Der Trend zur Urne wächst - und mit ihm der ungenutzte Platz auf den sechs Forchheimer Friedhöfen. Die Gräberfelder werden zum Problemfeld: Denn die Gebühren orientieren sich an der Gesamtfläche eines Friedhofes und sie werden auf immer weniger Bürger umgelegt, die eine Erdbestattung wollen.

Daher hat CSU-Stadtrat Udo Schönfelder jüngst vorgeschlagen, über eine Verkleinerung der Friedhöfe nachzudenken. Solange die Gebühren steigen, werden immer Menschen so reagieren wie Josef Vesely. Als 1983 seine Frau gestorben war, hatte er in Buckenhofen ein Grab beantragt. Damals musste er, obwohl es ein Doppelgrab war, Gebühren für nur eine Grabstelle entrichten. Dann änderte die Stadt die Satzung und Josef Vesely musste Gebühren für die gesamte Grabstelle bezahlen, obwohl weiterhin nur die Hälfte genutzt war. Als dann vor zwei Jahren die Liegezeiten von 15 auf 25 Jahre erhöht wurden, überlegte der Bürger aus Buckenhofen, was er bereit war, dafür auszugeben. "Ich hatte mit rund 2000 Euro gerechnet. Doch sie haben über 4000 Euro verlangt. Das Grab hab ich dann offen gelassen."

Raimund Kupfer kennt viele Bürger, die ihre Gräber offen lassen, weil ihnen die Gebühren-Rechnung über den Hals wächst. Kupfer hatte vor zwei Jahren Fehler in der Kostenrechnung für die Forchheimer Friedhöfe entdeckt; und hatte sich dann an die Spitze einer Interessengemeinschaft gesetzt, um für 2000 Bürger einen erfolgreichen Gebührenstreit durchzufechten. Am Ende musste die Stadt über 200 000 Euro "Gebührensenkung" zurückzahlen.

Das ändere nichts daran, dass die Zahl der Urnenbestattungen "gewaltig gestiegen" ist , sagt Kupfer. Wohl auch deshalb, weil die Stadt früher die Kosten für die nicht belegten Gräber selbst übernommen habe. "Jetzt werden sie von den Nutzern des Friedhofes mitbezahlt."

12 800 Grabstellen gibt es in Forchheim, weiß Kupfer, "davon sind 1200 Stellen mit rund 2000 Gräbern nicht belegt." Damit die Friedhofskosten den Bürger nicht überfordern, schlägt Raimund Kupfer vor, die Grünfläche anders zu bearbeiten: "Das steht dem Stadtrat frei. Er müsste sich nur entscheiden, die Grünflächen großzügiger anzulegen. Damit würden die Bürger viel Geld sparen."


Tag der Offenen Tür am 26. April

Herbert Fuchs, der das Amt für öffentliches Grün leitet, hält die Kritik an den Gebühren für übertrieben: 1000 Euro für 25 Jahre Liegezeit, das sei beileibe nicht zu viel: "Man muss sich vorstellen, was daranhängt. Für dieses Geld stellen wir viel zur Verfügung: geschnittene Hecken, Parkplätze, den Abtransport von Laub und Müll, die Pflege der Wege, das kostenlose Wasser." Am 26. April werde ein Tag der Offenen Tür veranstaltet, um den Bürgern auch mal zu zeigen, "welche Logistik" hinter den Friedhöfen stecke.

Herbert Fuchs sieht die offen gelassenen Gräber weniger in Zusammenhang mit den Gebühren. Ihm würden immer wieder solche Geschichten zugetragen: Ein Großvater lässt sich nicht in der Erde bestatten, weil er seinen Enkeln nicht zumuten will, die nächsten 25 Jahre das Grab zu pflegen.

Von den 350 Forchheimer Beerdigungen im Jahr sind nur noch knapp die Hälfte Erdbestattung. Die Einstellung zur Grabkultur habe sich geändert. "Die Bereitschaft, sich der Grabpflege zu verpflichten, ist einfach nicht mehr so hoch", beobachtet Herbert Fuchs. Daher, glaubt Raimund Kupfer, werde das "Monopol des Benutzerzwanges" in absehbarer Zeit fallen. Das Bremer Modell mit der Möglichkeit, Asche im eigenen Garten zu verstreuen, sei der Anfang. Er hoffe schon länger, "dass jemand in Bayern mal klagt", sagt Kupfer.

Und auch Josef Vesely spricht vom Vorbild Bremen: "Ich versteh' nicht, warum das bei uns so teuer sein soll." Mittlerweile hat sich Josef Vesely innerlich von der klassischen Trauerform entfernt: "Um meiner Frau zu gedenken, muss ich auf keinen Friedhof gehen. Der Friedhof gibt mir nix." Er könne Menschen verstehen, die sich eine "schöne Urne wie eine Vase auf den Schrank stellen".