerseen im Landkreis zu suchen.

Während im Königsbad ein Schwimmmeister aufpasst, gibt es an den meisten Badeseen keine Aufsichtsperson, die im Notfall eingreifen könnte. "Der DLRG Forchheim wacht am Wochenende in den Sommermonaten an der Schleuseninsel. Schließlich haben wir den Rhein-Main-Donau-Kanal direkt vor der Nase, aber ansonsten bewachen wir keine Gewässer," erklärt Ralf Gügel. Der Forchheimer ist seit 40 Jahren Mitglied der DLRG und Vorsitzender des Ortsverbandes Forchheim.

"Erst, wenn bei einem Notruf Wasser im Spiel ist, werden wir und die Wasserwacht mit alarmiert." Doch Gügel hat die Erfahrung gemacht, dass es dann bereits zu spät sein kann: "Oft beginnt ein Einsatz damit, dass eine Person schon vermisst wird. Irgendwo liegen nur noch ein Paar Schuhe am Kanal. Es kann längerer Zeit dauern, bis man die vermisste Person findet. Tagelang. Dann ist die Wahrscheinlichkeit allerdings groß, dass die Person leider nur tot geborgen werden kann."

95 Menschen ertranken 2019 alleine in Bayern. Der Freistaat führt damit die Statistik Deutschlandweit an.

Starke Strömungen am Kanal

"Gerade unsichere und schlechte Schwimmer überschätzen sich häufig, dann kommt es zu Badeunfällen," erzählt der technische Einsatzleiter Großkopf und fügt hinzu: "Bei uns im Landkreis ist der Rhein-Main-Donau-Kanal ein besonders gefährlicher Ort zum Baden, denn dieser Bereich wird von der Berufsschifffahrt genutzt. Trotz des dort herrschenden Schwimmverbotes erleben wir es immer wieder, dass Menschen direkt vor der Schleuse ins Wasser gehen. Dabei können durch Schiffe oder eine Schleusenöffnung extreme Strömungen entstehen."

Aber auch die meisten Seen im Landkreis sind für Badegäste gesperrt. "Die Baggerseen sind fast alle in Privatbesitz, die meisten umzäunt. So ein Angelverein hat es nicht gerne, wenn Fremde auf seinem Privatbesitz schwimmen," berichtet Großkopf.

Coronabedingt kommt in diesem Jahr noch ein weiterer Gefahren-Faktor hinzu: Seit Beginn der Pandemie Anfang März fielen die Kinder-Schwimmkurse aus. "Kinder um die sechs bis zehn Jahre sind deshalb in diesem Jahr eine besondere Risikogruppe," heißt es in einer Pressemitteilung des DLRG Bayern.

Einsatz in Zeiten von Corona

Ein Rettungseinsatz birgt immer gewisse Risiken - auch für die trainierten Rettungskräfte. In Zeiten einer Pandemie kommt die Ansteckungsgefahr hinzu: "Wir haben Vorgaben vom Bundesverband, wie ein Rettungseinsatz unter Corona-Bedingungen abzulaufen hat. Es sind ähnliche Vorgaben, wie sie auch die Öffentlichkeit kennt: Wir tragen Schutzkleidung, Masken, Handschuhe. Aber schon bei der Wiederbelebung wird es schwierig," erklärt Gügel.

Die Einsatzkräfte wurden geschult, die Fahrzeuge mit Hygieneplänen ausgerüstet, berichtet Großkopf. "Wir versuchen so wenig wie möglich schwimmerischen Einsatz zu machen. Doch das ist nicht immer möglich."

Benimmregeln für den Badespaß

Damit ein Rettungseinsatz gar nicht erst notwendig wird, hat der DLRG Bayern Benimmregeln für das Baden an Freigewässern herausgegeben. Auch am Baggersee heißt es Abstand halten. Ob im Wasser oder auf der Liegewiese, die Regel lautet 1,5 bis zwei Meter Abstand zum nächsten Sonnenanbeter.

Verbots- und Hinweisschilder sollten unbedingt beachtet werden. Baggerseen können Steilufer haben, das bedeutet, nach dem flachen Wassereinstieg, fällt der Seegrund steil ab. "Solche Verbote haben gute Gründe, hauptsächlich Naturschutz oder Gefahrenstellen," so der DLRG.

In Forchheim gilt vor allem der Rhein-Main-Donau-Kanal als gefährlich, reißende Strömungen und kalte Temperaturen lähmen auch die Muskelkraft erfahrener Schwimmer.

Eltern sollten ihre Kinder stets im Blick haben. Liegt der Schwimmunterricht des Sprösslings bereits einige Monate zurück, sollten die Kleinen nicht alleine im Wasser spielen.

Kommt es trotzdem zu einem Badeunfall, versichert Matthias Kestler vom Forchheimer DLRG: "Sie wissen, in der Not sind wir immer für Sie da."