Die internationale Fachzeitschrift „Cancers“ verlieh 2021 erstmals einen Preis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die mit ihrer Doktorarbeit einen besonderen Beitrag zu neuen Kenntnissen auf dem Gebiet der Onkologie geleistet haben. Der erste Preisträger des „Cancers Ph.D. Thesis Award“ ist der Erlanger Naturwissenschaftler Dr. Michael Rückert, wie das Universitätsklinikum Erlangen berichtet. Der 32-Jährige arbeitet in der Translationalen Strahlenbiologie (Leiter: Prof. Dr. Udo Gaipl) in der Strahlenklinik (Direktor: Prof. Dr. Rainer Fietkau) des Universitätsklinikums Erlangen und erstellte dort auch seine Dissertation über immunologische Grundlagen von Kombinationstherapien bestehend aus Strahlentherapie und Immuntherapien.

In seltenen Fällen lässt sich beobachten, dass sich nach lokaler Bestrahlung eines Tumors Metastasen in anderen Körperteilen – die sich außerhalb des Bestrahlungsfeldes befanden – spontan zurückbilden. Dieser sogenannte abskopale Effekt der Strahlentherapie kann heute auf eine Immunantwort der Patientin bzw. des Patienten gegen den Krebs zurückgeführt werden. Dabei wird das Immunsystem von Tumorzellen aktiviert, die durch die ionisierende Strahlung abgetötet und verändert wurden. Dr. Michael Rückert erforscht die immunologischen Grundlagen dieser Vorgänge. Unter anderem untersucht der Nachwuchswissenschaftler, wie mit zusätzlichen Immuntherapien sowohl das Immunsystem weiter stimuliert als auch der Unterdrückung des Immunsystems durch den Tumor entgegengewirkt werden kann, um abskopale Effekte häufiger und gezielter hervorrufen zu können.

In seiner Doktorarbeit „Immunological Basis of Abscopal Antitumor Responses Induced by Combination of Distinct Radiotherapy Fractionation Schedules with Autologous Tumor Vaccines and Checkpoint Inhibition” ging es hauptsächlich um die Entwicklung eines Tumorimpfstoffs, bei dem Tumorzellen mit hydrostatischem Hochdruck inaktiviert werden, um sie so gefahrlos als Vakzin zur Aktivierung von Immunzellen verabreichen zu können. Dieses Verfahren wurde in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Prozessmaschinen und Anlagentechnik (Leiter: Prof. Dr. Eberhard Schlücker) der FAU Erlangen-Nürnberg entwickelt und erwies sich vor allem in Kombination mit Strahlentherapie als vielversprechend. Außerdem stellte sich heraus, dass die Strahlentherapie die Einwanderung von unterschiedlichen Immunzellen in den Tumor stark beeinflusst und dass abskopale Effekte von der Fraktionierung der Strahlentherapie abhängig sind. Des Weiteren beobachtete Michael Rückert, dass positive Anti-Tumor-Effekte durch Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die eine vom Tumor ausgehende Immununterdrückung abschwächen, verstärkt werden können. „Mit seiner Arbeit hat Dr. Rückert eine wichtige Basis geschaffen, um multimodale Tumortherapien für Patientinnen und Patienten weiter zu optimieren“, erläutert Doktorvater Prof. Dr Udo Gaipl. „Das Ziel ist eine starke und spezifische Aktivierung des Immunsystems gegen den Tumor.“

Über den Cancers Ph.D. Thesis Award

Mit dem Cancers Ph.D. Thesis Award zeichnet die vom MDPI (Multidisciplinary Digital Publishing Institute) herausgegebene Fachzeitschrift „Cancers“ (Chefredakteur: Prof. Dr. Samuel Mok) nun jährlich eine Studentin bzw. einen Studenten aus, die bzw. der in den vergangenen zwölf Monaten die beste Doktorarbeit verfasst und den herausragendsten Beitrag zu den wissenschaftlichen und/oder technologischen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Onkologie geleistet hat.