Beschwingt verließ Cordula Haderlein den kleinen Rathaussaal. Nicht ohne den Stadträten im Kulturausschuss noch ein Kompliment gemacht zu haben: "Schön, wie man in Forchheim Schule gestalten kann", lobte die Rektorin der Adalbert-Stifter-Schule (Ast). Haderlein hatte den Ausschuss am Montag mühelos davon überzeugt, dass die "Ast" ein ideales Terrain für ein Pilotprojekt des Kultusministerium bietet: Ab dem Schuljahr 2015/16 soll es in der Grundschule im Forchheimer Norden eine Offene Ganztagsschule geben.

Dabei handelt es sich um ein schulisches Betreuungsangebot, das sich an mindestens vier Tagen bis 16 Uhr an den Regelunterricht anschließt. Für Eltern ist dieses Angebot kostenlos.

Cordula Haderlein hatte im Kulturausschuss für die Pilotphase geworben, weil die "Ast" trotz der hohen staatlichen Zuschüsse von 33700 Euro pro Gruppe auf die Unterstützung der Kommune angewiesen ist. Zwei Gruppen mit je 25 Kindern soll es geben. Die Stadt wird je 5000 Euro "kofinanzieren".

In der Inklusion engagiert

Unter diesen Voraussetzungen sei es möglich, "qualifiziertes Personal" anzustellen, sagte die Schulleiterin. Nötig sei das auch deshalb, weil die "Ast" neben einem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund stark in der Inklusion behinderter Schulkinder engagiert sei.

Ob ein pädagogisches Fachpersonal in der Mittagsbetreuung unbedingt notwendig sei, fragte Manfred Hümmer (FW). "Ich möchte eine gute Schule haben, also auch ein gutes Personal", sagte Haderlein. Das Fachpersonal in der Mittagsbetreuung mache "einen großen Unterschied im Umgang und bei der Anleitung der Schüler" aus.
Die offene Ganztagesschule ermögliche eine "Nachmittagsbetreuung auf höherem Niveau", sagte Lisa Hoffman. Und ihre SPD-Mitstreiterin Anita Kern hob hervor, dass mit diesem Projekt "die Ungleichheit zwischen Mittel- und Grundschulen überwunden" werde. Kritisch merkte Kern jedoch an, dass in Bayern fast nur noch mit Pilotprojekten gearbeitet werde.

Diesen Mangel an Struktur könnte man auch positiv als Fortschritt und Flexibilität auslegen, meinte dagegen Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO).

Das Stadtoberhaupt entdeckte allerdings auch einen "Wermutstropfen". "Ich verstehe nicht, dass wir 5000 Euro pro Gruppe zahlen", sagte Stumpf. Mit dieser Forderung wälze der Freistaat eigene Aufgaben auf die Kommune ab.