Uniklinik Erlangen: Autoimmunerkrankungen nur mit einer Infusion stoppen
Autor: Redaktion
Erlangen, Donnerstag, 15. Januar 2026
Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder Sklerose erschweren vielen Menschen das Leben. Neue medizinische Forschung aus Erlangen könnte eine wichtige Rolle für die Behandlung spielen.
Für viele Menschen mit schweren Autoimmunerkrankungen ist der Alltag geprägt von Schmerzen, Erschöpfung und der dauerhaften Einnahme von Medikamenten. Erkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes, systemische Sklerose oder autoimmune Muskelentzündung begleiten Betroffene meist das ganze Leben. Die Ergebnisse der weltweit bisher größten Studie zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen mit CAR-T-Zellen, der am Uniklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) durchgeführten CASTLE-Studie, geben nun Anlass zur Hoffnung: Sie zeigen, dass eine einmalige Infusion von CD19 CAR-T-Zellen diese Autoimmunerkrankungen stoppen kann, ohne dass eine weitere Medikamententherapie notwendig ist.
Die Ergebnisse der CASTLE-Studie haben die Forschenden nun im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht.* "Viele unserer Patientinnen und Patienten haben bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich und haben auf zahlreiche vorherige Therapien nicht ausreichend angesprochen", erklärt Dr. Melanie Hagen, Oberärztin und Leiterin der Studienambulanz der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie am Uniklinikum Erlangen. "Dass wir nun sehen, wie sich die Erkrankung nach einer einmaligen Behandlung deutlich beruhigt, ist für die Betroffenen und für uns als Behandelnde beispielslos."
Erfolg durch interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die CASTLE-Studie ist eine so genannte Basket-Studie, in der gleichzeitig Patient/-innen mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen einer Therapie mit CAR-T-Zellen zugeführt werden. Die Studie wurde in einer Zusammenarbeit der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie und der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Klinische Onkologie durchgeführt und konnte 24 schwer erkrankte Patient/-innen, die vor der CAR-T-Zelltherapie auf keine Behandlung mehr angesprochen hatten, in einen andauernden, therapie- und krankheitsfreien Zustand zu bringen.
"Diese Studie zeigt eindrucksvoll, wie Erkenntnisse aus der Krebsmedizin auch anderen Patientengruppen zugutekommen können", sagt Prof. Dr. Fabian Müller, Oberarzt und Leiter der CAR-T-Zell-Einheit an der Medizin 5. "Die enge Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen war entscheidend, um diese innovative Therapie so erfolgreich umzusetzen."
Eigene Zellen werden zu einem lebenden Medikament geformt
In der CASTLE-Studie werden bestimmte Immunzellen, so genannte T-Lymphozyten, aus dem Blut der Patient/-innen isoliert und außerhalb vom Körper mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet. Diese CAR-T-Zellen erkennen nach der Rückgabe in den Patienten/die Patientin andere Immunzellen im Körper, die an der Autoimmunerkrankung beteiligt sind, und töten diese ab. "Das Prinzip der CAR T-Zell-Therapie ist in der Behandlung von Blut- und Lymphdrüsenkrebs bereits seit mehreren Jahren fest etabliert. Da Zellen als Medikament funktionieren, spricht man in diesen Fall auch von einem lebenden Medikament", sagt Prof. Dr. Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Klinische Onkologie.
Eine einmalige Infusion anstelle von lebenslangen Immunsuppressiva Selbst ein Jahr nach der Behandlung mit CAR T-Zellen blieben die positiven Effekte bei den Patient/-innen bestehen, ohne dass diese wieder Kortison oder andere immunsuppressive Medikamente einnehmen mussten. "Unser Ziel ist es, von einer lebenslangen Unterdrückung des Immunsystems wegzukommen", erklärt Prof. Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 am Uniklinikum Erlangen. "Die CAR T-Zelltherapie eröffnet erstmals die Perspektive, das Immunsystem bei schweren Autoimmunerkrankungen gezielt neu auszurichten – mit der Chance auf tatsächliche Heilung dieser schwer verlaufenden Erkrankungen. Für viele Betroffene bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: neue Hoffnung – auf mehr Energie im Alltag, weniger Medikamente und eine bessere Lebensqualität."