Der mächtige Ast ragt über die Köpfe der Betrachter. Der Stamm ist hohl, doch die Baumkrone trägt leuchtend grüne Blätter. Dicke Eisen- und Holzstangen stützen den Stamm und den herausragenden Hauptast, damit das Gehölz nicht unter seinem eigenen Gewicht zusammenbricht. Die beeindruckende Linde ragt am westlichen Ende des Gräfenberger Ortsteils Kasberg in die Höhe. Obwohl der Baum hunderte oder womöglich sogar 1000 Jahre alt ist, zeugt sein Blätterdach davon, dass die "Kunigundenlinde" noch heute voller Leben steckt.

Die berühmte Kasberger Linde ist einer von 29 Bäumen beziehungsweise Baumgruppen, die die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Forchheim auf der Liste der Naturdenkmäler gesetzt hat. Mit der Unterschutzstellung sollen die uralten und seltenen Bäume erhalten werden.

Seltene und schöne Exemplare

Baumdenkmäler zeichnen sich nicht nur durch ihr Alter, sondern auch durch ihre geschichtliche und landeskundliche Bedeutung aus. Die ältesten Bäume sind meist Linden, die die Menschen vor langer, langer Zeit gepflanzt haben. Außerdem prägen die Bäume mit ihrer markanten Schönheit noch heute die Orts- und Landschaftsbilder in der Region.

Kasberger Linde

Die Kasberger Linde wird auch "Kunigundenlinde" genannt, weil der Baum der Sage nach von der heiligen Kunigunde (um 980 bis 1033) gepflanzt wurde. Der Gemahl der besonders in Franken verehrten Heiligen Kunigunde, Kaiser Heinrich II., regierte von 1002 bis 1024. Sollte die Linde wie angenommen, bereits zu deren Lebzeit bestanden haben, gehört der Baum zu den zehn ältesten Bäumen in ganz Deutschland.

Wie alt die Linde wirklich ist, lässt sich heute nur noch grob schätzen. Die Linde soll aber bereits im 14. Jahrhundert ein bemerkenswerter Baum gewesen sein, da hier damals die kaiserlichen Landrichter Gerichtstage abhielten. 1806 sollen französische Truppen unter der Winterlinde ein Feuer angezündet haben, wodurch der Stamm ausbrannte. 1913 wurde ihr hohler Stamm behandelt, 1977 musste der Baum erneut renoviert werden. Direkt neben der Kasberger Linde steht eine weitere hundertjährige Linde.

Dorflinde in Effeltrich

Die Linde im Zentrum von Effeltrich wird als tausendjährige Linde oder Dorflinde bezeichnet. Bei dem Baum handelt es sich um eine Sommerlinde, die noch heute kräftig und voller Vitalität ist. Der Baum steht zentral auf dem Dorfplatz gegenüber der Kirche und gilt als eine der schönsten Tanzlinden in Franken. Der Baum war ein Thingplatz, hier wurden Versammlungen und Gerichtsverhandlungen abgehalten. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden hier Feste gefeiert und Tänze fanden statt. Die Linde zeichnet sich durch ihre schön gewachsene flache Baumkrone aus.

Linde am Trainmeuseler Brunnen

Der direkt darunter liegende Trainmeuseler Brunen ist selbst ein Naturdenkmal. An seinem Zugang strecken sich die mächtigen Linden in die Höhe, die ebenfalls unter Naturschutz stehen. Der "Trainmeuseler Brunnen" im Markt Wiesenttal ist die einzige Wasserquelle auf der Jurahochfläche. Unter dem Schutz der Linden brachten die Trainmeuseler früher Wasser mit Butten ins Dorf. Der "Brunnen" ist eine geologische Ausnahmeerscheinung: Er entstand dadurch, dass ein Mergelpaket (aus Ton und Kalk bestehendes Sedimentgestein) Wasser aufstaute.

Kapellenlinden Lillinger Höhe

Zwischen Lilling und Sollenberg hat 1817 der Bauer Konrad Weber die Kapelle "St. Maria" errichtet. 1872 wurde die Kapelle wiedererrichtet und auch geweiht. Vier gewaltige Linden umrahmten auf der Lillinger Höhe stets die kleine Kapelle. Es wird vermutet, dass die Bäume bereits zu der Zeit der ersten Errichtung gepflanzt wurden. Nachdem ein Sturm eine der Linden zerstörte - der Baum war zudem von einem Pilz befallen - wurde vergangenes Jahr eine neue gepflanzt, um die Lücke im Ensemble zu schließen und das Wahrzeichen zu erhalten.

Tanzlinde in Wichsenstein

Neben dem Wichsenstein ist die prächtige Tanzlinde, auch "Wirtslinde" genannt, das Erkennungszeichen des Dorfes. Ihr Umfang beträgt über sechs Meter. Auch die Wichsensteiner Linde war eine Thingstätte, ein Ort der Versammlung, wo Verkündungen und sogar der Gerichte abgehalten wurden. Um die Linde herum wurden Kirchweih- und andere Dorffeste wie das Tanzlindenfest gefeiert. Experten schätzen, dass der Baum etwa 500 Jahre alt ist, vielleicht sogar älter. Anfang diesen Jahres bekam der Baum ein neues Stützgerüst.

Badangerlinde in Gößweisntein

An der Straße in Richtung Behringersmühle steht am nordöstlichen Rand von Gößweinstein die Badangerlinde. Direkt daneben steht eine Kapelle. Die Badangerlinde bereits in der Chronik von Gößweinstein im 13. Jahrhundert erwähnt worden sein. Der Baum wäre also rund 800 Jahre alt. Die Linde soll ebenfalls ein Gerichtsplatz gewesen sein. Woher die Badangerlinde ihren Name hat, ist nicht überliefert. Weil der Gößweinsteiner Baumriese zweimal in Brand geraten ist und auch ausbrannte, wurde im Inneren der hohle Stamm mit Steinen gemauert.