Die Krüge im Kellerwald, auf den Bierkellern und in den Wirtshäusern der Region Forchheim bleiben aktuell trocken. Heuer wird kein "Oogschdochn is!" beim Annafest ertönen. Kerwas, Volksfeste und Großveranstaltungen sind bis mindestens Ende August verboten. Gastronomiebetriebe und Biergärten sind geschlossen.* Weil der Umsatz durch den Bierausschank wegfällt, sind Brauereien von der Corona-Krise besonders betroffen.

Während am Hebendanz-Keller und der Gaststätte in Forchheim kein Bier mehr fließt, herrscht im Hof der Brauerei geschäftiges Treiben. Hebendanz ist eine von vier familiengeführten Brauereien in der Königsstadt. Brauer Fritz Hebendanz wuchtet eine Kiste "Annafest-Bier" nach der anderen in seinen Getränke-Transporter. "Wir liefern jetzt deutlich mehr und es wird auch mehr abgeholt", freut sich der Chef.

Nach Absage: Annafest-Bier wird in Flaschen ausgeliefert - bis nach Bonn und Berlin

Normalerweise wäre mindestens ein Drittel des "Annafest-Bieres" in Fässern gelandet, stattdessen wir das Festbier in Flaschen abgefüllt und an die Kunden gebracht. "Das Annafestbier trinken auch Liebhaber in Bonn oder Berlin", verrät Fritz Hebendanz. Für ihn ist Bier nicht nur ein wirtschaftliches Produkt, sondern ein Lebensgefühl. "Das Annafest-Bier schmeckt auch ohne das Annafest. Die fränkische Gemütlichkeit beibehalten, das geht auch zuhause", sagt der Brauer.

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Ein großer Teil seines Umsatzes fällt aber aktuell wegen der Corona-Beschränkungen weg. "Die Gastronomie und der Keller fehlen uns schon sehr", sagt Fritz Hebendanz. Er will dennoch zuversichtlich bleiben und hofft, dass er in den kommenden Monaten noch Gäste im Kellerwald bewirten darf.*

Auch die Brauerei Rittmayer musste auf das Ausschankverbot reagieren und hat Bier aus seinen Fässern in Flaschen umgefüllt. "Wir haben unseren Anteil an Flaschenabfüllung deutlich erhöht", sagt Georg Rittmayer. Der Inhaber der Hallerndorfer Privatbrauerei Rittmayer und Präsident des Vereins der Privaten Brauereien Bayern warnt: "Unsere fränkische Wirtshauskultur ist in Gefahr!" Das Wirtshaussterben in Bayern werde noch schlimmer, wenn die Beschränkungen für die Gastronomie nicht gelockert werden.*

Brauerei-Vielfalt erhalten: Kunden sollten regionale Brauereien unterstützen

Rittmayer kritisiert zudem, dass die großen Industriebrauereien ihr Bier nun zu Kampfpreisen in die Supermärkte und zu Getränkehändlern liefern, um ihr Lager zu leeren. "Um die örtlichen, kleinen Brauereien zu unterstützen und um die Brauerei-Vielfalt zu erhalten, sollte man regionales Bier kaufen."

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Für Gastwirt und Kellerbetreiber Franz Roppelt aus Stiebarlimbach hat die eigene kleine Brauerei in der aktuellen Krise sogar etwas Gutes: "Ich profitiere jetzt davon, dass ich noch ein Einkommen durch die Brauerei und den Bierverkauf habe", sagt Roppelt. Seinen Haupterwerb im Jahr erzielt er durch seine Gaststätte im Winter und den Roppelt-Keller in den Sommermonaten. Sein Bierkeller muss derzeit allerdings geschlossen bleiben. "70 Prozent unseres Einkommens fehlt uns dadurch", erklärt der Gastwirt. Seine Beschäftigten musste er in Kurzarbeit schicken.

"Zum Glück ist die Brauerei ein weiteres Standbein", erläutert er. Zwar sei der eigene Ausschank und der Verkauf von Fässern derzeit praktisch "auf Null heruntergefahren". Dafür sei der Flaschenverkauf und der Absatz seines "Hausbrauer-Bieres" sogar etwas gestiegen. Kleinbrauereien wie seine würden vor allem durch die Stammkundschaft überleben.

*Anmerkung der Redaktion: Ab dem 18. Mai dürfen die Gaststätten in Bayern ihre Außenbereiche wieder öffnen. Der Artikel entstand, bevor am Dienstag (5. Mai 2020) Lockerungen verkündet wurden.