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Uni Erlangen: Erschreckende Negativ-Folgen der Energiekrise


Autor: Redaktion

Erlangen, Donnerstag, 22. Januar 2026

Wirtschaftswissenschaftler der Uni Erlangen haben die Folgen der Energiekrise 2020/21 für Europa untersucht. Die Ergebnisse der Studie sind erschreckend.
Wirtschaftswissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg haben die drastischen Umwelt- und Gesundheitsfolgen der Energiekrise 2021/22 in Europa analysiert. (Archivbild)


Die Energiekrise der Jahre 2021/22 hatte neben gravierenden wirtschaftlichen Folgen auch drastische Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Zu diesem Schluss kommen zwei Wirtschaftswissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in einer neuen Studie. Der zeitweilige Wechsel von Gas- auf Kohleverstromung war zwar preislich günstiger und trug zur Versorgungssicherheit bei, verursachte jedoch allein in den sechs europäischen Ländern, die in der Untersuchung betrachtet wurden, rund eine Milliarde Euro an zusätzlichen Umwelt- und Gesundheitskosten. Die Studie ist im Journal of Economic Behavior & Organization erschienen.*

Für die Studie werteten Prof. Dr. Mario Liebensteiner, Juniorprofessur für Energiemärkte und Energiesystemanalyse an der FAU, und sein Student Alex Kimani tägliche Daten von 2015 bis 2023 für sechs EU-Länder - Tschechien, Deutschland, Irland, Italien, Niederlande, Polen - aus und identifizieren die Wirkung jener Umschalt-Tage, an denen Kohle in der Stromerzeugung günstiger war als Gas.

Knapp ein Viertel mehr an Kohlestrom

In der Energiekrise 2021/22, unter anderem ausgelöst durch den russischen Angriff auf die Ukraine, wurde Gas zeitweise so teuer, dass Kohlekraftwerke im Strommarkt häufiger zum Zug kamen. In den 510 Krisentagen zwischen dem 1. Juli 2021 und dem 31. Dezember 2022 stieg der Anteil des Kohlestroms am Energiemix im Schnitt um 23 Prozent. Für die sechs untersuchten Länder entspricht das rund 53 Terawattstunden (53 Milliarden Kilowattstunden) zusätzlicher Kohlestromproduktion. Deutschland zeigt dabei den größten absoluten Ausschlag mit etwa 56 Gigawattstunden zusätzlicher Kohleverstromung pro Umschalt-Tag - ein Zuwachs von 13,5 Prozent.

Schwere Erkrankungen und Todesfälle um fast ein Fünftel angestiegen

Parallel dazu nahmen die Emissionen deutlich zu: insgesamt um rund 36 Millionen Tonnen Kohlendioxid (plus 10 Prozent) sowie bei lokalen Luftschadstoffen um 19 Prozent Feinstaub, 10 Prozent Stickoxide und 24 Prozent Schwefeldioxid. Die Autoren leiten daraus rund 1.285 zusätzliche vorzeitige Todesfälle und etwa 11.781 Fälle schwerer Erkrankungen ab. Das entspricht jeweils einem Zuwachs von 17 Prozent. Zudem schätzen sie Gesundheitskosten der zusätzlichen Luftverschmutzung von über einer Milliarde Euro (Preisstand 2021).

Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung.