Die ersten wirklich warmen Tage und schon ist Hochbetrieb am Ausee in der Baierdorfer Regnitzaue. Auch abends gegen 20 Uhr gehen und kommen Leute vom Parkplatz zum Gewässer. Die meisten genießen das kühle Nass und nutzen zum Einstieg die schmalen Einschnitte in der Graskante.

Das tun auch drei junge Männer. Ob sie wissen, dass sie nicht einen von Menschen, sondern von der ansässigen Biberfamilie geschaffenen Zugang nutzen?

Wer es weiß und Biberspuren kennt, sieht überall auf dem weitläufigen Gelände mit Büschen und Bäumen die mehr nächtlichen Aktivitäten des größten Nagers: die vielen Biberrutschen, wie die Einstiege genannt werden; Verbisspuren an Gehölzen oder zumindest die Drahtummantelungen, die die Stadt zum Schutz der Bäume hat anbringen lassen.

Biber lieben steile Ufer

Im Nordwesten des Ausees errichteten die Biber ihren Bau. Wahrscheinlich, weil dort der See relativ steil abfällt und so gute Ausgänge ins Wasser zu graben waren. Von oben sieht die Biberburg wie ein großer Reisighaufen aus.

Im Westen des Badegeländes verläuft ein Graben, an seinem gegenüberliegenden Ufer steht ein lockeres Auswäldchen. Das gehört eindeutig der Biberfamilie und ihrer Meinung nach auch der Bach. Erst vor Kurzem versuchten, die Nager ihn aufzustauen. Das gelang ihnen so gut, dass zurückliegende Wiesen etwas zu feucht wurden. Deshalb griff die Stadt ein und ließ den Biberdamm ein Stück breit durchbrechen. Die Stadt hat eine Absprache mit den Landwirten, dass sie die großen Bewässerungsgräben im Regnitztal instandhält.

"Einen richtigen Schaden durch den Biber hatten wir noch nie", erklärt Geschäftsleiter Klaus Hutzler. Der frühere Bauhofmitarbeiter Rudolf Kukulla schaut nach dem Rechten. Seit drei Jahren etwa muss er auch ein Auge auf die nächtlichen Aktionen der Biber haben. Kukulla achtet besonders auch auf die Standsicherheit der wie mit einem Beil eingekerbten Bäume. Eine Weide auf der südlichen Liegewiese hat der Biber kürzlich bearbeitet.

Stadtrat Jürgen Maiss, der öfter zum Biber beobachten an Au- und Angersee geht, hat das in der Ratssitzung vor zwei Wochen berichtet. "Wir haben den Baum angeschaut, er ist nicht einsturzgefährdet", gab Hutzler Entwarnung. Unweit des Baums sitzen Angler am Ufer. "Den Biber haben wir schon oft gesehen. Unser Kollege behauptet, er habe ihn in seinem Bau auch schon schnarchen gehört", erklären sie bereitwillig. Vier Biber sind es ihrer Beobachtung nach in diesem Jahr. "Wären Sie fünf Minuten früher gekommen", sagt Nicolas Schorr. "Ein Biber hat hier gleich bei uns gefressen."

Und zum Beweis zieht er sein Handy aus der Tasche. Und er zeigt auch die Stelle der Aufnahme. Eindeutig ganz frisch plattgedrücktes Gras an der breiten Biberrutsche. Die Stelle ist zwar durch Gebüsch ziemlich abgrenzt, aber keine 50 Meter vom geschäftigen Fußweg entfernt.

Nicht auszuschließen ist sogar, dass der Biber wegen der Lauferei bei seinem Platz nur kurz mal ins Wasser eingetaucht ist. Denn unter einem überhängenden Baum sind große Wellenkreise zu sehen, die nicht identisch sind mit den Schwimmspuren der Blässhühner, die ihre Bahnen ziehen.

Falls sich jemand Sorgen macht, dass der sommerliche Badebetrieb die Tiere vertreiben wird, kann entspannen: Man kommt schon drei Jahre gut miteinander aus. Und die erste Nachwuchsgeneration ist schon aus dem Bau ausgezogen.

Richtung Süden vermutlich, denn bei der Baiersdorfer Mühle hat sich die nächste Biberfamilie niedergelassen. "Damit hat Baiersdorf drei Biberstellen in seinem Stadtgebiet", bestätigt Hannah Reuter, Pressesprecherin des Landratsamts.

Die Untere Naturschutzbehörde befürchtet keine Schäden für Land- oder Teichwirte, wie sie gelegentlich im Aischgrund vorkommt, wo die Biber schon länger wieder zuhause sind.