"Das ist unverantwortlich", schimpft Gerhard Raab. Er ist Leiter des Entsorgungszentrums der Landkreis-Deponie Gosberg. In Igensdorf hatte jetzt ein Unbekannter Chemikalien abgestellt - wohl, um sich die Entsorgungsgebühren für den Sondermüll zu sparen.
Raab hat das Gefahrenpotenzial, das von Sondermüll ausgehen kann, immer im Hinterkopf. Grundsätzlich sind sämtliche Sondermüllabfälle als gefährlich eingestuft. Dennoch wird zwischen den normalen Problemabfällen aus dem Haushalt und Laborchemikalien unterschieden.

Nach Angaben der Ebermannstadter Polizei handelt es sich im jüngsten Fall um Laborchemikalien. Glücklicherweise kommt die illegale Entsorgung von Sondermüll aber nur selten vor. "Zwei Anzeigen hatten wir 2015", erklärt Alexander Debes von der Polizei in Forchheim.

Kein weiterer Fall ist Rainer Penning von der Polizei in Ebermannstadt bekannt. Jedenfalls, was die unsachgemäßen Entsorgung von Sondermüll wie Chemikalien anbetrifft. Dass Hausmüll illegal abgelegt wird, komme dagegen immer wieder einmal vor. In 19 Fällen ermittelte die Forchheimer Polizei im vergangenen Jahr, 14 der Umweltsünder wurden auch ermittelt. Als Ordnungswidrigkeit wird dies vom Landratsamt Forchheim verfolgt. Die Entsorgung von Chemikalien jedoch gilt Straftatbestand und kann mit Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Das entscheidet dann das Gericht.


20 Tonnen im Jahr

Die Beamten der Polizei können in der Regel nicht beurteilen, wie viel aus den Kanistern ins Erdreich eindringen kann. Der größte Anteil an Problemabfällen fällt in die die Kategorie "Farben und Lösungsmittel." "20 Tonnen hatten wir davon insgesamt im vergangenen Jahr", sagt Raab. Dann gibt es noch die Spraydosen und Lacke oder ölhaltige Feststoffe.

Dies können ölgetränkte Putzmittel sein. Und dann gibt es die Gruppe der Laborchemikalien. Abgesehen von den Laborchemikalien kann jeder seine Problemabfälle in haushaltsüblichen Mengen kostenlos in der Deponie Gosberg oder beim Schadstoffmobil, das zwei bis drei Mal im Jahr die Gemeinden und Kommunen anfährt, abgeben. "Haushaltsüblich" bedeutet fünf Liter oder fünf Kilo. Bei Laborchemikalien ist die kostenlose Entsorgungsmenge geringer. Meist in kleinen Fläschchen sind diese Laborstoffe verpackt.

Bei mehr als zehn dieser Fläschchen wird die Entsorgung kostenpflichtig. In der Regel sind es Schulen, die damit experimentieren, Apotheken oder Hobbychemiker, die mit Laborstoffen zu tun haben. "Die Chemikalien müssen einzeln deklariert und in verschiedene Stoffgruppen unterteilt werden", informiert der Deponieleiter das weitere Vorgehen. Ob es sich um organische und anorganische Stoffen, um Säuren oder Laugen handelt, müssen die Mitarbeiter in Listen eintragen.

"Die Stoffe haben unterschiedliche Gefahrenpotenziale. Sind sie giftig, leicht brennbar oder krebserregend", zählt Raab auf. Dementsprechend müssen sie unterschiedlich behandelt werden. Die Mitarbeiter der Deponie müssen abschätzen, ob die Stoffe mit Wasser reagieren oder im getrockneten Zustand explosiv sind. Einfach ist diese Deklarierung nicht immer. "Zu einhundert Prozent weiß man nie, was drin ist", sagt Raab.

Ein Teil der Inhaltsstoffe kann mit Schnelltests ermittelt werden, informiert Raab. Aber es bleibt ein unbekannter Teil. Für eine Tonne dieser Laborchemikalien bezahlt das Landratsamt 2500 Euro für die Entsorgung. Der Bürger bezahlt ans Landratsamt 750 Euro pro Tonne, für zehn Kilo dieses Sondermülls also 7,50 Euro.
Anderer Sondermüll wie Farben und Lösungsmittel sind günstiger, kosten schätzungsweise 300 Euro pro Tonne. Trotzdem entsorgen manche Leute Sondermüll in der Restmülltonne - obwohl es dort Brände verursachen kann. Oder sie stellen den Sondermüll wie jetzt in Igensdorf irgendwo ab. In undichten oder rostigen Behältern können die Chemikalien bis ins Grundwasser dringen. Deshalb ist die haushaltsüblichen Mengen auch kostenfrei: "Damit dieser Müll nicht illegal entsorgt wird und großen Schaden anrichtet", sagt Raab.