"Er ist ein Höhepunkt in der Region für Brenner, Brauer, Tourismus und Landwirtschaft, ein Aushängeschild nach außen!" So nannte Landrat Hermann Ulm (CSU) auf seinem Rundgang treffend den Tag der offenen Brennereien. 14 Brenner und drei Brauer zwischen Gosberg, Thuisbrunn und Pretzfeld hatten unter dem Schirm des Tourismusvereins "Rund ums Walberla" am Wochenende dazu eingeladen.
Besucher aus ganz Deutschland und darüber hinaus fanden ihren Weg hierher. Sie wanderten in Gruppen von Ort zu Ort. Das Angebot wird über die Jahre immer variabler und breiter. Längst konzentriert sich die Produktpalette nicht mehr allein auf Brennerei und Brauerei, sondern auch auf ländliche Produkte wie Obst, Kartoffeln und Kürbisse in der Direktvermarktung.

Rund 40 Apfelsorten

So präsentierte der Bioland-Hof Schmidt in Mittelehrenbach eine lange Reihe von 35 bis 40 Sorten von
Äpfeln, sowohl aus Streuobst-, als auch aus Intensiv-Obstbeständen. Nicht alle Sorten, so ergänzt der Landwirt, stammten direkt von seinem Hof, aber immerhin aus einem Umkreis von rund drei Kilometern. Also regionale Erzeugnisse.
Nicht um Verkauf geht es ihm an diesem Tag bei den Apfelsorten. Es steht die Information im Vordergrund. Die Besucher sollen einen Vergleich haben. Christine Ziermann reiste aus Unterfranken an und hält prüfend einen Apfel in der Hand. Sie bewundert die Vielfalt. "Gut, dass die Qualität des Streuobsts und das Alte wieder entdeckt werden. Da tauchen wieder Sorten auf, die selbst Spezialisten schon vergessen hatten", sagt sie. Sie ist im fünften Jahr hier. Ihre Begeisterung ist ungebrochen. Willibald Schmidt kennt sein Ost, entwickelt daraus edle Brände. Etwa 50 Prozent erlöst er aus dem Direktverkauf der Äpfel.

Heuer gibt es eine Rekord-Ernte

Neugierig drängen sich die Besucher auf den Hof, machen die Straßen Mittelehrenbachs zur Fußgängerzone. Mit dem Waldenhof und der Brennerei Reinhard Singer haben zwei weitere Anbieter ihre Pforten geöffnet. Überall gibt es edle flüssige Geister; und natürlich den klassischen Apfelsekt Charlemagner. Auch auf dem Feesenhof in Weingarts drängen sich die Besucher. Die Apfelernte schlägt dieses Jahr, sowohl was Qualität wie Menge angeht, viele Rekorde. Die Versuchstheke ist gut besucht, findet neue Kunden. Landwirt Georg Beutner schätzt, dass sein Obst zu etwa einem Drittel in der Brennerei verarbeitet wird. Zwei Drittel finden Direktabnehmer. Dennoch ist, so Beutner, die Brennerei eine nicht zu verzichtende Größe. In diesem Zusammenhang spiele der Nahbereich Erlangen/Nürnberg für die Direktvermarkter eine bedeutende Rolle. Abseits dieser wirtschaftlichen Betrachtungen genießen die Besucher einfach diesen wunderschönen Herbsttag. So wie Hendrik aus Köln, der mit Freunden aus Nürnberg zum ersten Mal hier ist. "Ich wünschte mir, es gäbe so etwas auch bei uns. Fränkisches Landleben und die Fränkische Schweiz sind halt etwas Besonderes", bekennt er voller Bewunderung.
So ist der Tag der Brennereien ein Selbstläufer, ein Magnet weit über die Grenzen Frankens hinaus. Oder, wie es Landrat Ulm nüchtern formulierte: "Eine erfolgreiche zentrale Aktion, regionale Produkte nach außen bekannt zu machen".