Für den Wirt Uwe Koschyk ist klar, was der Mindestlohn der Gastro-Branche in Oberfranken ab Januar bringen wird. "Die Preis-Oase in vielen Wirtschaften auf dem Land wird bald der Vergangenheit angehören. Getränke und Essen werden teurer werden und sich dem Preisniveau in Bamberg oder Erlangen angleichen", sagt der Chef des Gasthauses "Schwane" am Forchheimer Paradeplatz.

Und woran liegt das? "Viele Gaststätten sind Familienbetriebe, die bisher davon profitierten, dass Arbeitszeiten der einzelnen Mitarbeiter oder Verwandten dort so gut wie keine Rolle spielten", meint Koschyk. Doch das werde sich nun ändern und etliche Betriebe müssten zum Teil dramatisch ihre Preise erhöhen. Der Grund: Alle Arbeitszeiten samt Einkünften müssen bald akribisch festgehalten werden. Das mache es vor allem für Familienbetriebe schwerer.



Mehraufwand für Bürokratie

Der Mehraufwand an Bürokratie für die Wirte bereitet auch dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) große Kopfschmerzen. Durch Mindestlohn würde zudem die Einhaltung der vorgeschriebenen Arbeitszeiten stärker geprüft, sagt ein Sprecher des Verbandes und er fügt an: "Wir brauchen aber in der Gastronomie flexible Arbeitszeiten."

Und was erwartet Koschyk für das eigene Lokal? "Ich zahlte meinen Aushilfen bisher 7,50 Euro pro Stunde. Ab 2015 werden es 8,50 Euro sein. Natürlich werde ich auch über eine Mischkalkulation diese Erhöhung an die Gäste weitergeben", stellt Koschyk fest.


Mehr Wert auf Qualität

So wird die Halbe Bier in der Schwane dann nicht mehr 2,50 Euro kosten, sondern 2,70 Euro. "Die Essenpreise steigen so gegen 50 bis 80 Cent", fügt der Wirt an. Er sieht aber auch Vorteile in der Einführung eines Mindestlohns: "Das hilft Betrieben wie uns, die mehr Wert auf Qualität legen."

Rollt nun auf die Billig-Gastronomie eine Entlassungswelle zu? Ein Dehoga-Sprecher betont, er könne das derzeit nicht abschätzen. "Das liegt in der unternehmerischen Verantwortung", meint er. Der Dehoga hatte vergeblich versucht, die Einführung des Mindestlohns für seine Branche auf den 1. September 2016 zu verschieben. Zuvor sollte es erst 7,50 Euro pro Stunde geben, ab dem 1. September 2015 dann acht Euro. Das aber war der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zu wenig. Wann aber gibt es erste Ergebnisse, wie sich der Mindestlohn auf den Arbeitsmarkt auswirkt? Die werden auf sich warten lassen: Offenbar sollen sie erst nach mehr als einem Jahr vorliegen, zeigt eine Umfrage unter deutschen Arbeitsmarktforschern.


Auswirkung auf Arbeitsmarkt?

"Man kann nicht zum 1. Januar den Mindestlohn einführen, und am Jahresende sind dann die Ergebnisse schon da", sagt Holger Bonin, der leitende Arbeitsmarktökonom vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Das Institut arbeite seit einem Dreivierteljahr an einem aufwendigen Modell, mit dem die Folgen genau erfasst werden sollen. Erst in "zwei bis drei Jahren" werde es finale Ergebnisse geben, schätzt Bonin. Auch andere Forscher wie der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Christoph Schmidt, dämpfen die Erwartungen.


Mindestlohn

Informationen: Ab dem 1. Januar gilt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Fragen rund um den Mindestlohn werden vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und seinen Mitgliedsgewerkschaften beantwortet. "Kommt vorbei, wir informieren gerne", sagt der DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt. In Bamberg gibt es in den Geschäftsstellen Informationsangebot. Am Mittwoch, 14. Januar, und am Mittwoch, 21. Januar, jeweils von 16 bis 19 Uhr im Gewerkschaftshaus in der Starkenfeldstraße 21 und in der Verdi-Geschäftsstelle in der Schützenstraße 5.

Hotline: Außerdem werden Fragen an der Mindestlohn-Hotline ab 2. Januar montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr und samstags zwischen 9 und 16 Uhr beantwortet, zum normalen Festnetztarif unter 0391/4088003.

Kreis Forchheim: Der Mindestlohn ist aber nicht nur eine Lohnerhöhung für etwa 1500 Menschen im Landkreis Forchheim. "Wir alle profitieren vom Mindestlohn, weil er die Konjunktur stärkt", meint Mathias Eckardt. Bereits 2014 habe sich gezeigt, dass die Wirtschaft von der Nachfrage im eigenen Land stabilisiert und gestützt worden ist. "Der Mindestlohn sorgt also nicht nur dafür, dass menschenwürdige Löhne gezahlt werden. Er sichert auch Arbeitsplätze hier vor Ort", sagt Eckardt.

Vor Ort: Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften werden alle Pendler über den Mindestlohn und seine Wirkungen am Montag, 12. Januar, ab 6 Uhr, am Bahnhof informieren.


Nächster Serienteil

Im dritten Teil unserer Serie rund um das Thema Mindestlohn informieren wir Sie, warum Friseure in diesem Punkt Vorreiter sind und was das für die Kunden bedeutet.