Eichen vertragen sowohl Trockenheit, als auch Hitze. "Ideal in Zeiten des Klimawandels", so Forstdirektor Michael Kreppel, wäre da nicht der Schwammspinner, eine Schmetterlings-Art, dessen Raupen fast 160 Hektar Laubwald kahl zu fressen drohen.

Betroffen sind ein 85 Hektar großes Gebiet bei Seigendorf in der Gemeinde Hirschaid, 50 Hektar in der "Lohe" bei Bammersdorf, 16 Hektar auf Trailsdorfer Flur, an der Grenze zu Seußling und acht Hektar in der Gemeinde Igensdorf. Auf diesen Gebieten, die eine Gesamtfläche von knapp 230 Fußballfeldern aufweisen, war der Schädling bereits im vergangenen Sommer aktiv.

In zwei Tagen war alles kahl

Waldbesitzer Georg Hubert aus Eggolsheim, der sich im letzten Frühjahr am satten Grün seiner Walder erfreute, schilderte die Situation so: "Als ich an Christi Himmelfahrt vom Weg aus in den Wald schaute, sah es aus, als hätte dort jemand Neonlicht angeknipst. Die jungen Triebe der Buchen des Unterholzes waren völlig kahl gefressen. Selbst das Gras auf dem Waldboden war verschwunden." Zwei Tage später war auch das Laub der Baumkronen den gefräßigen Raupen zum Opfer gefallen. Selbst vom Johannistrieb, dem zweiten Austrieb der Bäume im Jahr, ließ der Schwammspinner nichts mehr übrig.

Nun sind die Bäume in den betroffenen Wäldern voller Gespinste mit tausenden von Eiern, in denen winzige Raupen darauf warten, ausschlüpfen zu können. Die Weibchen haben die Eier im unteren Bereich der Stämme und im Moos abgelegt, in den Kronen war es ihnen offenbar zu heiß, analysiert Michael Kreppel.

Unfassbar viele Gespinste

Und es sind unfassbar viele Gespinste. Der für Eggolsheim und Trailsdorf zuständige Förster Matthias Jessen stellte bei der Untersuchung der Bäume auf den unteren zwei Metern bis zu zehn solcher Nester fest. Gab es im Vorjahr noch zwei Niststätten pro Baum, wurden im Bereich Lohe nun 5,3 als statistischer Durchschnittswert ermittelt. In Igensdorf und Seigendorf ist die Situation nicht besser.

Förster Stefan Ludwig und Revierleiter Stefan Müller bestätigen diesen Trend. Es bestehe Handlungsbedarf, denn die natürlichen Feinde seien mit der explosionsartigen Vermehrung des Schwammspinners überfordert. Hannes Lemme von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, der aus Freising angereist war, bestätigte, dass die Gespinste zunehmend von Viren oder Schlupfwespen befallen würden. Es könne aber niemand vorhersagen, ob und wie schnell diese natürlichen Feinde den Bestand der Schwammspinner auf ein Normalmaß eindämmen können. Aus diesem Grund riet er zum Einsatz des Bekämpfungsmittels Mimic. Dabei handle es sich um ein flüssiges Spritzmittel, das im Obstbau erfolgreich eingesetzt werde. Das Präparat wirke als Häutungs-Beschleuniger und sei unschädlich für Marienkäfer, Spinnen und Schlupfwespen, Raub-Milben und -wanzen. Es stehe auch nicht im Verdacht, krebserregend oder genschädigend zu sein.

Jeder muss zustimmen

Das Mittel soll in einer Konzentration von 0,04 Prozent mit einem Hubschrauber über den betroffenen Gebieten ausgebracht werden. So reicht ein dreiviertel Liter Mimjc für einen Hektar Eichenwald. Ob der Wald besprüht wird, darüber entscheidet jeder Eigentümer selbst. Knapp 180 Waldbesitzer in den Landkreisen Forchheim und Bamberg wurden daher vom Amt für Landwirtschaft angeschrieben.

Eine Zustimmung vorausgesetzt, kann voraussichtlich Anfang Mai mit der Bekämpfung begonnen werden. Dabei müssen 25 Meter Abstand zum Waldrand und zu Gewässern eingehalten werden. Zu Gebäuden und Straßen beträgt der Mindestabstand 50 Meter.