Es gibt Straßen, da weiß jeder, woher der Name kommt. Der ermordete US-Präsident John F. Kennedy hat einen Ring in Forchheim und der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt eine Allee. Aber wer sind eigentlich die vielen anderen Menschen, nach denen eine Straße benannt ist?

Eine Straße nach sich benannt zu bekommen, ist gar nicht so einfach. "Über Straßennamen entscheidet der Bauausschuss gemäß Geschäftsordnung beschließend", erklärt Britta Kurth, Pressesprecherin der Stadt Forchheim. "Natürlich findet vorher eine Erörterung statt und auch Vorschläge der Verwaltung fließen ein."

Als jüngstes Beispiel benennt sie den Pferdehof in Burk, der in der nun neuen Straße "Zur Baumzeile" steht. "Im genannten Beispiel hatte die Verwaltung den dort bereits kartierten Flurnamen als Grundlage vorgeschlagen", sagt Kurth. Aber auch die Fraktionen können Vorschläge einbringen.

Namensgebende Oberbürgermeister

Die Stadt Forchheim hatte in ihrer Geschichte einige Oberbürgermeister, vormals auch "Erster Bürgermeister" genannt; nicht allen wurde die Ehre einer nach ihnen benannten Straße zu Teil. Bei Franz Stumpf, der erst im vergangenen Jahr gestorben ist und 26 Jahre die Geschicke der Stadt Forchheim leitete, kam schon bald nach seinem Tod die Diskussion einer nach ihm benannten Straße auf. Ein entsprechender Antrag stand am 22. Oktober 2019 auf der Stadtratstagesordnung, eingebracht von REP-Stadtrat Franz Noffke.

"Die CSU-Stadtratsfraktion hat die Idee, eine Straße/Allee/Weg nach Franz Stumpf zu benennen, damals mit auf die Agenda gebracht hat und diese auch weiterhin unterstützt", erklärt CSU-Fraktionssprecher Josua Flierl auf Anfrage. Damals sei es aber auch für die Familie Stumpf zu früh gewesen und so wurde entschieden, dass noch abgewartet werden solle. Immerhin war Franz Stumpf zu diesem Zeitpunkt erst ein halbes Jahr gestorben. Länger warten musste Balthasar Schönfelder. Der ehemalige Forchheimer Bürgermeister (Amtszeit 1836-1875) hat zwar bereits eine nach ihm benannte Straße, richtig bekannt wurde sie aber erst Anfang der 2000er Jahre, als dort, im Forchheimer Osten, nahe der Kletterhalle, ein großes Wohngebiet entstand.

Neben Balthasar Schönfelder wurde auch Andreas Steinmetz die Ehre zu teil, einer Straße seinen Namen zu geben. Steinmetz war von 1948 an Forchheimer Oberbürgermeister. Er begleitete das Amt bis 1961, als er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Die nach ihm benannte Straße führt am Neuen Friedhof vorbei.

Auf Steinmetz folgte dann Karlheinz Ritter von Traitteur. Sein Name ist in Forchheim nach wie vor bekannt, nicht nur, weil er bis 1990 Oberbürgermeister war, sondern auch, weil heute die Mittelschule nach ihm benannt ist und seine Frau Irmgard Edle von Traitteur politisch aktiv war und 2002 auch eine Stiftung in seinem Namen gegründet hat.

Allgemein sind die Politiker, nach denen in Forchheim Straßen oder Plätze benannt sind, aus der etwas entfernteren Geschichte. Um einer Straße seinen Namen geben zu können, müssen die Damen und Herren nämlich gestorben sein.

Landratsamt steht am Streckerplatz

Karl Strecker ist einer von ihnen. Nach ihm wurde der Streckerplatz benannt. Er war Anfang der 1930er Jahre Erster Bürgermeister von Forchheim, wurde aber von den Nazis nicht gerne in diesem Amt gesehen. 1945 wurde er, nachdem der noch amtierende Bürgermeister Burkard Förtsch geflohen war - die US-Truppen hatten zu diesem Zeitpunkt Forchheim bereits ganz eingenommen -, kurzfristig erneut Bürgermeister. Er wurde dann aber von Fritz Ruckdeschel abgelöst, da Strecker verhaftet worden war. Das Entnazifizierungsverfahren entlastete Strecker vollständig.

Eine weitere wichtige Person des Landkreises in der jungen Bundesrepublik war Paul Strian. Nach ihm wurde eine Straße in Buckenhofen benannt. Strian war von 1951 bis 1964 Landrat des Landkreises Forchheim. Wie der jetzige Landrat Hermann Ulm (CSU) stammte Strian aus Kunreuth. Dort hatte er ursprünglich eine Mühle betrieben. Auch in Kunreuth gibt es eine Straße, die nach ihm benannt ist.

Auf Strian folgte im Amt des Landrates für den Landkreis Forchheim Otto Ammon. Obwohl Ammon bis 1996 Landrat war und damit das Amt 32 Jahre begleitete und zuvor schon zehn Jahre Bürgermeister von Reuth war, wurde Otto Ammon bisher nie die Ehre zu teil, eine Straße, einen Platz oder eine Schule in Forchheim nach sich benannt zu bekommen. Dafür wurde er mit dem Bayerischen Verdienstorden, dem Frankenwürfel, dem Verdienstkreuz am Bande und dem Verdienstkreuz der 1. Klasse der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Traitteur, Amon oder auch Stumpf haben bisher also noch keine Straßen nach sich benannt bekommen. Doch bei dem Bauboom in Forchheim wird es künftig noch viele Straßen geben, die einen neuen Namen brauchen.

FT-Kommentar: "Mehr Platz für die Lokalhelden"

von Jennifer Opel

Aufgewachsen bin ich in einer Straße, die nach dem ersten Schulleiter meines Heimatdorfes benannt ist. Es hat mich interessiert, wer meiner Straße den Namen gegeben hat.

Als ich zum Studium in die Pestalozzistraße gezogen bin, interessierte es mich, wer Johann Heinrich Pestalozzi war. Durch Straßennamen werden historische Persönlichkeiten ins Bewusstsein gerückt.

In Forchheim gibt es viele Straßen, deren Namensgeber keine Forchheimer Persönlichkeiten waren, sondern herausragende überregionale Dichter oder Denker: Jean Paul, Wilhelm Hauff, Paul Keller, um nur ein paar zu nennen.

Aber auch Heinrich Hornschuch ist ein Name, der den Forchheimern geläufig ist. Denn nach ihm wurde die Hornschuchallee benannt.

Für das Interesse an der Lokalgeschichte wären mehr Straßennamen von lokalhistorischen Persönlichkeiten sicherlich ein Gewinn.

Ob Otto Ammon oder Franz Stumpf, es gibt viele Persönlichkeiten, die sich um das Wohl der Stadt und des Landkreises verdient gemacht haben. Ein weiterer sei genannt: Konrad Kupfer - der in Hausen schon eine Straße nach sich benannt bekommen hat. Er war oberfränkischer Heimatforscher und Schulleiter in Forchheim. Hätten Sie es gewusst?

Es lohnt sich, auf der Suche nach Straßennamen ein bisschen in die Geschichte der Stadt oder Region zu schauen. So schafft es "Bildung" durch die Hintertür ins kollektive Lokalgedächtnis. Und das ist doch eine tiefergehende Recherche bei der Suche nach einem Straßennamen allemal wert.