Jetzt ist es amtlich. Die Ebermannstadter CSU kann den Bürgern bei der Kommunalwahl am 15. März keine Alternative zu Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) bieten. Von Verzicht, so Dritter Bürgermeister Rainer Schmeußer, könne allerdings keine Rede sein, vielmehr habe sich niemand gefunden, der seinen Beruf zugunsten einer ungewissen politischen Karriere habe aufgeben wollen. "Gute Politik" können wir auch ohne Bürgermeisterkandidaten machen, so Ortsvorsitzender Sebastian Striegel. Er ist überzeugt: "Die CSU kann Großes schaffen."

Lange Zeit klammerten sich die Mitglieder des Ortsverbandes an das Bibelzitat aus dem Lukas-Evangelium "Wer suchet, der findet". Seit August, als der CSU-Ortsvorsitzende Sebastian Striegel die Mitglieder des Ortsverbandes mit der Nachricht schockte, dass er als Herausforderer von Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) nicht zur Verfügung steht, lief die Kandidatensuche auf Hochtouren.

Wie bei der Geschichte mit den "zehn kleinen Negerlein" wurde Name für Name abgehakt. Vizebürgermeister Sebastian Götz (WGM) bekräftigte, dass er sich auf seine neue berufliche Herausforderung als Betriebsleiter der Steigerwaldklinik und Mitglied der Geschäftsführung dieses Hauses konzentrieren wolle.

Auch CSU-Fraktionssprecher Rainer Schmeußer hat bereits frühzeitig bekannt gegeben, dass auch er nicht mehr als Herausforderer von Christiane Meyer zur Verfügung steht. Die ehemalige CSU-Ortsvorsitzende Diana Striegel wies ebenso Ambitionen auf ein Führungsamt zurück wie Sigrid Hübschmann, Vorsitzende der Frauen-Union Ebermannstadt. Sie bekräftigte: "Der Zug ist abgefahren: Ich komme dafür nicht in Frage."

Ein Hoffnungsträger nach dem anderen winkte ab. Auch seitens der befreundeten Wählergruppe Mühlbachtal-Oberland-Gasseldorf (MOG) gab es niemanden, der sich für den vakanten Posten aufgedrängt hätte. "Wir stellen von uns aus keinen Bürgermeisterkandidaten", stellte Stadtrat Konrad Dresel klar.

Ausgewogene Liste

Letzter Hoffnungsträger war Johannes Obenauf, der zurzeit in Obernburg im Landkreis Miltenberg als Richter eingesetzt ist. Er hatte sich die Sache überlegt, wollte selbst dann gegen Bürgermeisterin Meyer antreten, wenn eine weitere Gruppierung wie etwa das Bürgerforum einen Herausforderer für die Amtsinhaberin präsentierte. Doch auch daraus wurde nichts. Es gab keine Zusage, im Falle eines politischen Misserfolges wieder zurück in den Staatsdienst zurückkehren zu können.

Die Mitglieder des CSU-Ortsverbands Ebermannstadt waren damit ihrer letzten Hoffnung beraubt. Dennoch zeigt sich Ortsvorsitzender Striegel nach der Nominierung der 20 CSU-Kandidaten optimistisch: "Wir haben eine ausgewogene Liste mit erfahrenen und frischen Kräften aufgestellt." Mit den Stadträten Rainer Schmeußer und Klaus Neuner, Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen, Kaufleuten, Vertretern der Landwirtschaft, aus sozialen, technischen und handwerklichen Berufen, einem Richter und einem Rechtsanwalt stehe ein breit gefächertes Wissen zur Verfügung. Unter dem Leitsatz "Gemeinsam mehr erreichen, gemeinsam viel bewegen, gemeinsam Großes schaffen" tritt die CSU an.

Gespalten, zerrissen, führungslos und bedeutungslos?

Kommentar von Josef Hofbauer Es grenzt an ein politisches Erdbeben. Der CSU-Ortsverband Ebermannstadt - über Jahre hinweg stärkste politische Kraft - findet niemanden, der bereit wäre, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Eine politische Bankrott-Erklärung, zumal die CSU-Stadträte nichts unversucht ließen, in der zu Ende gehenden Legislaturperiode ihre Unzufriedenheit mit Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) kund zu tun.

Und: ein unübersehbares Indiz für die innere Zerrissenheit der Partei, in der es gleich mehrere Lager gibt. Da sind die "Realos", die im Stadtrat versuchen, Entscheidungen zum Wohle der Ebermannstadter Bürger zu treffen. In Sachen Baulandausweisung und Kinderbetreuung, Tourismuskonzept oder Stärkung der Infrastruktur gibt es jedoch einen parteiübergreifenden Konsens. Was den CSU-Räten den Vorwurf einbringt, sie hätten kein Profil, stimmten mit dem politischen Gegner.

Nicht zuletzt deshalb entschied sich Ortsvorsitzender Sebastian Striegel für eine Radikalkur, einen kompletten Neuanfang. Mit einer Mischung aus jungen, heimatverbundenen aber zukunftsorientierten Leuten und erfahrenen Kommunalpolitikern, die bereits Erfahrung gesammelt haben, soll eine Mannschaft geformt werden, die das Vertrauen der Bürger wieder zurückgewinnen will. Da ist Geduld gefragt. Es wird dauern, bis das Tal der Tränen, das die Mitglieder des Ortsverbandes Ebermannstadt durchschreiten müssen, überwunden ist.

Antje Müller ist zurück

Die Alternative dazu heißt Antje Müller (54), Spitzenkandidatin der Liste FDP/Bürgerforum, die am Donnerstag ihren Aufnahmeantrag als FDP-Mitglied gestellt hat. Ihr Traum, Bürgermeister-Kandidatin zu werden, ist damit für die ehemalige CSU-Ortsvorsitzende nun doch noch in Erfüllung gegangen. Vor sieben Jahren, in der Ära Franz Josef Kraus, buhlte sie sogar um den CSU-Kreisvorsitz, und nur allzu gerne wäre sie statt Michael Hofmann in den Bayerischen Landtag eingezogen. Als das alles nicht klappte, sollte sie in ihrer Heimatstadt für die CSU den Bürgermeistersessel erringen. Doch im Ortsverein regte sich Widerstand, die Basis murrte. Statt der Wunsch-Kandidatin Antje Müller trat Rainer Schmeußer in den Ring. Die Folge: Die beim Kernkraftunternehmen Areva beschäftigte Expertin in Leittechnik und Elektronenphysik kehrte der CSU den Rücken, gab ihr Parteibuch zurück.

Aber auch bei der FDP tanzt Antje Müller wieder auf zwei Hochzeiten. Sie kandidiert für den Forchheimer Kreistag und will gleichzeitig Bürgermeisterin von Ebermannstadt werden. Ihr zur Seite stehen die alten Weggefährten wie das CSU-Ehrenmitglied Franz Josef Kraus, der sie einst als Wunsch-Nachfolgerin auserkoren hatte und der auf der Liste FDP/Bürgerforum auf Platz acht für den Stadtrat kandidiert. Der ehemalige stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende Thomas Dorscht, mittlerweile der "Kopf" des Bürgerforums, führt die Liste neben Antje Müller an. Der frühere CSU-Fraktionsführer im Stadtrat Ebermannstadt, Hubert Herbst, hat mittlerweile seine politische Heimat ebenso beim Bürgerforum gefunden, wie die ehemalige CSU-Ortsvorsitzende Diana Striegel und ihr Ehemann Peter.

Ortsvorsitzender geschockt

"Nicht weiter tragisch", findet Ortsvereins-Chef Sebastian Striegel. Nur das Verhalten von Altbürgermeister und Ehrenmitglied Franz Josef Kraus hat ihn schockiert. Kraus habe der Partei seine uneingeschränkte Unterstützung angeboten, wollte aber nicht mehr kandidieren - weder für den Stadtrat, noch für den Kreistag. "Da hat er offenbar nicht die Wahrheit gesagt. Das nehme ich persönlich", erklärt Sebastian Striegel. Den anderen abtrünnigen Parteimitgliedern weint er offenbar keine Träne nach. "Wenn sie sich woanders besser aufgehoben fühlen, sollen sie eben dort hingehen!" Überdies hätten Aktionen aus dem Kreis derer, die nun die Seiten gewechselt haben, der Ebermannstadter CSU mehr geschadet, als genutzt.

Auch eine Art, sich von offenbar undisziplinierbaren Parteimitgliedern zu distanzieren. Gleichzeitig ist das auch der Beleg, dass in Ebermannstadt nach wie vor ein großer Riss durch die Partei mit dem C im Namen geht. Eine denkbar schlechte Voraussetzung, die Bürger davon zu überzeugen, ihr Kreuzchen bei der nächsten Wahl gerade bei dieser Gruppierung zu machen.

j.hofbauer@infranken.de