Diese Wohnung macht was her. Eine schicke Galerie, eine gemütliche Dachterrasse und dann diese Lage: Wohnen mit Charme mitten in der Forchheimer Altstadt. "Um dieses Schmuckkästchen wird man Sie beneiden", schreibt Maklerin Martina Hübner in ihrer Annonce.

Die Traumwohnung hat allerdings einen kleinen Haken: "Die Preise in der Innenstadt sind gehoben", sagt die Maklerin. Die exklusive Bleibe in der Wiesent- straße kostet rund 1800 Euro pro Quadratmeter. Immerhin seien die Finanzierungskonditionen momentan günstig. "So relativieren sich die Preise", findet zumindest die Maklerin.
Das sei nur eine Erklärung für den aktuellen Preisanstieg im Immobilienmarkt, sagt Stephan Kippes, der Experte vom Immobilienverband Deutschland (IVD). Der starken Nachfrage stehe ein immer knapper werdendes Angebot gegenüber. Eine explosive Mischung.

 


Die Immobilienmarkt-Rakete
Wie eine Rakete seien die Immobilienpreise in den Himmel geschossen: 1. Stufe: Lehman-Pleite. 2. Stufe: Griechenland. 3. Stufe: die Euro-Krise.
Eine Frage heizt den Immobilien-Markt weiter an: "Wir wissen nicht, wie viel Stufen die Rakete hat", sagt Kippes. Bevor das Konto überquillt, kommen viele Menschen angesichts niedriger Zinsen und einer hohen Inflationsrate auf die gleiche Idee: Betongold.
Diese Erfahrung hat auch Heiner Kredel von der Volksbank Forchheim gemacht. Immer häufiger legen Kunden sogar Bargeld gegen Betongold auf den Tisch. "Im letzten Jahr wurden etwa ein Drittel der von uns vermittelten Immobilien komplett aus Barmitteln bezahlt. Ein klares Indiz für eine gewisse Angst, welche die Menschen umtreibt", sagt der Leiter des Privatkundengeschäfts. Besonders gesucht seien Wohnungen in der Innenstadt.

 

 


Je größer, desto besser

 


Der IVD-Experte weiß warum: "In Städten ist das Leerstands-Risiko gering." Dabei gilt: Je größer, desto besser. Die Menschen in Hamburg oder München können davon ein Lied singen. Das Preisniveau in den oberfränkischen Zentren steigt ebenso, wenn auch vergleichsweise moderat.

"Die Neubau-Wohnungen am Paradeplatz in Forchheim kosten 2900 Euro pro Quadratmeter", sagt Martina Hübner. Wem angesichts solcher Preise die Haare zu Berge stehen, der kann zum Trost nach Bamberg schauen. Hier sei die Situation zur Zeit noch angespannter, bestätigt die Maklerin weiter. Für den Quadratmeter auf der Erba-Insel beispielsweise würden derzeit 3600 Euro verlangt.

"Das ist nochmal eine Ecke teurer als in Forchheim."
Besonders Sanierungsprojekte seien für große und kleine Investoren interessant, weil etwa 70 Prozent des Kaufpreises vom Käufer von der Steuer abgesetzt werden kann. Der Bankberater warnt allerdings vor voreiligen Dollar-Zeichen in den Augen: "Der in Aussicht stehende Steuervorteil wird in machen Fällen durch ein hohes Preisniveau in diesem Segment relativiert", sagt Heiner Kredel.
Die steigenden Immobilienpreise und die damit verbundenen hohen Mietpreise sind längst zum Wahlkampfthema geworden. Die SPD geißelt die hohen Preise, will die Mieten deckeln und warnt vor "sozialer Segregation" wie in den französischen Vorstädten.

 

 

Staat (SPD) gegen Markt (FDP)
"Wir wollen den Sozialen Wohnungsbau wieder in den Vordergrund rücken", sagt Anette Kramme (MdB/SPD) und kündigt im nächsten Atemzug an, den Heizkostenzuschuss wieder einführen zu wollen. Außerdem fordert Kramme, dass Mieten nur noch alle vier Jahre um maximal 15 Prozent erhöht werden dürfen. Anders die FDP. Die Liberalen setzen in erster Linie auf den Markt und warnen vor weiteren Vorschriften. So erreiche man laut Sebastian Körber (MdB/FDP) nur, dass in Deutschland überhaupt niemand mehr Lust habe zu bauen. Schließlich müssten sich Immobilien-Investitionen auch lohnen. "Der beste Mieterschutz ist ausreichend bezahlbarer Wohnraum", rief Körber neulich im Bundestag der Opposition zu.
Wem die Preise in den Städten zu teuer sind, der muss in den Stadtrand ausweichen. Nicht jeder kann und will in einer Stadt-Villa wohnen.

Mehr Platz gibt es auf dem Land sowieso. Relativ günstig sind die Häuser in der Fränkischen Schweiz. Rund um Ebermannstadt kostet ein gutes gebrauchtes Häuschen rund 250 000 Euro, sagt die Maklerin. Man müsse allerdings ein bisschen Zeit bringen, um das passende Objekt zu finden. "Es ist schon so, dass der Markt ziemlich leergefegt ist momentan", sagt Martina Hübner.
Körber will Wohnraum durch Anreize dort schaffen, wo er gebraucht wird. Und Baupreise durch neue Verordnungen nicht in die Höhe treiben. Er kritisiert, dass die Bundesregierung laut über eine Verschärfung der Energieeinsparverordnun nach-denke. Das würde die Preise für Neubauten und damit für Mieten jetzt zur Unzeit in die Höhe treiben. Wichtig sei, dass die Mittelschicht den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen könne.