Das "Schäuferla-to-go" hat sich im zweiten Corona-Lockdown längst bewährt. Um nicht komplett schließen zu müssen, setzen vor allem Gastronomen auf einen Liefer- und Abholservice. Doch die Forchheimer Einzelhändler blieben dabei bisher auf der Strecke.

Was während des ersten Lockdowns im Frühjahr noch erlaubt war, hatte der Freistaat Bayern zum zweiten Lockdown verboten: Dass Kunden bei Einzelhändlern Ware telefonisch oder online bestellen und dann im Laden unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen abholen. Ab Montag (11. Januar) soll das nun auch wieder in Bayern erlaubt sein.

"Überlebenswichtig"

"Das ist überlebenswichtig für uns", sagt Uwe Loos, Inhaber des Forchheimer Näh- und Wollladens in der Hauptstraße. Am Mittwochabend habe man auf der Facebookseite des Ladens verkündet, dass wieder abgeholt werden darf - seitdem stehe das Telefon nicht mehr still. Denn die Nachfrage nach Näh- und Wollartikeln sei im Lockdown groß.

Bisher habe der Laden einen Lieferservice angeboten. Doch der werde wesentlich weniger angenommen. Damit es für das Geschäft rentabel bleibt, werde ein Mindestbestellwert und eine Kilometer-Liefergrenze berechnet. Zusätzlich müssen die Lieferungen noch koordiniert werden.

Mit dem sogenannten Click and Collect, also eine Onlinebestellung im Einzelhandel vor Ort abholen, funktioniere es viel einfacher, schneller und kostensparender. "Für uns ist das ein großer Pluspunkt", sagt Loos. Die Bestellungen der Kunden nehmen die Mitarbeiter per E-Mail oder Telefon an.

Dann wird ein Abholtermin vereinbart, der Kunde kann an das Ladenfenster klopfen, die Ware wird kontaktlos übergeben. Damit es nicht zu Menschenansammlungen vor dem Laden kommt, werden die Termine einzeln vergeben, sagt der Inhaber. Die Inspirationen für ihre Bestellungen holen sich die Kunden aus dem Onlineshop des Ladens. Telefonisch oder per Mail können dann noch Fragen gestellt oder beraten werden.

Wie wichtig der Abholservice für die Forchheimer Händler ist, weiß auch Petra Dietzel, Inhaberin von La Boutique in der Wiesentstraße und Vorsitzende des Händlervereins HeimFOrteil. "Das ist mega wichtig für uns und es ist nicht nachvollziehbar, warum es bisher nicht erlaubt war", sagt Dietzel. Neben dem Lieferservice möchte auch sie ab Montag ihren Kunden wieder eine kontaktlose Abholung der Waren anbieten.

Soziale Medien werden zum Schaufenster

Was es während des Lockdowns überhaupt zu kaufen gibt, können ihre Kundinnen im Schaufenster oder über die sozialen Medien erfahren. Besonders über ihre sozialen Netzwerke, wie Instagram, bewirbt sie die Kleidungsstücke aus ihrem Laden. "So kann ich Waren im Sale oder die neue Kollektion vorstellen", sagt sie. Weil viele ihrer Kundinnen nicht mehr zur jüngsten Zielgruppe gehören, verschickt Dietzel bei Bedarf auch Fotos oder Videos per WhatsApp oder E-Mail. "Da gibt es mittlerweile Gott sei Dank ja genug Möglichkeiten", sagt sie.

Dass eine Internetseite oder Präsenz in den sozialen Netzwerken für die lokalen Einzelhändler wichtig ist, habe sich gerade durch die Corona-Krise bestätigt. Bei vielen Forchheimer Händlern habe mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. Über den Verein HeimFOrteil habe man den Mitgliedern ein Social-Media-Coaching angeboten, bei dem den Händlern erklärt wurde, wie sie sich richtig auf Instagram präsentieren, was in den sozialen Medien wichtig ist.

Laut einer Digitalanalyse, die die Forchheimer Kommunikationsexpertin Annika Leopold Anfang 2020 für die Stadt Forchheim vorgestellt hat, hatten vor der Corona-Krise 41 Prozent der insgesamt 185 analysierten Forchheimer Händler keine eigene Internetseite (Stand: November 2019). Gut vertretene Branchen waren laut Studie Gastronomie, Friseure und Modegeschäfte.

Kommentar von Franziska Rieger: David gegen Goliath

Während der Versandriese mit dem großen Lächeln im Logo wegen der Corona-Krise satte Gewinne einfährt, leiden die Einzelhändler in unseren Innenstädten. Gebeutelt genug mussten sie auch noch auf ihre wichtigste Lockdown-Einnahme verzichten: Das Geschäft mit dem Abholservice. Das ändert sich ab Montag wieder. Jetzt liegt es an uns, den Verbrauchern, dieses Angebot auch anzunehmen und das neue Lieblingsbuch oder die Babyrassel lieber über den lokalen Einzelhändler statt den großen Versandriesen zu bestellen.