Es war kein leichter Tag, weder für die Mitglieder der "Hoddn Doddn" noch für ihre eingefleischten Fans am Straßenrand. Antje Schreiber, die "Managerin" der spaßigen Skater-Truppe, hat dem 14. Fränkische-Schweiz-Marathon mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegengeblickt. Es war das letzte Mal, dass das Team, das seit zehn Jahren für seine schrillen Verkleidungen und Auftritte bekannt ist, an der Sportveranstaltung teilgenommen hat. Heuer fuhren sie als Ballerinas mit.


Jeder kennt sie. Ihre "Boxenstopps" in den einzelnen Ortschaften und die "After-Parties" bis in die frühen Morgenstunden sind legendär. "Die Leute warten schon auf uns.
Die Stimmung auf und neben der Strecke ist einfach grandios", sagt Schreiber, die sich an jedes einzelne Jahr gerne zurückerinnert.


Lena ist ganz aufgeregt

In Rüssenbach erwartete die Skater am Marathon-Sonntag ein Blitzlichtgewitter. Auch Lena (sechs Jahre) ist ein großer Fan und hat dort auf die "Hoddn Doddn" gewartet und kräftig in ihre Trillerpfeife gepfiffen. Ihre beiden Tanten Antje Schreiber und Stephanie Kaufmann gehören der Truppe an. "Ich war ganz aufgeregt", sagt das Mädchen im Tutu, das sich ebenso wie ihre Vorbilder in diesem Jahr als Ballerina verkleidet hat.

Doch nun hieß es ein letztes Mal Zujubeln und Anfeuern. Ein letztes Mal trugen die Skater verrückte Kostüme und tranken ihren Zaubertrank. Der geheimnisvolle Trunk, der im Wagen verstaut ist und dessen Rezept nicht verraten wird, dient den Sportlern als Stärkung.

Dabei hatte alles einmal ganz harmlos angefangen. Eigentlich waren es zwei kleinere Gruppen, die in ihrer Freizeit skaten gegangen sind und sich immer rein zufällig auf der Strecke getroffen haben. "Irgendwann haben wir uns alle zusammen verabredet und sind gemeinsam in einer Gruppe gefahren", erklärt Schreiber. Start war immer in Rüssenbach, von dort aus lautete das Ziel im Wechsel Reuth oder Heiligenstadt.

"Im Sommer 2002 wurde nach vielen Scherzen die Entscheidung getroffen, tatsächlich am Marathon mitzufahren", erinnert sich die Organisatorin. "Bei einer gemütlichen Einkehr auf Rollen in Reuth kamen wir dann auf die Idee, verkleidet zu fahren. Denn für uns stand der Spaß schon immer im Vordergrund." Als die Teilnahme beschlossen war, führte schnell eines zum anderen. Die Truppe entschied sogar, einen Wagen mit auf die Fahrt zu nehmen.

Der Name passt einfach perfekt
"Der Wagen wurde oft erst am Vorabend bis tief in die Nacht gestaltet - und zu der Chaostruppe passt der Name Hoddn Doddn einfach perfekt." Die wartenden Fans in den Ortschaften stellten sich vor allem zwei Fragen: Wann kommen sie denn? Und als was verkleiden sie sich?" Das Motto wurde rigoros bis zuletzt strengstens geheim gehalten.

Übersehen konnte man die "Hoddn Doddn" jedenfalls nie. Ob als Kühe oder Bienen, in Tracht, als Krankenschwestern oder Hippies: Immer mischten sie die Sportveranstaltung auf. "Zu Beginn hatten wir befürchtet, disqualifiziert zu werden. Wir haben den Marathon ja nie so ernst gesehen wie mancher Spitzensportler", erinnert sich Schreiber. Doch das Gegenteil war der Fall.

15 Mitglieder waren am Sonntag bei der Abschiedstour mit dabei - so viele wie noch nie. "Wir haben unser Grundziel erreicht und sind vor dem schnellsten Läufer am Ziel angekommen", freut sich Schreiber, "das haben wir auch dank unseres Zaubertrankes geschafft."

Trotzdem sei es an der Zeit aufzuhören, sagt Schreiber, auch wenn es schwerfällt. "Zwei Kollegen haben inzwischen schon eine gewisse Altersgrenze erreicht. Aber der eigentliche Grund ist, dass sich jeder aus der Gruppe in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat. Viele sind aus der Region weggezogen und haben beruflich kaum Zeit zum Skaten." Kaum vorstellbar, dass der Marathon künftig ohne die Spaßgesellschaft auskommen muss. Doch im letzten Jahr zeigten sich deutlich die Probleme in der Organisation. Nur zwei Mitglieder fuhren damals mit, noch dazu ohne Verkleidung.

Die Mitglieder wollten ihre letzte Tour daher noch einmal richtig genießen. Freude und Wehmut liegt in diesem Augenblick nahe beieinander. Trotzdem dürfen die Fans hoffen. "Sollte eine Gruppe regionaler junger Leute Interesse haben, die Hoddn Doddn weiterzuführen, geben wir gerne den Namen und die geheime Rezeptur unseres Zaubertrankes ab", sagt Schreiber und hofft inständig, dass sich jemand meldet.