Zelltherapie aus Erlangen bringt kranker Maulia Hoffnung
Autor: Redaktion
Erlangen, Mittwoch, 04. März 2026
Maulia leidet an stark einschränkenden Symptomen. In Erlangen darf sie an einer neuen Behandlung teilnehmen.
Als eines von wenigen Zentren in Deutschland darf die Medizinische Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Uniklinikums Erlangen CAR-T-Zellen herstellen. Diese spezielle Immuntherapie wird bislang vor allem bei bestimmten Blut- und Lymphdrüsenkrebserkrankungen eingesetzt.
Seit einigen Jahren erproben Fachärztinnen und -ärzte die CAR-T-Zell-Therapie jedoch auch in klinischen Studien für solide Tumoren wie Brust-, Hoden- oder Eierstockkrebs sowie bei schweren Autoimmunerkrankungen. Kürzlich erhielt Maulia F. aus München, die an einer entzündlichen Muskelerkrankung mit Beteiligung der Haut und Lunge leidet, die 100. CAR-T-Zell-Infusion aus Erlanger Herstellung.
Innerhalb von sechs Monaten verschlechterte sich der Zustand der 41-Jährigen drastisch. Seit Sommer 2025 war sie ständig sehr müde, bekam Schmerzen in der Brust und einen auffälligen Hautausschlag – im Gesicht, am Rücken, an Knien und Ellenbogen. "Auch an den Händen bekam ich diese rötlichen Papeln und Risse in der Haut", sagt sie. In München führte sie ihr Weg von der Kardiologie über die Dermatologie zur Rheumatologie. "Als ich die Diagnose amyopathische Dermatomyositis bekam, war ich zuerst froh, dass es kein Lupus war", erinnert sie sich.
Doch dann wurde ihr klar, dass sie an einer seltenen, schweren Autoimmunerkrankung leidet, die neben der Haut auch die Muskeln und besonders die Lunge angreift. "Ich habe Atemnot und Reizhusten, kann nicht mehr als drei Treppenstufen gehen, ohne Pause zu machen. Schon Anziehen oder Zähneputzen strengt mich an", schildert Maulia F. In den letzten Monaten hat sich ihre Lungenfunktion deutlich verschlechtert. "Ich kann nicht mehr schlafen und wenn, dann meist nur im Sitzen – im Liegen habe ich Panik, keine Luft zu bekommen." Die Muskeln sind schwach und schmerzen, die Hände steif und ohne Kraft. Verschiedene Medikamente konnten das Immunsystem nicht beruhigen.
Die CASTLE-Studie machte neue Hoffnung. Erst im Januar 2026 veröffentlichte ein Forschungsteam um Prof. Dr. Andreas Mackensen und Prof. Dr. med. univ. Georg Schett Ergebnisse der weltweit größten Studie zur Wirksamkeit von CAR-T-Zellen bei Autoimmunerkrankungen. Insgesamt erhielten 24 Patientinnen und Patienten CAR-T-Zellen – mit dem Ergebnis, dass alle therapie- und krankheitsfrei wurden. Die meisten von ihnen blieben auch ein Jahr nach der Behandlung beschwerdefrei. Das Protokoll wurde nun erweitert, um die Wirkung unterschiedlicher Chemotherapie-Dosierungen zu untersuchen. Maulia F. wurde in das neue Studienprogramm aufgenommen. "Ich bin froh, dass die Ärztinnen und Ärzte in Erlangen mir etwas anbieten können. Es ist eine Behandlung, die so neu ist, dass andere Kliniken da sehr zurückhaltend waren. Bei ihnen sollte ich einfach weiter die Standardtherapie bekommen", erzählt sie.
Die CAR-T-Zellen werden in Erlangen direkt im eigenen Labor produziert. "Wir gehörten zu den ersten universitären Zentren in Deutschland, die eine Herstellungserlaubnis für CAR-T-Zellen erhalten haben", betont PD Dr. Michael Aigner. Schon vor der ersten Behandlung waren jahrelange Vorarbeiten und größere finanzielle Investitionen nötig. Die Produktion ist mit hohem Kosten- und Personalaufwand verbunden. "Wir arbeiten nach strengen Sicherheits- und Hygienestandards. Jedes CAR-T-Zell-Produkt entsteht nach dem Vieraugenprinzip und alle Schritte werden laufend dokumentiert. Wir sind uns unserer Verantwortung, die wir mit unserer Arbeit für die Patientinnen und Patienten haben, sehr bewusst", sagt Dr. Sascha Kretschmann. Ein Vorteil am Standort Erlangen: Die Nähe zwischen Labor und Klinik sorgt dafür, dass Patientinnen und Patienten ihr Medikament schon nach zwei Wochen erhalten – während bei kommerziellen Angeboten aus dem Ausland oft vier bis sechs Wochen Wartezeit entstehen.
Seit Juli 2019 stellt das Team der Medizin 5 CAR-T-Zell-Präparate her. Ab 2020 wurden auch andere Studienzentren in Deutschland beliefert. 2021 erfolgte die weltweit erste CAR-T-Zell-Gabe bei einer Autoimmunkrankheit, ebenfalls in Eigenherstellung. Aktuell profitieren dort nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder mit Autoimmunkrankheiten oder Darmleiden. Zudem werden in Studien CAR-T-Zell-Produkte für solide Tumoren – etwa bei Brustkrebs oder Sarkomen – getestet. Bis März 2026 erhielten in Erlangen 55 Menschen mit Autoimmun- und 45 mit Krebserkrankungen diese neuartige Zelltherapie.