Auf ihren Transparenten stand: "Gesicht zeigen ohne Maske" und "Immunitätsausweis = Impfzwang durch die Hintertür". Auf ihren T-Shirts war zu lesen: "Maskenpflicht - nein, danke" und "Gib Gates keine Chance". Sie nennen sich "Freiheitsbewegung Forchheim" und sie demonstrieren seit drei Wochen täglich: gegen die Auflagen, die mit dem Coronavirus in Deutschland verbunden sind.

Der Zuspruch wachse

"Am Wichtigsten sind uns die kurzfristige Aufhebung aller Beschränkungen und die Wiederherstellung der Bürgerrechte", bekundete Carola Pracht-Schäfer. Gemeinsam mit ihrem Mann Reiner Pracht veranstaltet die 54-Jährige die "Mahnwachen", wie sie die Treffen auch bezeichnet. Am vergangenen Samstag kamen zum 22. Mal rund 70 Menschen auf dem Paradeplatz zusammen. "Der Zuspruch wächst stetig. Wir demonstrieren nicht alleine. Inzwischen gibt es in ganz Deutschland Menschen, die gegen die Corona-Bestimmungen auf die Straße gehen und weltweit sind Menschen gegen den ,Shutdown'", meinte sie. Ihre Forderungen sind in einem Informationsflyer zusammengefasst, sie lauten: "Freiheit statt ,Corona-App' und Kontrollwahn", "weg mit den nutzlosen Masken", "Einhaltung des Grundgesetzes", "freie Entscheidung über den eigenen Körper" und "Impffreiheit".

Forderung nach neuem System

Auf der Kundgebung hielt die Veranstalterin ein Schild in den Händen mit der Aufschrift "Ich habe einen Traum" und nimmt damit nach eigenen Aussagen bewusst Bezug zum US-amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King und dessen Losung "I have a dream". "Wir wollen in Frieden und Freiheit mit Liebe leben!" fasste Pracht-Schäfer zusammen und erklärte: "Wir stehen für das neue System." Wie sie sich das "neue System" vorstellen, vermittelten mehrere Redner in kurzen Beiträgen.

Alternativmediziner sprachen

Einer von ihnen war Ernst Berger. Der 52-Jährige führt eine Praxis für Cranio-Sacral-Therapie in Forchheim und vertrat die Ansicht: "In den letzten Wochen haben wir uns viel über Zahlen und Viren unterhalten" und "vielleicht sollen wir uns besser beschäftigen mit dem, was wir wollen." Die Forchheimer Homöopathin und Tanztherapeutin Anja Drummer sprach: "Wenn die schöne neue Welt mit Impfungen überwacht wird, hätte ich bald Berufsverbot. Ich könnte ohne Impfung keine Kurse mehr geben oder das Land verlassen." Sie rief auf für ein Leben ohne Angst. "Ich wünsche uns, dass aus ,social distancing' so schnell wie möglich ,social dancing' wird." Außerdem: "Ich wünsche uns, dass wir begreifen, dass sich unser Körper selbst regulieren kann, wenn wir ihn lassen. Wir sind keine Autos, wir sind mehr als Werte und Zahlen. Wir brauchen kein vorgefertigtes, abgekautes Wissen mehr. Wir haben zwei Hände, einen Kopf und ein Herz. Damit werden wir in eine Zukunft gehen ohne Hamsterrad und Burnout."

Der Erlanger Mediziner Dr. Joachim Mayer-Brix zeigte sich "entsetzt über die Leichtigkeit, mit der Bürgerrechte außer Kraft gesetzt werden" und äußerte: "Wir erleben gerade, wie versucht wird, uns unsere Freiheit wegzunehmen. Deshalb müssen wir unsere Stimme erheben." Die Versammlung zeigte insgesamt ein buntes Bild: Die Teilnehmer waren überwiegend mittleren Alters, einige saßen auf mitgebrachten Decken auf dem Boden, ein Demonstrant hatte eine Trommel dabei, ein anderer Strickzeug. Die meisten lauschten stehend den Redebeiträgen, mitunter nickten sie bestätigend oder klatschten. Der Musiker Michael Braun aus Gasseldorf sang das Lied "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen. Zum Abschluss der Kundgebung bildeten die Teilnehmer einen Kreis "für Friede und Freiheit mit Liebe" - zwar mit einander entgegengestreckten Händen, doch ohne sich zu berühren.