Zur ehemalige Wallfahrtskapelle "Sankt Friedel", der Kirche Hochstahl bei Heckenhof in der Gemeinde Aufseß, wandert an diesem Sonntag die Ortsgruppe aus Aufseß und Neunkirchen vom Fränkische-Schweiz-Verein (FSV). Los geht es um 13.30 Uhr am Parkplatz der Kathi Bräu in Heckenhof. Die Wanderung leitet Vorsitzender Alfred Saam.
Der Heimatforscher Kurat Adalbert Hollfelder hat das Bodendenkmal beschrieben. Er ließ wissen, dass dort lange viele Tausende Wallfahrer versammelt waren, um bei Gebet und Gesang und der heiligen Messfeier Gott zu loben und seinen Segen zu erbitten.
Kurat Adalbert Hollfelder hat versucht, die Geschichte dieses geheimnisvollen Ortes zu erforschen. Der holzgeschnitzte Opferstock der Kapelle steht heute in der Pfarrkirche von Hochstahl.
Alte bemooste Grundsteine und Kalkmörtelbrocken vom Mauerwerk des Gotteshauses liegen noch dort an ihrem alten Platz hoch über dem Tal der Aufseß zwischen Aufseß und Draisendorf.

Legenden von den Alten

Der Opferstock ist 75,5 Zentimeter hoch und teilweise mit Eisen beschlagen. Der Opferstock ist 16 Zentimeter breit und 17 Zentimeter tief. Die Frontseite zeigt im geschnitzten Flachrelief den Bischof von Utrecht mit seinen Kennzeichen. Auf der rechten Seite ist die folgende Inschrift eingekerbt: S. Fridericus. Daneben steht die Jahreszahl 1527.
Man hat noch lange an diesen heiligen Platz Gottesdienst abgehalten. Darauf weist ein Akt im Schlossarchiv in Aufseß hin. Heute noch heißt das ganze Flurstück "Heiligen Leite". Wie Hollfelder einst die alten Leute in Heckenhof als Überlieferung ihrer Vorfahren erzählten, waren zu den Wallfahrtstagen derart viele Pilger zusammengekommen, dass die Notquartiere zum Übernachten in sämtlichen Scheunen der Heckenhofer Bauern kaum ausgereicht haben. Bezüglich der Entstehung der Kapelle wird vermutet, dass an dieser unwegsamen Stelle ein prähistorisches Heiligtum gestanden hat, das dann die frühen Missionare gewissermaßen umgetauft hatten.
Nachdem heute an jener einsamen Stelle nur noch klägliche Ruinenreste vorzufinden sind, stellt sich die Frage nach der Zeit des Verfalls. Möglich wäre eine Zerstörung durch 1430 hier vorbeiziehende Hussiten. Bischof Friedrich von Aufseß hatte damals schon 10 Jahre lang an den Abwehrmaßnahmen gegen die Hussiten teilgenommen. Das Ausmaß der Plünderung und Zerstörung in Aufseß und Umgebung ist aber archivalisch nicht mehr fassbar.

Duell zwischen Pfarrer und Baron

Im Bauernkrieg (1525) wurden zwar sechs Aufseß'sche Burgen zerstört, aber man hatte wohl keinen Grund, über eine Kapelle herzufallen. Der 30-jährige Krieg aber, als die Kroaten und andere fremde Söldner nach Aufseß kamen und furchtbar wüteten (1633), könnte ebenfalls Sankt Friedels Ende bedeutet haben.
Aber noch im Jahr 1683 haben Wallfahrten und Gottesdienste auf der Bergeshöhe von Sankt Friedel stattgefunden. In einem Akt aus dem Aufseßer Archiv streitet der Baron Friedrich von Aufseß mit dem Pfarrer Johannes Sühnlein von Hollfeld (zuständig für die Hochstahler Kirche) um das bei Sankt Friedel anfallende Opfergeld.
Der Pfarrer behauptet, es wäre Kirchengut, falle also ihm zu, während der Baron für sich Anspruch darauf erhebt, da ihm ja der Grund und Boden gehöre. Der Ausgang dieses Duells ist nicht bekannt.