Selten war eine Baiersdorfer Stadtratssitzung mit soviel Emotionen geschwängert wie diese Sondersitzung. Viele Ratsmitglieder fühlten sich durch das Vorgehen der Firma Edeka bedrängt, deren Planungsfehler - so es denn solche gewesen sind - durch ein neues Bebauungsplanverfahren auszubügeln.

Es gibt einen Bebauungsplan und einen genehmigten Bauplan zur Erweiterung des Supermarkts. Darin sind vor allem Abstände und Höhen des Gebäudes festgelegt, die die angrenzenden Häuser vor Schattenwurf schützen sollen. Doch Edeka baute anders, so dass das Landratsamt einen Baustopp verhängte.

Die Firma reichte einen Tekturplan ein, baute aber gleichzeitig die zu hohe Nordostecke des Marktes zurück. In der letzten Ratssitzung gab die Stadt dem Bauwerber mit, vor Eintritt in ein Bebauungsplanänderungsverfahren nochmals das Gespräch mit den Nachbarn zu suchen.
Das ist nach den Angaben der Nachbarn, die wie Vertreter von Edeka anwesend waren, nicht der Fall gewesen. Vielmehr deutete Norbert Siewertsen (FW) die Firmenargumentation als "in hämischer Weise dargelegt, dass deren Beteiligung gar nicht nötig ist".

Auch CSU-Sprecherin Dorothea Neubauer stieß das sauer auf und ebenso bei der SPD Jürgen Ries. Ihn störte vor allem, dass der Auslöser die Firma selbst war.

Die Nachbarn wiesen daraufhin, dass abweichend vom genehmigten Plan an der Nordwand vier große Rohre gebaut sind, eine doppelte Revisonstüre, Fenster und eine Personaltüre, die die vorgeschriebene Lärmeinhausung unterbrechen, also ihre Rechte tangiert seien. Der Rechtvertreter von Edeka wehrte sich damit: "Wir werfen uns nicht vor die Füße der Nachbarn."

"Ich fühle mich durch das Schreiben (Anm. der Red.: der Anwaltskanzlei an die Stadt) erpresst", reagierte Neubauer heftig und fand mehrere Ratskollegen, die sich am Tonfall der Korrespondenz stießen. Bürgermeister Andreas Galster (CSU) versuchte zu bremsen: "Wenn wir gar nichts tun und keine Änderungsverfahren einleiten, entscheidet das Landratsamt, ob unser Einvernehmen ersetzt wird." Ihn störte, dass gerade die Ratsgruppen, die den Erhalt des Marktes zum Wahlkampfthema gemacht hatten, nun so ablehnend reagierten.

"Jetzt ist das ein Prozedere, das länger als vier bis sechs Wochen dauert", konterte Ries den Einwand des Anwalts, die Firma habe inzwischen Verluste von mehr als 200 000 Euro. Jan Voit (FW) stellte den Antrag auf Ende der Debatte und anschließend stimmte der Rat mit 15:3 Stimmen gegen die Einleitung eines Änderungsverfahrens.