Der erste Blick geht noch gen Himmel, der Zweite gleich auf das Smartphone. "Ich hab‘ hier jede Wetter-App drauf, die es gibt", sagt Franz Roppelt und zückt sein Telefon. Dass der Chef der Kult-Brauerei aus Stiebarlimbach mit der Zeit geht, hat die Sonne bislang noch nicht interessiert. Am Wochenende könnte sich das ändern.
"Am Sonntag soll es 20 Grad haben", sagt der Meister der kleinen Brauerei mit dem schön geschwungenen Schriftzug. Langsam nervt das Wetter auch den Roppelt Franz. Normalerweise bringt den 51-Jährigen so schnell nichts aus der Ruhe. "Aber alle jammern über´s Wetter und die Leute fragen schon die ganze Zeit: Wann macht ihr denn endlich den Keller auf?"

Ungeduldig sind die Keller-Fans wie beim In-der-Schlange-stehen am Bier-Ausschank. Dem Chef des Biergartens am Fuß des Kreuzberges geht es nicht anders. "Wir bereiten jetzt einfach mal alles vor." Und das ist nicht wenig.
Die Bierbänke müssen montiert, das Geschirr gespült und die Brotzeiten vorbereitet werden. Denn wenn der Roppelt am Sonntag seine grüne Bier-Fahne hisst, dann strömen die Durstigen aus Nah und Fern wie die Maikäfer unter die Bäume zwischen Spielplatz, Ausschank und Bratentheke.

Zur Not auch im Wintermantel

Keller ist eben Kult. Frisches Brot und frisches Bier in der Abendsonne mit dem kühlenden Hochwald im Rücken. Besser geht's kaum in Franken. Dabei gab es eine Zeit, da waren Keller "out". In den 70er Jahren haben sich die Menschen immer seltener auf ihre Keller gehockt. Erst in den 80er Jahren haben die Franken wieder ihre Keller rund um den Kreuzberg lieben und schätzen gelernt. "Heute hocken sich die Gäste zur Not auch im Wintermantel auf die Bänke." Früher hätten die Leute schon beim ersten Regentropfen das Weite gesucht. "Die Menschen wollen sich einfach in der freien Natur aufhalten und sind nicht mehr so empfindlich."

Der Keller als Freizeit-Location quasi. Die Menschen wollen die freie Natur ja auch genießen; nach dem anstrengenden Radeln, Cabriofahren und Wandern. Und viel schöner als beim Roppelt eine Leberwurst mit Gurke, Brot und Senf zu verputzen, geht's kaum. Und wenn, dann gleich nebenan. Wo? In und um Hallerndorf haben Sie die Qual der Wahl! "Der eine Keller profitiert vom anderen. Das ist wie mit den vielen Geschäften in der Fußgängerzone in der Stadt", findet Franz Roppelt und schraubt eine Bierbank für den bevorstehenden Ansturm fest. "Nicht, dass in der Zeitung steht: Der Roppelt hat gesagt, die Sonne scheint am Sonntag. Und dann regnet's."

Roppelt kann für's Wetter nichts

Für das Wetter kann der Roppelt nämlich nichts. Für das Bier schon. Aber das ist Geschmackssache. Viele Bierkeller-Touristen begnügen sich sowieso nicht nur mit einem Keller. Beim Lieberth in Hallerndorf kann man wunderschön auf die Aisch schauen. Beim Lunz in Willersdorf trifft man auch immer wen. Und in Schlammersdorf beim Witzgall hocken sowieso die Bierkenner par excellence.

Auf dem Kreuzberg ist es dagegen auch noch angenehm schattig, während sie woanders schon in der Sonne braten. Außerdem ist man dem lieben Gott ganz nah. Direkt unter der Kreuzberg-Kirche ist der Rittmayer-Keller. "Wir sind sowieso im Kellerhaus. Wenn das Wetter schön wird, wird der Ausschank und das Küchenfenster draußen geöffnet. Die Wetterfesten können sich freilich immer ins Freie setzen", sagt Dietmar Freund, der Rittmayer-Keller-Wirt.

Auch ein paar Meter weiter warten die Bierbänke auf Sonnenhungrige. "Wir haben immer offen. Aber über schönes Wetter freuen wir uns natürlich auch", sagt Luitgard Friedel-Winkelmann, die Wirtin vom Brauhaus am Kreuzberg.