Forchheim Andreas Schwarz (SPD) kennt den Berliner Breitscheidplatz gut und er hat den Weihnachtsmarkt dort auch schon besucht. Gestern erzählte der Bundestagsabgeordnete, wie er persönlich auf den Terroranschlag mit zwölf Toten reagiert. "Das Ereignis ist furchtbar, aber es darf kein Grund sein, jetzt Weihnachtsmärkte zu meiden", betont Schwarz. "Ich würde auch selber hingehen, weil ich mir meine Freiheit nicht nehmen lasse."
Der Abgeordnete für die Regionen Forchheim, Bamberg und Coburg warnt zugleich vor übertriebenen Sicherheitsforderungen. "Das Problem ist erkannt und natürlich wird die Polizeipräsenz noch stärker werden. Doch wir können nicht jedes Fest verbarrikadieren."


Gleichmut auf dem Markt

Auf dem Forchheimer Weihnachtsmarkt überwog gestern ebenfalls der Gleichmut: "Theoretisch kann das auch uns passieren. Was in Berlin geschehen ist, das ist schlimm, aber das Leben muss weitergehen", sagte Reinhold Lützelberger, der auf dem Markt Süßigkeiten verkauft.

Andere Händler und Besucher äußerten sich ähnlich: "Wenn ich nicht mehr hierher kommen kann, dann kann ich gar nichts mehr machen." Oder: "Wenn man sich verrückt macht, dann können wir gleich zusperren." Der Krippen-Verkäufer aus der Partnerstadt Gherla sagte, dass er Forchheim auch nach dem Anschlag als "ruhige, friedliche Stadt" erlebe.

Auch der Landtagsabgeordnete Michael Hofmann (CSU) machte sich private und politische Gedanken über die Konsequenzen nach dem Terrorakt. "Wir haben das in der Familie besprochen. Wir hatten geplant, den Forchheimer Weihnachtsmarkt zu besuchen und das werden wir auch tun. Wir lassen uns nicht in unserer Freiheit einschränken." Vorher werde er noch mit seinen beiden Töchtern (10 und 13 Jahre alt) sprechen. "Die kriegen das natürlich in der Schule mit - und das kann auch Ängste auslösen", sagt Hofmann. "Aber ich sag es meinen Töchtern wie jedem anderen: Absolute Sicherheit gibt es nicht."


AfD Forchheim bleibt defensiv

Natürlich habe sich die Sicherheitslage verändert, sagt Anne Höfer, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth. "Es werden verstärkt Kontrollen durchgeführt, etwa auf den Autobahnen. Und die Präsenz der Polizei auf den Weihnachtsmärkten wird erhöht." Anne Höfer betonte am Dienstag Vormittag aber auch, dass es "in Oberfranken und ganz Bayern keine konkreten Hinweise" gebe, dass Weihnachtsmärkten eine Gefahr drohe.

Dennoch werde eine neue Flüchtlingsdebatte nach den Anschlägen "nicht zu verhindern sein", ist MdB Andreas Schwarz überzeugt. Die AfD sorgte bereits mit dem Post "Merkels Tote" für Empörung. Und auch AfD-Vorsitzende Frauke Petry schürte Angst: "Deutschland ist nicht mehr sicher." Im Landkreis Forchheim, wo die AfD mittlerweile 48 Mitglieder zählt, hielt sich die Partei jedoch zurück. Bernd Nägel, langjähriger CSU-Gemeinderat aus Effeltrich und neuerdings Kreis-Vorsitzender der AfD, sagte: "Angesichts der bevorstehenden Weihnacht und insbesondere der schrecklichen Nachrichten aus Berlin halte ich parteipolitische Auseinandersetzungen zur Zeit für absolut deplatziert."

MdB Schwarz appelliert, die "gefühlte Lage" von der Faktenlage zu unterscheiden. Gefühlt sei die Verunsicherung groß. Faktisch werde aber ausreichend in die Sicherheit investiert.
MdL Hofmann hob ebenfalls die Sicherheitsstandards im Lande hervor; mahnte jedoch: "Die maximale Anstrengung ist noch nicht unternommen worden. " Etwa habe die CSU lange vorgeschlagen, die Grenzkontrollen auszubauen und dabei die bayerische Bereitschaftspolizei einzusetzen. Dieser Vorschlag sei "zuerst abgelehnt worden", ärgert sich Michael Hofmann: "Erst jetzt wird es gemacht."