In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zündeten Nationalsozialisten Synagogen an, verfolgten, verprügelten und töteten Menschen - auch in Forchheim. Darüber hinaus wurden vor 85 Jahren die "Rassengesetze" eingeführt. Um die Geschehnisse im Dritten Reich nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und sich auch heute, in einer Zeit des zunehmenden Rechtspopulismus und Rassismus, zu positionieren, veranstaltete das Bündnis "Bunt statt Braun" am Synagogendenkmal in der Forchheimer Wiesentstraße eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus.

Gedenken im kleinen Rahmen

Wegen der geltenden Corona-Auflagen hatte man die Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen 1938 nur im kleinen Rahmen geplant, verriet Emmerich Huber aus dem Vorstand von "Bunt statt Braun". Im Vorfeld habe man kaum über die Veranstaltung informiert, deswegen rechnete man auch nur mit etwa 20 internen Teilnehmern. Gänzlich auf die Veranstaltung verzichten wollte man aber nicht. "Es gibt ein Virus, das noch gefährlicher ist als das Coronavirus. Ein Virus, das Millionen Menschen das Leben gekostet und viele Jahrhunderte begleitet und verdunkelt hat", betonte Günter Pierdzig. Damit bezog er sich auf "das Virus R", den Rassismus und rassistischen Antisemitismus, der im NS-Staat massenhaft produziert und genutzt wurde. Mit dem "Reichsbürgergesetz" stuften die Nationalsozialisten 1935 Juden als Staatsangehörige zweiter Klasse ohne politische Rechte ab. Durch das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" wurden zudem Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden unter Strafe gestellt.

Neue Dimension der Judenfeindlichkeit

Die volle Gewaltbereitschaft und Zerstörungswut der Nationalsozialisten offenbarte sich auch in Forchheim in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in einer neuen Dimension. Straße für Straße plünderte eine immer größer werdende Meute jüdische Wohnungen und Kaufhäuser; jüdische Mitmenschen wurden misshandelt und verhaftet. An der Synagoge in der Wiesentstraße angekommen, scheiterte der Versuch, das Bauwerk in Brand zu stecken, zunächst. Am Folgetag wurde nach der nächtlichen Schändung dann die Sprengung der Synagoge veranlasst. Jüdische Männer wurden zum Abtransport des Schutts gezwungen, bevor sie nach Dachau deportiert wurden, berichtete Atila Karabag.

Erinnern besonders notwendig

Das Erinnern an derartige Ausschreitungen sei vor dem Hintergrund rassistisch motivier Gewalttaten der letzten Jahre besonders notwendig. Denn auch nach 1945 seien Antisemitismus und Rassismus nicht aus den Köpfen verschwunden. In den letzten Jahren sei durch den zunehmenden Rechtspopulismus nur "das, was nie weg war, sichtbar und vor allem auch sagbar geworden", meinte Pierdizig. Wichtig sei es, sich zu erinnern, dass Rassismus und rassistischer Antisemitismus nicht "die Geschichte der anderen" seien, sondern auch Teil des eigenen Alltags, gegen den man sich aktiv positionieren müsse. Einen ähnlichen Standpunkt vertrat Claus Friedrich, der als einer der wenigen Anwesenden als Privatperson an der Veranstaltung teilnahm. "Es ist eben nicht egal, was passiert ist", betonte der bekennende Christ, der antirassistisches Handeln in der Gegenwart als Teil seines Glaubens auffasst.

ür die Stadt Forchheim legten in aller Stille Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) und Bürgermeister Udo Schönfelder (CSU) einen Kranz an der Gedenktafel für die ehemalige Synagoge in der Wiesentstraße nieder.