Vollständig verschwunden sind die Telefonhäuschen aus Deutschland noch nicht. 30 000 Häuschen der Telekom gibt es noch. Eines davon steht auf dem Marktplatz in Gräfenberg. Die Frage aber ist: Wie lange noch?
Denn die Telekom möchte das Häuschen abbauen und bittet die Stadt dabei um ihre Zustimmung. "Das Telefonhäuschen kommt weg. Egal, wie wir uns entscheiden", sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD). Für das Vorhaben der Telekom hat er durchaus Verständnis.


Nicht mehr wirtschaftlich

"Der Unterhalt einer Telefonzelle kostet Geld, etwa für Strom, Standortmiete und Wartung", erklärt Markus Jodl, Pressesprecher der Telekom Bayern. Mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände sei deshalb vereinbart worden, dass die Telekom Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen darf. Voraussetzung dafür ist, dass auf dem Gebiet der jeweiligen Gemeinde extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro pro Monat stehen.

Nun werden monatlich für weniger als diese 50 Euro im Gräfenberger Telefonhäuschen telefoniert. Für die Telekom ist das ein klares Indiz, dass der Wunsch nach Telefonhäuschen an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht. Wenn eine Gemeinde trotzdem an seiner Telefonzelle festhalten möchte, schlage die Telekom günstige Basistelefone vor. In diesem Fall müsste sich Gräfenberg finanziell aber daran beteiligen. Das wird sie aber kaum wollen, nachdem die Stadt demnächst Hotspots errichten möchte.

Nekolla jedenfalls erinnert sich noch gut an die drei Telefonhäuschen, die es in Gräfenberg einst gab. Eines stand in der Kasberger Straße; dort, wo nun noch ein Postbriefkästen hängt. Ein anderes stand bei der früheren Postfiliale. Dort steht nun das Ärztehaus. Das letzte Mal, dass der Bürgermeister das Telefonhäuschen am Marktplatz selbst benutzt hat, liegt schon viele Jahre zurück. Es war, als er noch als junger Tischtennisspieler aktiv beim TSV Gräfenberg war. "Bei Auswärtsspielen war der Marktplatz der Treffpunkt. Wenn Spieler nicht kamen, gingen wir in das Telefonhäuschen, um die Spieler anzurufen", erinnert sich Nekolla. Heute funktioniere das alles über das Smartphone. Seit Handys quasi zu Massenprodukten geworden sind, sind Telefonzellen unrettbare Auslaufmodelle.


Ungeniert in der Öffentlichkeit

Ihre Blütezeit hatten die Häuschen in den 90er Jahren. 160 000 Standorte gab es damals nach Angaben der Telekom im ganzen Bundesgebiet. Wichtig waren die Glaswände am Häuschen, damit niemand das Gespräch mithören konnte.
Heute wird dagegen völlig ungeniert telefoniert. Dass Fremde mithören können, spielt für die meisten nicht die mindeste Rolle. Die allererste Telefonzelle war ein Fernsprechkiosk, der 1881 in Berlin aufgestellt wurde. 1899 kamen die Telefonzellen für die geschlossenen Räume, die sogenannten Münzfernsprecher auf. In den 20er Jahren gab es dann in fast jeder Stadt ein Telefonhäuschen.

Wenn viele Häuschen abgebaut werden, gibt es doch Ausnahmen. Dort werden Menschen auch künftig in einem Telefonhäuschen Anrufe tätigen können. "In Bahnhöfen und Flughäfen," nennt Jodl als Beispiel.